Immobilien
9. Mai 2016

Die Konsolidierungswelle rollt an

Die Immobilien- und Asset-Management-Branche wird sich konsolidieren. Kauf- und Übernahmeangebote mehren sich, wie eine neue Studie zeigt. Spezialisten sind gegenüber Generalisten im Vorteil.

Die Stimmung auf dem deutschen Immobilienmarkt ist seit Jahren gut. Im vergangenen Jahr wurde mit 79 Milliarden Euro so viel Kapital in deutsche Gewerbeimmobilien investiert wie zuletzt 2007. An diesem Hype wird sich auch 2016 trotz deutlich gestiegener Preise nichts ändern, wenngleich es zum Jahresanfang eine kleine Verschnaufpause gab. Davon ist EY Real Estate überzeugt. Das Beratungshaus rechnet zwar mit einem Rückgang des Transaktionsvolumens auf 62 bis 65 Milliarden Euro, was aber immer noch deutlich über dem Durchschnitt der vergangenen zehn Jahre (circa 42 Milliarden Euro) liegt. Verbunden mit dem großen Interesse an Immobilien steht eine weiterhin sehr hohe Nachfrage nach professionellen Asset-Management-Leistungen. Zu dieser Erkenntnis kommt EY Real Estate in der neuen Asset-Management-Studie 2016, die gemeinsam mit dem Immobilienanbieter Triuva im Frühjahr unter 45 Asset-Management-Unternehmen und Immobilienbestandshaltern durchgeführt wurde, von denen die meisten mehr als eine Milliarde Euro Assets under Management haben.

Das Ergebnis: Alle Befragten sind sich darin einig, dass professionelle Asset-Management-Leistungen in Zukunft stark nachgefragt werden. Für fast 90 Prozent ist die Qualität des Asset Managers allerdings wichtiger als die Kostenkomponente. Mit Blick auf die Gruppe der Befragten erscheint dieses Ergebnis nicht überraschend. Die Kundengruppen der Studienteilnehmer sind Immobilienfonds, Versicherungen und Pensionseinrichtungen, Private-Equity-Häuser, Stiftungen und Family Offices. Hier könnte durchaus auch der Wunsch der Vater des Gedankens sein.   

Spezialisten statt Generalisten

Wie aus der Studie weiter hervorgeht, werden Unternehmen, die sich auf eine Immobiliennutzungsart oder eine Region spezialisieren, die besseren Zukunftschancen zugeschrieben als Generalisten. Da das Geschäft immer komplexer wird, werden gerade von kleinen und mittelgroßen Unternehmen Teilaufgaben zunehmend ausgelagert werden müssen. Rund 80 Prozent der Befragten bestätigen, dass der Spezialisierungsgrad von Asset-Management-Dienstleistungen in Bezug auf die Nutzungsklassen zunehmen wird.
„Es ist derzeit sehr viel Bewegung am Markt“, sagt Dietmar Fischer, Partner bei EY Real Estate, der die Untersuchung mit verantwortet. Und weiter: „Personelle Ressourcen und der Mangel an Opportunitäten erschweren aber den Geschäftsausbau im Asset Management. Demzufolge sind Zukäufe oft die einzige Möglichkeit, um der steigenden Nachfrage und den höheren Anforderungen gerecht werden zu können.“ Nach Einschätzung von Alexander Becker, Leiter Asset Management bei Triuva, hat sich schon seit Längerem angedeutet, dass die Spezialisten künftig im Vorteil sind. Auch Outsourcing-Tendenzen hätten eine gewisse Historie. Die Dynamik bei Zusammenschlüssen und Übernahmen von Unternehmen sei jedoch überraschend. Zwar würden rund 80 Prozent der Asset Manager lieber organisch wachsen, während M&A-Strategien nur bei 20 Prozent beliebt sind. Dennoch hat jeder dritte Befragte im vergangenen Jahr mindestens ein konkretes Kauf- beziehungsweise Übernahmeangebot erhalten. „Konsolidierungen sind zu erwarten, das ist letztendlich ein ganz normaler Prozess, wie wir ihn in anderen Bereichen auch beobachten. Dies ist auch der weiteren Professionalisierung der Branche geschuldet“, so Becker. Im Rahmen der Zukäufe fehle aber oft eine klare Vision der Zusammenarbeit, davon gehen rund 50 Prozent der Befragten aus; ebenfalls rund 50 Prozent sehen in der fehlenden internen Kommunikation einen der am häufigsten vernachlässigten Erfolgsfaktoren.
portfolio institutionell newsflash 09.05.2016/Kerstin Bendix

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