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20.10.2010

DER KOMMENTAR: So toll ist die Schwellenländer-Party nicht!

Rio de Janiero: Ein Investmentstandort für viele

Rio de Janiero: Ein Investmentstandort für viele (Bild: dpa PA)

Wenn sich die Masse der renditesuchenden Investoren erst einmal in Bewegung gesetzt hat, sind steigende Korrelationen die logische Folge.

FRANKFURT - Wer heute Emerging Markets Bonds hinterherrennt, hat vorher etwas verpasst. Gleiches gilt für Hochzinsanleihen und andere Bondmärkte, die Risikoprämien bieten.

Diese These, die für Investoren wie Produkt­anbieter gleichermaßen gilt, führt zu zwei Schlussfolgerungen: Die erste, Investoren betreffend, lautet: Sofern Anleihen eine Ersatzfunktion für Aktien erfüllen sollen, müssen auch die anleihenspezifischen Risiken bedacht werden. Stichwort "Inflation": Wer nur das deflationäre Umfeld in Deutschland vor Augen hat und in Lokalwährungen in Schwellenländern investieren will, sollte in Rechnung stellen, dass nicht nur Aufwertungschancen winken, sondern in vielen Ländern reale Inflationsgefahren lauern.

Und wer ein Investment in Schwellenländer-Anleihen erwägt und dabei die Traumrenditen und niedrigen Korrelationen der Vergangenheit vor Augen hat, sollte auch bedenken, dass er nicht der erste Investor ist, der dieses Ziel anstrebt. Wenn sich die Masse der renditesuchenden Investoren aus den Industrieländern erst einmal in Bewegung gesetzt hat, dann sind steigende Korrelationen die logische Folge.

Wer dann noch auf die wohltuende, diversifizierende Wirkung baut, der sei an den harten Liquiditätsentzug erinnert, unter dem die Börsen in den Emerging Markets im Jahr 2008 gelitten haben. (Wenn sich die panische Horde der risiko­aversen Investoren aus den Industrieländern erst einmal in Bewegung gesetzt hat, dann sind steigende Korrelationen die logische Folge.)

Die zweite Schlussfolgerung betrifft die Fondsanbieter. Wer jetzt versucht, mit neuen Produkten die Nachfrage der Investoren einzufangen, sollte bedenken, dass viele An­leger schlicht auf Risikoprämien aus sind und nicht auf die - tatsächlichen oder vermeintlichen - Alpha-Fähigkeiten des Managers. Bei den Zuflüssen in Emerging Bonds dürfte es sich vor allem um spekulatives Geld handeln, das morgen wieder abgezogen werden kann. Und wer sich jetzt anschickt, neue Geschäftsfelder zu erschließen, sei gewarnt, dass im Haifischbecken Retail-Markt niemand auf neue Fondsproduzenten wartet. Nebenbei gesagt profitiert nicht die Branche als solche von der Rückkehr des Risikoappetits der Anleger, sondern nur eine Handvoll als etabliert eingeschätzte Anbieter. Bei Fonds für Emerging Markets Bonds in Lokalwährungen dominieren einige wenige (ausländische) Anbieter den Vertrieb.

Apropos Mittelzuflüsse: In einer lesenswerten Studie erinnert Morgan-Stanley-Analyst Matthew Garman daran, dass sehr hohe Zuflüsse in Investmentfonds oft einen nahenden Wendepunkt an den Märkten ankündigen. Wer heute Emerging Bonds hinterherrennt, sollte zunächst sicherstellen, dass sein Risikomanagement funktioniert.

portfolio institutionell newsflash 20.10.2010/maa/jan

 
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