Asset Manager
08.08.2016

Die Klagemauer in Luxemburg

(Foto: Shutterstock)

Viele besonders interessant und intelligent klingende Fondskonzepte­ und Anlagestrategien haben die missliche Eigenschaft, nicht den Vermögensstand, sondern nur den Erfahrungsschatz des Anlegers zu bereichern. Ist das Geld in den Sand gesetzt, bleibt Anlegern nur noch der Rechtsweg.

Dieser kann zur Überraschung des Anlegers auch einmal ins Ausland führen und einige Hürden beinhalten. Exemplarisch für alle Anlegergruppen betreffende typische Streitpunkte ist der folgende Rechtsfall. 

Die Vorgeschichte: Ein Anleger investiert knapp 25.000 Euro in den FI Fund der Discountbroker AG. Diese bot vor der Finanzkrise beispielsweise auch Hedgefonds an, für die unabhängig von aktuellen Börsenentwicklungen gleichbleibend hohe absolute jährliche Erträge zwischen zehn und 15 Prozent bei vergleichsweise niedrigen Schwankungsbreiten in Aussicht gestellt wurden. Seit März firmiert die ­Gesellschaft nun unter The Engineers of Finance. Die Engineers of ­Finance AG ist im Vermittlerregister als Finanzanlagenvermittler mit einer Erlaubnis nach Paragraf 34f. Absatz 1 Nummer 1 und 2 Gewerbeordnung eingetragen. Die Engineers aus Northeim offerieren mit dem in dem Aktiendachfonds hauseigenen „Stop+Go“ ein nach eigener Einschätzung „geniales Limitsystem“. Dieses senkt in fallenden und erhöht in steigenden Marktphasen das Aktienrisiko trendfolgend bei Investmentfonds auf Basis von Trailing Limits und einem gleitenden 183-Tage-Durchschnitt. Angewandt bei 1.544 Aktienfonds im Zeitraum 2000 bis 2015 produzierte das Limitsystem großartige Verbesserungen bei den Maximum Drawdowns, die auch unter das ­Niveau von Mischfonds gesenkt werden konnten, bei der Volatilität und bei den Renditen – allerdings im Backtest und vor Kosten. Laut Marcus Renzie­hausen, Vorstandsvorsitzender der Engineers of Finance AG, sei das Risiko-Overlay aber zumindest bereits seit 2006 im Einsatz. Seit diesem Jahr verwende man auch grundsätzlich die gleichen Limits. Allerdings ist einem Werbeflyer von 2010 laut Klageschrift zu entnehmen: „Am Anfang wird jeder Zielfonds genau analysiert und bewertet. Dann werden bei jedem einzelnen Fonds die optimalen ­Limits für die Stop-Loss-Order und die Start-Buy-Order bestimmt.“ Bei der Konfiguration des Systems dürfte es sich mit Blick auf die überragenden Ergebnisse nicht als Nachteil erwiesen haben, dass ­damals der Verlauf der TMT-Bubble bereits bekannt gewesen ist. Dass die mit dem Limitsystem erzielte Outperformance der Aktienfonds zwischen 34 bis 40 Prozent lag, bei US-Aktien aber „nur“ bei 16 Prozent, dürfte daran liegen, dass im S&P 500 der Maximum Drawdown in der Technologie- und der Finanzkrise vergleichsweise deutlich ­geringer ausfiel. Ein Indiz dafür, dass mit Blick in den Rückspiegel optimiert wurde, könnte auch der Gebrauch des eher ungewöhnlichen 183-Tage-Durchschnitts sein. Davon, dass ein Risiko-Overlay ein Buy-and-Hold renditetechnisch langfristig schlagen soll, geben sich selbst die „Finanz­ingenieure“ überrascht: „Die Renditeerwartung ist in allen untersuchten Fondskategorien unter dem Einsatz von Limits komplett erhalten geblieben. Das ist eher verwunderlich, da die Rendite­erwartung mit abnehmendem Risiko bei Kapitalanlagen eher sinkt.“

Trotz Overlay Verlust von 50 Prozent
In der Praxis, genauer gesagt im FI Fund, performte Stop+Go leider nicht ganz so toll. Nach Fondsanteilseinbrüchen in insgesamt eigent­lich guten Aktienjahren von etwa je 25 Prozent in den Jahren 2008 und 2011 und etwa zehn Prozent in den Jahren 2010 und 2012 sowie einem rapide gesunkenen Anlagevolumen wurde der Fonds im März 2014 von der Verwaltungsgesellschaft liquidiert. Dabei war der Dachfonds in Single-Fonds namhafter – aber nicht immer billiger – Anbieter wie Franklin Templeton, Flossbach von Storch, Loys oder Carmignac investiert. Beim FI kommt für Stop+Go bei beispielsweise einem Anlagebetrag von 10.000 Euro noch eine jährliche Gebühr von 1,43 Prozent hinzu.

 
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