FRANKFURT - Unprofessionelle Arbeit kann eine ganze Branche in Verruf bringen. Auch bei Journalisten ist das der Fall. Die aktuelle Berichterstattung über den vermeintlichen Rauswurf von Stefan Seip, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands Investment und Asset Management (BVI), wirft kein gutes Licht auf die Branche.
Was ist passiert? Anfang August hatte der BVI bestätigt, dass Thomas Richter, derzeit Geschäftsführer bei der Fondsgesellschaft DWS und Mitglied des BVI-Vorstands, als neuer BVI-Geschäftsführer, bestellt wurde. Richters Auftrag ist die Lobbyarbeit des BVI in Berlin zu intensivieren. Der Verband betreibt seit 2002 ein Büro in Berlin.
Über Richters Berufung und Aufgabe hinaus hatte der BVI nichts mitgeteilt. Das öffnete der Presse Tor und Tür für Spekulationen, wonach Seip Platz für Richter machen müsse, weil die BVI-Mitglieder mit der bisherigen Leistung von Stefan Seip unzufrieden seien. Ohne Quellen zu nennen, schrieb ein Medium: "Seip und Rudolf Siebel (ebenfalls BVI-Geschäftsführer, Anm. d. Redaktion) sind in der Vergangenheit oft für ihre schwache Lobbyarbeit kritisiert worden. Es ist darum nur eine logisch Folgerung, dass sich Richter nicht lange dem Hauptgeschäftsführer unterordnen wird, sondern schon bald selbst das Ruder übernimmt." Dies solle Ende 2011 geschehen, wann Seips Vertrag auslaufe, so das Medium weiter. Auf Anfrage dementierte der BVI die Ablösung von Seip durch Richter.
Aus einem anderen Medium hieß es: "In der Vergangenheit hatte es innerhalb der Branche immer wieder Kritik an dem mangelnden Einfluss auf Gesetzgebungsverfahren gegeben - gerade auch im Vergleich zum Versicherungsverband GDV. Zu den empfindlichsten Niederlagen gehörte, dass Fondssparpläne anders als Lebensversicherungen nicht von der Abgeltungsteuer ausgenommen wurden. Auch in Zusammenhang mit der Reform der offenen Immobilienfonds gab der Verband im Frühjahr nicht immer ein glückliches Bild ab." Solche Meldungen verdrehen die Tatsachen und beschädigen auf unfaire Weise den Ruf von Seip.
Fakt ist, dass Stefan Seip für den BVI seit seiner Berufung Ende 2001 gute Arbeit geleistet hat. Während seiner Dienstzeit ist die Investmentbranche erheblich professioneller geworden, was man beispielsweise anhand der erhöhten Transparenz der Fonds als Anlagevehikel festmachen kann. Außerdem verzeichnet der BVI seit Ende 2001 kontinuierlich neue Mitglieder. Seips Regentschaft hat weder inländische oder ausländische Fondsgesellschaften davon abgehalten, sich dem Verband anzuschließen.
Die Behauptung, dass Seips Lobbyarbeit mangelhaft sei, ist schlicht unfair. Faktisch ist der Vergleich zwischen der Lobbyarbeit des BVI und dem GDV absurd. Im Gegensatz zu dem GDV verfügt der BVI in Berlin derzeit nicht über ein Heer von Lobbyisten und Spezialisten, die den Bundestag belagern könnten. Unter der Ägide von Stefan Seip kamen durchaus kreative Vorstöße, ob ein EU-Pass für offene Immobilienfonds oder ein vereinfachtes Altersvorsorgekonto. Letzeres mag bisher nicht erfolgreich sein, aber das hat schlicht und ergreifend damit zu tun, dass die Deutschen, und damit auch die deutsche Politik, Altersvorsorge als klassisches Versicherungsgeschäft sehen - und zwar unabhängig davon, ob Versicherungen wesentlich teurer, intransparenter und komplexer sind als Fonds.
Da die Politiker in Berlin Versicherungen als Altersvorsorgeprodukte sehen, trifft es nur bedingt zu, dass die Einbeziehung von Fondssparplänen bei der Abgeltungssteuer als "Niederlage" zu werten ist. Regelrecht falsch ist die Behauptung, dass bei der geplanten Reform der Immobilienfonds ein Fiasko droht. Ist es eher nicht so, dass der BVI dafür sorgte, dass die geplante Abwertung der Fonds um zehn Prozent nun zurückgenommen wurde und somit diese Produktklasse noch eine Chance hat. Angesichts der Tiefe der Immobilienfondskrise müsste man dies eher als Erfolg werten.
Obwohl der BVI mit Thomas Richter die Kapazitäten in Berlin ausbauen will, soll der Verband nach wie vor in Frankfurt bleiben. Das wird zwar häufig kritisiert, muss aber auch nicht unbedingt eine falsche Strategie sei, denn damit bleibt der BVI nahe an seinen Mitgliedern.
Wenn aber die BVI-Mitglieder bereit wären, den Verband nach Berlin umzuziehen und auch kräftig in Lobbyisten zu investieren, würden sie sicherlich mehr politische Feuerkraft bekommen. Bis dahin sollte man es tunlichst unterbinden, Gerüchte über willfährige Medien zu streuen. Denn damit beschädigen sie ihre eigene Interessenvereinigung und somit sich selbst.
portfolio institutionell newsflash 18.08.2010/jan/maa





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