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06.02.2018

Diözese Eichstätt vermisst bis zu 60 Millionen Dollar

„Transparenzoffensive“ deckt Vermögensschaden auf. Diözese zeigt Mitarbeiter an, zwei Beschuldigte sitzen in Haft.

Die Diözese Eichstätt hatte nach Informationen von Süddeutscher Zeitung, NDR und WDR in mehr als 30 Fällen ohne Absicherungen Kredite für Bauvorhaben in den USA vergeben. Schlimmstenfalls sei ein Verlust von 60 Millionen Dollar entstanden, was laut dem Bericht ein Sechstel des kompletten Anlagevermögens wäre. Ende 2015 habe Gregor Maria Hanke, Bischof von Eichstätt, eine Transparenzoffensive angeordnet. Im Frühjahr 2016 entdeckten Wirtschaftsprüfer etliche Ungereimtheiten bei Investitionen in den USA.

Im Juli 2017 stellte die Diözese Strafanzeige gegen einen früheren Mitarbeiter, der sich um die Geldanlagen der Diözese kümmerte, und eine weitere Person wegen Verdachts auf Untreue, Bestechung und Bestechlichkeit. Seit dem 29. Januar sitzen zwei Beschuldigte in Haft. Der damalige Angestellte soll zwei Jahre lang Dutzende Darlehen an US-Firmen vergeben haben, die mit Immobilienprojekten warben. Sein Ansprechpartner auf US-Seite war laut dem Bericht ein Deutscher, mit dem er seit Jahren bekannt ist. Womöglich wirkten beide Männer zusammen, um die Diözese zu schädigen.

In einer Presse-Erklärung zu aktuellen Erkenntnissen bei der Neuordnung der Finanz- und Vermögensverwaltung der Diözese Eichstätt, teilte Bischof Hanke mit, dass es der Sachverhalt zwingend erforderlich mache, „dass eine umfassende Aufarbeitung und gegebenenfalls auch Ahndung der Vorgänge durch die dazu berufenen staatlichen Stellen erfolgt“. Nur dadurch könne dem in der Transparenzoffensive formulierten Anspruch genügt werden. Die Diözese Eichstätt wird im Interesse einer umfassenden Aufklärung eng mit den Ermittlungsbehörden zusammenarbeiten, so Bischof Hanke. Die von der Diözese beauftragte Anwaltskanzlei soll für eine umfassende Unterstützung der Ermittlungsbehörden Sorge tragen.

Wie die Süddeutsche Zeitung schreibt, war nach Darstellung der Diözese Eichstätt der Finanzchef im fraglichen Zeitraum fachlich von seiner Aufgabe überfordert. Es habe sich um einen Geistlichen „ohne tiefergehende wirtschaftliche Kenntnisse" gehandelt, heißt es in der Strafanzeige. Er habe sein Amt inzwischen aufgegeben. Offenbar war das zuständige Aufsichtsgremium, der Diözesanvermögensverwaltungsrat, ebenfalls überfordert oder gar nicht eingeweiht. Die Diözese habe diesen Rat mittlerweile neu besetzt, diesmal überwiegend mit Wirtschaftsexperten.

portfolio institutionell 05.02.2018/Patrick Eisele 

 
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