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15.04.2010

Die Macht ist mit dem Limited Partner

In der Private-Equity-Industrie sind Fundraisings stark rückläufig, kleinere Fondsgrößen mehr gefragt, und die Anzahl von Fonds mit Distressed-Ausrichtung nimmt zu.

In der Private-Equity-Industrie sind Fundraisings stark rückläufig, kleinere Fondsgrößen mehr gefragt, und die Anzahl von Fonds mit Distressed-Ausrichtung nimmt zu. Dies sind die (fast schon) erwarteten­ Hauptergebnisse der 2009er "Private Equity Terms and Conditions"-­Studie der Schweizer SCM, für die in diesem Jahr 224 Zielfonds ­befragt wurden. Interessante Ergebnisse finden sich aber in den ­Details.

Der Anteil der Fonds mit einer Zielgröße von unter einer halben Milliarde US-Dollar ist im Vergleich zum Vorjahr von 50 auf 70 Prozent gestiegen. Kein Fonds geht heute noch ins Fundraising, um mehr als fünf Milliarden Dollar einzusammeln. Bei den Strategien ist die bemerkenswerteste Veränderung, dass sich der Anteil der Distressed/Turn-around-Fonds von sieben auf 14 Prozentpunkte verdoppelt hat und der Anteil der Venture-Fonds von 35 auf 20 Prozent gefallen ist. Verwunderlicher ist für Dr. Stefan Hepp, CEO und Gründer von SCM, dagegen, dass 46 Prozent der Fonds bei den Fondsvolumina eine ­Steigerung im Vergleich zur Vorgängergeneration anstreben und es sich bei einem Drittel um First-Time-Fonds handelt: "First Timer ­haben es in diesen Zeiten besonders schwer." Auffällig ist auch, dass der Anteil der europäischen Fonds von 29 auf 18 Prozent gefallen, der Anteil der nordamerikanischen Fonds dagegen von 27 auf 42 Prozent gestiegen ist. Hepp begründet dies damit, dass in der Vergangenheit 60 Prozent der weltweiten Commitments aus den USA kamen und nun dort mit den Geldern, die man noch in Beteiligungen investieren will, primär US-Fonds dotiert werden. Zudem macht sich bei der ­zurückgehenden Zahl der europäischen Fonds auch die "Konkurrenz" aus Asien­ bemerkbar. Dass weniger europäische Fonds aufgelegt werden, muss für Investoren aber kein schlechtes Zeichen sein.

_VC orientiert sich an Buy-outs

Wie bei Hedgefonds ist nun auch bei Beteiligungen für Investoren die Gelegenheit günstig, bessere Konditionen auszuhandeln. Was für Investoren vorstellbar ist, zeigen nicht zuletzt die von der Institutional Limited Partners Association (ILPA) im September veröffentlichten Principles. Laut SCM pochen aber nur wenige Limited Partners auf die strenge Einhaltung dieser Prinzipien. Venture Capital orientiert sich aber nun stärker an den ILPA-Prinzipien. "Nun gibt es auch bei US-Fonds in der Regel eine Hurdle Rate, und der Trend geht vom Deal-by-Deal-Waterfall hin zu einer Gewinnbeteiligung, die erst nach Fondsabwicklung fällig wird", sagt Hepp. "Venture Capital in den USA, aber auch amerikanische Buy-out-Fonds, nähern sich den europä­ischen Private-Equity-Gepflogenheiten an." Bezüglich der Gebührenhöhe geht SCM davon aus, dass über alle Private-Equity-Fonds hinweg ein Carried Interest von 20 Prozent und eine Hurdle Rate von acht Prozent auch künftig der Standard sein wird. Gerade bei großen Fonds liegt die Management Fee dafür schon unter zwei Prozent. Sopep-­Geschäftsführer Dr. Rolf Wickenkamp prophezeite auf der 7. Deutschen Investmentkonferenz, dass sich die Management Fee von Mega­fonds noch weiter reduziert: "Mittelgroßen Fonds ist es aber nicht möglich, die Gebühren noch weiter zu senken." Klar auf dem Rückzug sind die verdeckten Fees für zum Beispiel Arrangements und ­Beratung, die nicht dem Fonds zugute kommen, sondern direkt in die Taschen des General Partners fließen. Diese ­Zweiteinnahmequelle ist am Versiegen. "Früher war eine Gewinnaufteilung zwischen Limited und General Partner von 50:50 normal und 80:20 für Investoren günstig. Heute ist die letztere Relation die untere Skala", sagt Hepp.

Dass die Ergebnisse der SCM-Analyse vergleichsweise moderat ausgefallen sind, ist auch den für die Branche typischen langwierigen Zyklen geschuldet. Derzeit liegt die Verhandlungsmacht beim Limited Partner. Wie nachhaltig diese Entwicklung ist, hängt auch stark von der konjunkturellen Entwicklung ab. Darum könnte sich 2009 auch einmal lediglich als ein Übergangsjahr entpuppen.

 
Patrick Eisele
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