Versorgungswerke
25.12.2017

Christian Mosel im Interview: Die Suche nach neuen Risiken

Christian Mosel (Foto: Hilla Südhaus)

Die Ärzteversorgung Westfalen-Lippe (ÄVWL) zieht alle Register, aber auch an einem Strang: Um nach wie vor einen Rechnungszins von vier Prozent zu erwirtschaften, investiert die ÄVWL weltweit und in fast alle Asset-Klassen. Wichtig sind dabei die richtige Umsetzung und laufende Optimierung der Investments sowie das Timing von Investitionszyklen.

Herr Mosel, welche Überraschungen gab es in Ihren ersten sieben Monaten bei der Ärzteversorgung in Münster?

Christian Mosel: Keine. Die Mitarbeiter agieren in allen ­Bereichen sehr professionell. Mir sind keine unangenehmen Überraschungen wider­fahren. Ich bin froh über die Entscheidung, mit meiner Familie hierher gezogen zu sein. 

Ändert sich nun die Ausrichtung der ÄVWL?

Aus meiner Bankvergangenheit sind mir Governance-Themen wie Regulierung und Compliance sowie Risikothemen sehr ­vertraut. An solche Themen haben wir zum Beispiel die Unternehmensführung und IT-Sicherheitsrichtlinien ausgerichtet. 

Hat man Sie auch darum engagiert, weil Sie die Anbieterseite sehr gut kennen und damit den ein oder anderen Kniff, wie man ­Mandate zum eigenen Vorteil strukturiert? 

(Christian Mosel quittiert die Frage mit einem vielsagenden Schmunzeln.) 

Oder auch darum, um das Insourcing der ÄVWL, also die Unterstützung anderer Kapitalsammelstellen, zu erweitern? 

Primärer Geschäftszweck der ÄVWL ist satzungsgemäß die Organisation der Altersversorgung unserer Mitglieder und Rentner. Wir sind eine Körperschaft des öffentlichen Rechts, damit steuerbefreit und nicht wie ein klassisches Wirtschaftsunternehmen nach Gewinnmaximierung strebend. 

Dass wir die beiden Landtage in NRW und Brandenburg sowie die Tierärzte Westfalen-Lippe unterstützen, sind Zusatzthemen, die nicht mit einer Gewinnerzielungsabsicht verbunden sind. Wenn unsere Unter­stützung aber von den jeweiligen Selbstverwaltungs­organen gewünscht ist, sind wir gerne bereit, helfend zur Seite zu stehen. Aktiv forcieren lässt sich dieses ­Thema nicht. 

Wenn wir für eine andere Vorsorgeeinrichtung tätig sind, müssen wir die nötigen finanziellen, aber vor allem auch personellen Ressourcen bereitstellen können. Unsere internen Ressourcen sind begrenzt, zum ­Beispiel lässt sich unsere Risikocontrolling-Abteilung mit aktuell dreieinhalb Mitarbeitern nicht beliebig ausbauen. 

Fatal wäre es, wenn wir die Leistungsfähigkeit für unsere eigenen Versorgungsberechtigten reduzierten, weil wir auch für andere Einrichtungen tätig sind. Da würden wir der Ärzteversorgung Westfalen-Lippe einen ­Bärendienst erweisen. 

Vor allem muss aber unsere Unterstützung auch von der anderen Seite und/oder von der Aufsicht gewünscht sein. All diese Parameter müssen gegeben sein. Es handelt sich also schlussendlich um ein vielschichtiges, ­komplexes Thema, bei dem viele Faktoren für einen gemeinsamen Erfolg zusammenkommen müssen.  

Am Ende müssten die Kosten doch dadurch geringer werden, dass sich mit größeren Anlagevolumina die Fees reduzieren oder der Prüfungsaufwand nur einmal anfällt? 

Das stimmt für die Gesamtaktivität. Aufgrund unserer Volumina mit sehr guten Einkaufskonditionen und durch unsere Due Diligence lassen sich Kostenvorteile für unsere Partner heben. Mit dem Abstimmungsbedarf, gerade wenn Dritte nur Teile unserer Kapitalanlagestrategie übernehmen, erhöhen sich für uns aber auch Komplexi­täten. Das ist für uns die Güterabwägung. 

 
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