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19.05.2010

Blick ins Family Office

Family Offices sind ebenso diskret wie anspruchsvoll.

Family Offices sind ebenso diskret wie anspruchsvoll. Einen Blick hinter die Kulissen verschafft eine Umfrage des Center for Family ­Office der European Business School von Professor Peter Schaubach. Schaubach unterscheidet folgende Grundformen: Mit einer Anzahl von etwa­ 350 bis 400 repräsentiert das Single Family Office die größte Gruppe. Externe Multi Family Offices zählt Schaubach etwa 45 bis 50, wobei sich unter diesen auch bankenabhängige Family Offices befinden. Für alle Kategorien gilt im Normalfall, dass ein realer Werterhalt, Liquidität und regelmäßige Auszahlungen Renditeansprüche dominieren. ­Multi Family Offices betreuen in der Regel Vermögen in der Größenordnung von 250 Millionen bis fünf Milliarden Euro. Mandatiert werden eher unabhängige, flexible Vermögensverwalter. Zudem werden neben den finanziellen noch weitere private Aufgaben wahr­genommen.

_Ein weiter Horizont
Bei einer im April 2009 durchgeführten Multi-Family-Office-­Studie konnten 30 Rückläufer ausgewertet werden. Die durchschnitt­lichen Assets under Advisory pro Multi Family Office liegen laut Studie­ bei etwa 1,6 Milliarden Euro. Investiert wird in ein breites Spektrum an Asset-Klassen. Neben Wertpapieren kommt noch die Betreuung von Land- und Forstwirtschaft sowie Kunstgegenständen hinzu. An­gestrebt wird in der Regel eine breite Diversifikation, wobei es auch vorkommt, dass Anleihen und Renten durch Hedgefonds und Private Equity substituiert werden. Die Finanzkrise führte zu einer starken Reduktion insbesondere von Aktien und Hedgefonds - der Zeitpunkt der Umfrage war allerdings denkbar ungünstig gewählt. Renten, Immobilien­ und Liquidi­tät wurden dagegen stark ausgebaut. Die Quoten­höhen schwanken bei den Umfrageteilnehmern der Studie stark. Interessant ist, dass auch in einem konservativen Portfolio Renten­ teilweise gänzlich außen vor bleiben. Als Benchmark auf Gesamt­portfolioebene fungiert bei mehr als zwei Dritteln der Mandanten eine absolute Rendite nach Inflation und Steuern. Etwas neidisch­ dürften institutionelle Anleger den Zeitraum wahrnehmen, innerhalb dessen diese Benchmark erwirtschaftet ­werden soll: Knapp 70 Prozent der Mandanten haben laut Studie einen Anlagehorizont von bis zu 15 Jahren.
Die Kundengewinnung erfolgt in der Regel über Empfehlungen. Neukunden kehrten vor allem der Private-Wealth-Betreuung der ­Banken den Rücken. Moral-Hazard, Enttäuschung über Ergebnisse und Individualität sind die Treiber dieser Entwicklung. Zwischen Family­ Office und Kunde wird eher eine Interessenskongruenz vermutet. Allerdings: "Multi Family Offices müssen in der Zukunft den schwierigen Spagat zwischen Diskretion und der für den Geschäftsausbau nötigen Visibilität bewerkstelligen", sagt Schaubach. Er erwartet, dass Empfehlungen möglicherweise in Zukunft nicht mehr ausreichen.

 
Patrick Eisele
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