Asset Manager
13.06.2018

Die Chancen der Digitalisierung

Thorsten Michalik (Foto: DWS)

Die Chancen und Risiken der Digitalisierung beschäftigen Asset Manager mehr denn je. Das wurde auf der 21. Jahrestagung Portfoliomanagement von Uhlenbruch deutlich.

„Digitalisierung ist keine Bedrohung für Asset Manager. Digitalisierung ist eine Chance!“ Dies prophezeite Thorsten Michalik, Mitglied des Executive Boards der DWS, in seinem Vortrag „Go Digital or Go Home“, dem die Teilnehmer der 21. Jahrestagung Portfoliomanagement von Uhlenbruch viel Beachtung schenkten. Michalik begründet seine Prophezeiung mit den heutigen intelligenten Systemen, den höheren Rechenleistungen, mit dank der Digitalisierung deutlich sinkenden Kosten und vor allem damit, dass nur ein kleiner Teil der Deutschen Wertpapiere habe, der Großteil aber ein Smartphone. 

Ob nun ein Asset Manager den Weg in die digitale Welt findet oder heimgehen kann, entscheidet sich für Michalik an eben dieser Kommunikationstechnologie. „Unser Verhalten ändert sich über die Smartphone-Nutzung komplett. Alles wird sich auf Smartphones abspielen. Also muss ein Asset Manager alles gut verdaulich aufs Handy bekommen“, so Thorsten Michalik, der als konkrete Beispiele nennt, dass man „alles in 90 Sekunden auf Youtube erklären können muss“, und, dass Whats-App „die Zukunft des institutionellen Reportings“ ist.

Große Vertriebschancen birgt die Digitalisierung aus Sicht von Michalik in der Zusammenarbeit mit Unternehmen wie Starbucks, Ikea oder dem ADAC – also Unternehmen mit vielen Retail-Kontakten – in Form des sogenannten Wechselgeld-Sparens. Statt Cent-Beträge beim Einkauf zurückzubekommen, könnten diese automatisch in ein von einem Asset Manager gepflegtes Depot fließen. Bei elektronischer Bezahlung kann eine Aufrundung oder ein fixer Betrag für das Wertpapierkonto abgezwackt werden. Andocken könnten Asset Manager aber nicht nur an Retailer, sondern auch an soziale Netzwerke. In Wikifolio, wo Anleger die Anlagestrategien anderer Anleger verfolgen können, sieht Michalik „einen unheimlich wichtigen Trend im Retail-Bereich“. Aus diesem Trend lassen sich bei eigener Präsenz – Anlageerfolg vorausgesetzt – auch Vertriebschancen kreieren. 

Von der Digitalisierung profitieren 

Institutionelle Investoren sollen von der Digitalisierung in Form von Entlastungen profitieren können. Ein institutioneller Anleger brauche künftig nur noch einmal seine Daten auf einer zentralen Datenbank abladen, und der einzelne Asset Manager kann dann die für ihn relevanten Datenpunkte ziehen. Ausweisen kann sich der Investor per Gesichtserkennung. Immobilieninvestoren können durch virtuelle Gebäudebegehungen entlastet werden.

Unterschätzen sollte man diese Entwicklungen vor allem nicht bezüglich ihrer Geschwindigkeit. Michalik nennt an dieser Stelle den Begriff „exponentielles Wachstum“. Lange passiere wenig, aber dann gehe die Kurve immer steiler nach oben. Im Jahr 2007 seien zum ­Beispiel Forscher davon ausgegangen, dass die ersten autonom fahrenden Autos 25 Jahres später auf die Straßen kommen werden. 

Die Schattenseiten 

Natürlich können solche Entwicklungen auch eine Bedrohung für Asset Manager sein. Eine nennt Michalik bezüglich der sozialen Netzwerke selbst: „Was wäre, wenn Morningstar einem privaten Anleger fünf Sterne gibt?“ Zu den Profiteuren bei etwaigen Kooperationen werden wohl nur die Dickschiffe der Branche zählen – wenn überhaupt. Starbucks & Co könnten schließlich ja auch, so gaben Teilnehmer der Uhlenbruch-Konferenz zu bedenken, einen eigenen ­Asset Manager gründen. Eine solche Möglichkeit ist auch Michalik bewusst. In seinem Vortrag führte er nämlich die Aussage des Alibaba-Gründers Jack Ma an, dass der größte Asset Manager der Welt kein traditioneller Asset Manager sein werde. 

portfolio institutionell 13.06.2018/Patrick Eisele 

 
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