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17.02.2010

DER KOMMENTAR: Wegen Immobilienfonds gibt es viel zu lachen

Der Gesetzgeber in Berlin: Von ihm fordert der BVI neue Regeln für Immobilienfonds

Der Gesetzgeber in Berlin: Von ihm fordert der BVI neue Regeln für Immobilienfonds

Der Großanleger ist daran schuld, dass sich die Produkte widersprechen.

Die Karnevalszeit ist vorbei, und auch in diesem Jahr hatten es die Politiker den rheinischen Jecken leicht gemacht, sich über sie lustig zu machen. Absurde Themen aus Berlin gab es viele. Zum einen der massenhafte und teure Impfstoff gegen die Schweinegrippe und zum anderen, dass sich die FDP und die CDU/CSU nicht mehr als Traumpartner in einer Koalition sehen.

Auch in der Investmentindustrie gibt es viel zu lachen. Dort sind derzeit die "offenen Immobilienfonds" eine Lachnummer in der Branche, weil sie immer wieder wegen plötzlichen Liquiditätsnöten schließen müssen. Erst vergangene Woche musste der "TMW Immobilien Weltfonds" erneut schließen, nachdem er im Dezember wieder geöffnet wurde. Als Grund nannte der TMW- Anbieter Pramerica die massive Abwertung beim Degi Global Business, einem anderen offenen Immobilienfonds, der seit Mitte November geschlossen ist (siehe auch frühere Meldung). Noch absurder ist die Tatsache, dass die Schließungen keine Ausnahmen sind. Im Zuge der Finanzkrise haben mindestens fünf weitere offene Immobilienfonds die Rücknahme der Anteile vorübergehend ausgesetzt, darunter Axa Immoselect, Degi International, Degi Europa, Morgan Stanley P2 Value und KanAm US-Grundinvest.

Lustig ist das für den Privatanleger allerdings nicht, wohl eher traurig. Denn nicht er, sondern der Großanleger ist daran schuld, dass sich die Produkte widersprechen.

Die Idee des offenen Immobilienfonds war charmant: Der auf Sicherheit bedachte deutsche Privatanleger soll ein Produkt kaufen, das ihm eben diese Sicherheit - durch Immobilien - gewährt und auch etwas mehr Rendite bietet als Cash. Dass man dort oft mit illiquiden Vermögensgegenständen zu tun hatte, wurde zunächst nicht als ein Problem erkannt. Warum denn auch? Die Gefahr, dass Privatanleger mit ihren geringen Investitionen einen Immobilienfonds in Liquiditätsnot bringen, ist nicht sehr groß. Außerdem hat man darauf spekuliert, dass der Privatanleger das Produkt als langfristige Anlage betrachtet und schwierige Zeiten hinnimmt. Und das machte er.

Aber genau das tat der Großanleger nicht. Sowohl kleinere Kreditinstitute als auch Dachfonds haben den Fonds als kurzfristige Parkmöglichkeit missbraucht. Immer zu Krisenzeiten - 2004/2005 oder 2008/2009 - bekamen Großanleger Panik und forderten ihr Geld zurück. Aufgrund der Illiquidität offener Immobilienfonds konnten die Emittenten die Auszahlungswünsche nicht erfüllen und Fondschließungen waren die Folge.

Anfang 2009 hat der Fondsverband BVI endlich eingesehen, dass die Integrität des Immobilienfonds ernsthaft gefährdet ist. Er forderte vom Gesetzgeber eine Haltefrist von mindestens einem Jahr für Großanleger sowie mehr Spielraum für die Anbieter, um das Liquiditätsproblem zu beseitigen.

Bisher hat Berlin nichts getan, und der BVI hat dafür keine überzeugende Erklärung. "Die alte Große Koalition hatte uns damals mitgeteilt, hier würde wegen der Bundestagswahl nichts mehr passieren", sagte Wolfgang Mansfeld, der scheidende BVI-Präsident auf der BVI-Pressekonferenz. Der Verband rechne damit, dass die Verbesserungsvorschläge in diesem Jahr endlich behandelt werden.

Branchenexperten sind allerdings skeptisch. "Der Grund für die Lethargie in Berlin ist klar. Die Lobby für die Sparkassen und die Genossenschaftsbanken ist mächtig, und diese Institute wollen nach wie vor auf offene Immobilienfonds zurückgreifen", sagen die Experten. Aus ihrer Perspektive kann man dies gut verstehen: Im Vergleich zu Immobilien-Spezialfonds oder anderen geschlossenen Fonds sind offene Immobilienfonds für Großanleger günstiger und flexibler. Flexibilität für sie ist allerdings ein Teil des Problems. Im Interesse des Produktes haben einige Anbieter jedenfalls eine Trennung der Anlegergruppen vollzogen, wie zum Beispiel der Degi Global Business. Dies ist zu begrüßen.

Nur das Dilemma "mangelnde Liquidität" ist damit noch lange nicht gelöst. Denn schon wieder bekamen die Großanleger im Degi Global Business Panik, als sie realisierten, dass der Fonds im kriselnden Osteuropa überinvestiert ist. Der Fonds musste wegen massiven Abflüssen Mitte November geschlossen werden. Inzwischen wurde er um 20 Prozent abgewertet. Nun soll der Degi Global Business Ende März wieder geöffnet werden, und der Anbieter fürchtet schon heute weitere Abflüsse. Falls dies eintreten sollte, wäre der Fonds gescheitert und die Glaubwürdigkeit von Immobilienfonds noch mehr beschädigt.

portfolio institutionell newsflash 17.02.2010/jan/gcu

 
Jan F. Wagner
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