Pensionskassen
18.04.2018

Corporate-Investor im Interview: Das Team vom Bau

Über den Dächern der hessischen Landeshauptstadt: Maria Güntner, Gregor Asshoff und Lutz Hofmann präsentieren sich als eingeschworenes Team. (Bild: Angelika Stehle)

Die Vermögenswerte der Soka-Bau werden binnen 30 Jahren erheblich wachsen. Was das für das kleine aber feine Anlageteam bedeutet, erörtern Vorstand Gregor Asshoff, die Abteilungsleiterin für das Portfoliomanagement, Maria Güntner, und Equity-Spezialist Lutz Hofmann im Interview.

Die Zusatzversorgungskasse des Baugewerbes AG (ZVK) ist zusammen mit der Urlaubs- und Lohnausgleichskasse der Bauwirtschaft (ULAK) unter dem Dach der Sozialkassen der Bauwirtschaft (Soka-Bau) in Wiesbaden vereint. Beide sind gemeinsame Einrichtungen der Tarifvertragsparteien der Bauwirtschaft. Während es Aufgabe der ULAK ist, die Urlaubsansprüche und die Finanzierung der Berufsausbildung zu sichern, soll die ZVK mit einer überbetrieblichen, zusätz­lichen Altersversorgung einen Ausgleich für sogenannte strukturbedingte Nachteile bei der gesetzlichen Rente schaffen.

Herr Asshoff, seit Juni 2015 sind Sie Vorstandsmitglied bei Soka-Bau und verantworten bei der darin angesiedelten Urlaubs- und Lohnausgleichskasse der Bauwirtschaft und der Zusatzversorgungskasse des Baugewerbes unter anderem das Asset Management. Damit fallen respektable Kapitalanlagen in Höhe von rund 9,5 Milliarden Euro in Ihren Verantwortungsbereich. Und die Tendenz ist stark steigend. 

Gregor Asshoff: So ist es. Aufgabe der Urlaubs- und Lohnausgleichskasse ist es, die Urlaubsansprüche und die Finanzierung der Berufsausbildung zu sichern. Die aus Sicht der Kapitalanlage um einiges größere ­Zusatzversorgungskasse soll als überbetriebliche zusätzliche Altersversorgung einen Ausgleich für strukturbedingte Nachteile bei der gesetzlichen Rente schaffen. 

9,5 Milliarden Euro sind für deutsche Verhältnisse sehr viel Geld für eine Kapitalsammelstelle. Wie viele Unternehmen beteiligen sich an der zusätzlichen Altersvorsorge? 

Asshoff: Über allgemeinverbindliche Tarifverträge beteiligen sich rund 75.000 Baubetriebe an der zusätzlichen Altersvorsorge im Baugewerbe. 

Die Zahl der Bauarbeiter liegt um ein Vielfaches darüber. Wie entwickelt sich Ihr Versichertenbestand? 

Asshoff: Der Versichertenbestand, derzeit rund 1,3 Millionen, wächst seit einigen Jahren. Wir erwarten, dass sich die günstige Beschäftigungsentwicklung kurz- bis mittelfristig fortsetzen wird, da nach wie vor ein großer Nachholbedarf an Bauinvestitionen besteht und die Branche von dem niedrigen Zinsumfeld profitiert. Hinzu tritt, dass Vereinbarungen der Tarifvertragsparteien zur schrittweisen Anhebung des Beitrages für die Arbeitnehmer in Ostdeutschland bestehen. Der Versichertenbestand und die Mittelzuflüsse dürften also kurz- und mittelfristig weiter zunehmen.

Die Konjunktur floriert und mancher Bauherr muss sich in Geduld üben, um einen Termin beim Handwerker zu ergattern. Welche Auswirkungen hat das auf die ZVK? 

Asshoff: Die gute Baukonjunktur hat zu einem stärkeren Anstieg der Beschäftigtenzahlen sowie der Beiträge zur zusätzlichen Altersvorsorge geführt. Hierdurch entsteht auch ein erhöhter Anlagebedarf. Hinzu kommt ein Sondereffekt: Seit 2016 wird das überwiegend umlagefinanzierte System der Rentenbeihilfe sukzessive durch die kapitalgedeckte Tarifrente Bau ersetzt, an der nun auch die Arbeitnehmer in ostdeutschen Betrieben und die Auszubildenden teilnehmen. 

Was bedeutet das für die Kapitalanlagevolumina und das Risikomanagement? 

Asshoff: In den nächsten 20 bis 30 Jahren werden unsere Assets under Management kontinuierlich wachsen. Wir gehen von einer Größenordnung von jährlich etwa 500 Millionen Euro aus. Um die Anlage dieser Gelder in der bestehenden Niedrigzinsphase zu adäquaten Renditen zu gewährleisten, bedarf es eines kontinuierlichen Aufbaus von Risikopositionen, die in enger Zusammenarbeit mit dem Risikocontrolling ausgewählt und verwaltet werden müssen. 

Zugleich sollen die Umlagebestandteile des früheren Rentensystems zügig ausfinanziert werden. Die Herausforderung besteht darin, ausreichend Risikokapital bereitzustellen, um zum einen gegebenenfalls wieder schlechtere Phasen in der Bauwirtschaft abzusichern und zum anderen der Kapitalanlage ausreichend Spielraum zum Eingehen von Risikopositionen zu lassen. 

Klingt nach einer enormen Herausforderung. 

Asshoff: Das neu zufließende Kapital kann inzwischen nur noch mit im Durchschnitt niedrigeren Ertragserwartungen angelegt werden, da praktisch alle Märkte in den vergangenen Jahren teurer geworden sind. Mit einer möglichst breiten Streuung der Assets auf alle Asset-Klassen und regionale Märkte sowie dem Einsatz von Hedge-Strategien für Währungen und Extremrisiken begrenzen wir Ertragsrückgänge. 

Wenn man das mal hochrechnet, dann verdoppeln Sie ja bald Ihre Assets. 

Maria Güntner: Richtig, in etwa zehn Jahren. Wichtig ist, dass wir unsere Prozesse jetzt schon an dieses Wachstum anpassen. Wir haben in diesem Jahr ein Projekt zur Einführung einer neuen Kapitalanlagen-Software gestartet. Es ist wichtig, im Voraus Prozesse so gestalten zu können, dass wir effizient in der Abwicklung sind und auch bei kurzfristigen Allokationsanpassungen aktiver agieren können. 

Gleichzeitig müssen Sie mit dem Wachstum auch die Verpflichtungen im Auge behalten. 

Asshoff: Natürlich. Die ZVK-Bau verwaltet als Versorgungsträger für die zusätzliche Altersversorgung im Baugewerbe über 1,3 Millionen Verträge, die größtenteils Alters-, Invaliditäts- und Todesfallleistungen vorsehen. Bei den Alters- und Invaliditätsleistungen handelt es sich im Wesentlichen um ­lebenslang laufende Rentenzahlungen, weshalb die Verpflichtungen der ZVK-Bau gegenüber ihren Versicherten mit bis zu 80 Jahren, in Einzelfällen auch noch mehr, vergleichsweise lange Laufzeiten haben. Und da die leistungsauslösenden und leistungs­beendenden Ereignisse, damit meine ich insbesondere den Eintritt von Invalidität und Tod, ungewiss sind, muss die Verpflichtungsseite entsprechende Sicherheiten enthalten, um alle Verpflichtungen zu jedem Zeitpunkt bedecken zu können. 

Haben wir es mit Garantien zu tun? 

Asshoff: Ja, bei einem Großteil der Zusagen gewährleistet die Zusatzversorgungskasse einen Garantiezins in Höhe von 0,9 bis zu 3,5 Prozent. Das ist abhängig vom Tarif. Die Verpflichtungsseite der ZVK-Bau verändert sich ständig, durch die monatlich gezahlten Beiträge der Arbeitgeber im Baugewerbe und die dadurch ansteigenden Leistungsansprüche der Versicherten, durch Leistungsauszahlungen sowie die biometrischen Daten. 

 
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