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Ausgabe 10/2017

Die Anlage der Betriebsrenten-Milliarden

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Versicherungen
09.03.2016

Investoreninterview: Klein, aber fein

Alexander Merl, Foto: Alex Habermehl

Klein zu sein, kann von Vorteil sein. Zwar verspürt auch die Deutsche Rück den Anlagedruck, findet aber in ihren Losgrößen für ihren liquiden Kapitalanlagetopf noch immer ausreichend Instrumente, die ein Minimum an Rendite bringen. Außerdem setzt der Düsseldorfer Rückversicherer auf Illiquiditätsprämien.

Alexander Merl, Abteilungsleiter Risikomessung und Reporting bei der Deutschen Rück­versicherung, im Gespräch mit Kerstin Bendix 

2015 fegten einige Tornados über Deutschland hinweg, in Mecklenburg-Vorpommern wurde die Kleinstadt Bützow verwüstet. War 2015 aus Sicht der Deutschen Rück ein schlechtes Jahr?
Mit Blick auf Naturkatastrophen war 2015 nach meinem Wissen kein Jahr, das aus dem langen Zeitraum der Wetteraufzeichnungen besonders heraussticht – anders als zum Beispiel 2007, als Sturm „Kyrill“ große Gebiete in Nordrhein-Westfalen verwüstete. Es wird viel über den Klimawandel und dessen ­Auswirkungen diskutiert. Das ist aber ein langfristiges Thema. Vor diesem Hintergrund würden wir nicht sagen, dass es 2015 eine besondere Häufung von Naturereignissen gab. Somit ist auch das Jahr 2015 kein schlechtes für die Deutsche Rück, obwohl die Entwicklung an den Kapitalmärkten eher durchwachsen war.

Asset-Liability-Management (ALM) stellt für institutionelle Anleger ein wichtiger Investitions­ansatz dar. Ursprünglich stammt er aus der Pensionswirtschaft. Ein Rückver­sicherer hat eine völlig andere Verpflichtungsstruktur. Wie sieht das ALM bei Ihnen aus? Und was sind Ihre wesentlichen Einflussfaktoren?
Ich denke, dass die Faktoren im Asset-­Liability-Management bei allen Investoren erst einmal die gleichen sind. Auch wir ­haben ein ALM und führen entsprechende Studien durch. Die Ergebnisse fließen in die jährliche Überarbeitung unserer strategischen Asset Allocation ein.
Die Naturkatastrophen-Rückversicherung ist das Hauptgeschäft der Deutschen Rück. Sie wird in der Regel auf ein Jahr abgeschlossen. Darum sind die Verpflichtungen auf der Passivseite vergleichsweise kurzfristig. Unsere Aktivseite kann nicht ganz so kurz sein – Stichwort: Niedrigzinsumfeld. Dennoch hat unser Portfolio eine kürzere Duration als die eines klassischen Lebensversicherungsunternehmens.

Das kann sich bei einem Zinsanstieg, der ­irgendwann kommt, als Vorteil erweisen?
Ja, obwohl das Zinsänderungsrisiko in unserem Portfolio nicht das primäre Risiko ist. Unser Portfolio unterscheidet sich neben der Duration noch an anderer Stelle von dem ­eines Lebensversicherers. Wir haben keinen Rechnungszins zu erfüllen und sind nach  VAG anders reglementiert als ein Erstver­sicherer.
Beides sind Gründe, die eine andere Port­foliostruktur erlauben. Wir brauchen zum Beispiel nicht die klassische deutsche Staats­anleihe, die heute je nach Laufzeit nah an der Nullverzinsung rentiert. Wir haben prozentual einen höheren Anteil an Sachwerten.

Aber die Zinssensitivität ist trotzdem ein wichtiges Thema?
Es ist ein wichtiges Thema, aber im Gegensatz zu Lebensversicherungen können wir als Rückversicherer unsere Bewertungsreserven dauerhaft halten, natürlich in Abhängigkeit von der Marktentwicklung. Wie erwähnt, sind zudem unsere Verpflichtungen aus der Versicherungstechnik deutlich kürzer.
Unsere Risiken, im Standardmodell nach Solvency II, liegen eher im Equity- und Spread-Risiko. Wir haben beispielsweise schon früh angefangen, Corporates statt klassische Financials zu kaufen. Mit dem Umschichten in Unternehmensanleihen haben wir bereits 2008 begonnen und damit sehr gute Erfolge erzielt. Daher ist das Credit-­Risiko bei uns eher im Fokus als das Zins­änderungsrisiko.

Damals waren die Spreads noch hoch.
Stimmt, damals gab es noch auskömmliche Spreads einzukaufen und die Risiken wurden realistisch bepreist, was heutzutage nur noch bedingt der Fall ist.

 
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