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Strategien
01.11.2016

Die EZB sagt vorerst: „Weiter so“

Prof. Raimond Maurer

Die diesjährige Fachkonferenz des Safe Policy Centers der Goethe Universität Frankfurt hat ihr Hauptaugenmerk auf die negativen Effekte der Niedrinzinspolitik der EZB gerichtet.

Die Diskussion um die negativen Effekte der Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) auf den Euroraum und darüber hinaus wird immer lauter. Die kritischen Stimmen zur Politik werden immer schärfer. Dieses und andere Themen haben die Teilnehmer der Frankfurter Konferenz zur Finanzmarktpolitik „Challenged by Low Interest Rates“ vom House of Finance der Goethe Universität Frankfurt am vergangenen Freitag erörtert. Ein negativer Effekt sind die großen Probleme zahlreicher Lebensversicherungsgesellschaften insbesondere in Deutschland, ihre vertraglich vereinbarten Garantieleistungen zu bringen, nannte Professor Raimond Maurer, Dekan der Fakultät Wirtschaftswissenschaften, als ein Beispiel.

Aus Maurers Sicht liegt im derzeitigen Umbruch der Finanzbranche die große Chance, hierzulande die gesamte Kultur im Bereich Altersvorsorge zu ändern. Dies würde zum Beispiel bedeuten, von Garantieprodukten wegzukommen und in bestimmten Phasen für den Vermögensaufbau auch in höher rentierliche Anlagen zu investieren. Insgesamt sollten dabei die Produkte und Investitionen auf die gesamte Lebensspanne hin ausgerichtet sein und nicht allein auf einige Abschnitte, betonte Maurer. Ein solches Umdenken sei allerdings ganz nicht einfach, den Menschen nahezubringen.

Benoît Cœuré, Mitglied im Direktorium der EZB, erläuterte und begründete die EZB-Politik und wies unter anderem darauf hin, dass die EZB die Effekte der Politik genau beobachte, aber nicht das Mandat habe, einzelne Geschäftsmodelle zu unterstützen. Das Mandat sei vielmehr, die Geldwertstabilität zu gewährleisten. Dass die Niedrigzinspolitik allerdings nicht ewig weitergehen könne, betonte auch Cœuré. Konkrete Zeitraume ließen sich derzeit allerdings nicht festmachen, sagte er ebenfalls.

Isabelle Mateos y Lago, Investmentstrategin weltweit bei der US-Investmentgesellschaft Blackrock, hob hervor, dass sich auch Blackrock als Marktteilnehmer an die neuen Bedingungen anpassen müsse. Die niedrigen Zinsen beeinflussten zwar die Branche, sie werde aber überleben. Niedrigere Erträge infolge niedrigerer Zinsen als zuvor erhöhen den Druck auf die Kosten; hinzu komme, dass immer mehr Gelder in kostengünstigere passive Produkte fließen, nannte Mateos y Lago einige Knackpunkte im Anpassungsprozess. Insgesamt erwartet sie eine Konsolidierung in der Branche.

Thomas Wilson, Chief Risk Officer (CRO) weltweit des Versicherungskonzerns Allianz, betonte ebenfalls, dass sich Geschäftsmodelle ändern müssen. Auf der Produktseite könne dies zum Beispiel für Kunden bedeuten, dass sie ein höheres Risiko zu tragen haben. Auch im strategischen, also langfristig ausgerichteten Asset Management gebe es Änderungen. Etwa, indem die Manager mehr in passive Produkte investieren oder indem mache Unternehmen eigene Investmentteams gründen, anstatt die entsprechenden Produkte gegen Gebühren zu kaufen.

Weiterführender Link:

House of Finance Goethe Universität Frankfurt

portfolio institutionell newsflash 02.11.2016/Heike Gorres

 
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