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Ausgabe 12/2017

Die Titelgeschichte dreht sich um Aktien

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Corporates
21.12.2017

Continental-Treasurer im Interview: Diszipliniert und ambitioniert

Stefan Scholz (Bild: Henning Stauch)

Die Geschäfte von Continental laufen wie geschmiert. Das spürt man förmlich beim Vor-Ort-Besuch in Hannover rund um die in die Jahre gekommene Firmenzentrale, die schon bald an einem neuen Standort ein modernes Zuhause finden soll. Und man sieht es am Zahlenwerk des Automobilzulieferers.

Im laufenden Geschäftsjahr strebt das Dax-Mitglied auf neue Rekorde zu – und gibt sich damit nicht zufrieden. Dass jedes der unzähligen von „Conti“ im Ausland initiierten Projekte das Treasury in Hannover durchläuft und man dort auch in jede Akquisition des Konzerns involviert ist – angefangen bei der Due Diligence bis hin zur Integration – merkt man Stefan Scholz (Head of Finance & Treasury) nicht an. Entspannt bis in die Fußsohlen nimmt er sich Zeit für unsere Fragen. 

Herr Scholz, am 5. Dezember 2016 hat die Continental AG eine Euro-Anleihe ohne Kupon und ohne nennenswerten Abschlag zum Nennwert begeben, Fälligkeit des Nominalvolumens von 600 Millionen Euro ist 2020. Zum Vergleich: Eine 750 Millionen Euro Anleihe aus dem September 2013 war mit einem Kupon von 3,125 Prozent ausgestattet. Damit sparen Sie im Grunde genommen mehr als 18 Millionen Euro pro Jahr. Haben damals bei Ihnen die Sektkorken geknallt? 

Stefan Scholz: Wir haben bei der Emission ein gutes Timing gehabt und das angemessen gefeiert, allerdings ohne Sekt. Dann sind wir aber auch zügig wieder zum Tagesgeschäft übergegangen, da die Märkte bekanntlich immer in Bewegung sind. Die Transaktion ist für uns aber natürlich ein Meilenstein, weil er unsere ­erfolgreiche Arbeit bestätigt. Die bemerkenswerte Emission ist nicht nur durch uns allein geprägt, sondern auch durch den Zinsrückgang am Markt. Das Besondere war, dass wir ein Jahr zuvor mit der daraus resultierenden Kostenersparnis nicht gerechnet hatten. Unsere Freude war also gerechtfertigt. 

Zur Refinanzierung emittiert Continental regelmäßig Commercial Paper, die typischerweise eine kurze Laufzeit aufweisen. Wie ist es dort um die Zinssätze bestellt? 

Ein Commercial Paper trägt grundsätzlich keinen Zins. Die Emission erfolgt auf- oder abdiskontiert zum Nennwert. Wir sehen hier mittlerweile eine negative Rendite für den Investor. Ich hätte mir vor einiger Zeit nicht vorstellen können, dass Investoren bereit sind, 20 oder 25 Basispunkte zu zahlen, um Commercial Paper von Continental zu halten. 

In Zeiten von Nullzinsen in der Refinanzierung besteht das Risiko, dass man als Unternehmer die Renditeanforderungen senkt und Projekte initiiert, die langfristig nicht besonders rentabel sind. Wie begegnen Sie diesem Aspekt? 

Wir betrachten den realen Fremdkapitalzins und die Renditevorgaben, die ein Vorhaben mindestens erzielen muss, getrennt voneinander. Bei langfristigen Investments spielen andere Komponenten eine größere Rolle als der kurzfristige Refinanzierungszins. Deshalb haben unsere am Markt erzielten Refinanzierungskosten so gut wie keinen Einfluss auf unsere internen Zielmarken, die ein Projekt rentieren muss, damit wir es durchführen. 

Wie messen Sie bei Ihren operativ tätigen Geschäftseinheiten, inwiefern dort Wert geschaffen wird? 

Unsere Gesellschaften schöpfen Wert, wenn die Renditevorgaben auf das eingesetzte Kapital, der Return on capital employed, kurz ROCE, über zehn Prozent liegt. Unser Renditeziel liegt mit 20 Prozent deutlich darüber. In den vergangenen Jahren haben wir dieses Ziel wiederholt erreicht. In den operativen Assets ist übrigens auch Goodwill da die Märkte bekanntlich immer in Bewegung sind. Die Transaktion ist für uns aber natürlich ein Meilenstein, weil er unsere erfolgreiche Arbeit bestätigt. Die bemerkenswerte Emission ist nicht nur durch uns allein geprägt, sondern auch durch den Zinsrückgang am Markt. Das Besondere war, dass wir ein Jahr zuvor mit der daraus resultierenden Kostenersparnis nicht gerechnet hatten. Unsere Freude war also gerechtfertigt. 

Zur Refinanzierung emittiert Continental regelmäßig Commercial Paper, die typischerweise eine kurze Laufzeit aufweisen. Wie ist es dort um die Zinssätze bestellt? 

Ein Commercial Paper trägt grundsätzlich keinen Zins. Die Emission erfolgt auf- oder abdiskontiert zum Nennwert. Wir sehen hier mittlerweile eine negative Rendite für den Investor. Ich hätte mir vor einiger Zeit nicht vorstellen können, dass Investoren bereit sind, 20 oder 25 Basispunkte zu zahlen, um Commercial Paper von Continental zu halten. 

In Zeiten von Nullzinsen in der Refinanzierung besteht das Risiko, dass man als Unternehmer die Renditeanforderungen senkt und Projekte initiiert, die langfristig nicht besonders rentabel sind. Wie begegnen Sie diesem Aspekt? 

Wir betrachten den realen Fremdkapitalzins und die Renditevorgaben, die ein Vorhaben mindestens erzielen muss, getrennt voneinander. Bei langfristigen Investments spielen andere Komponenten eine größere Rolle als der kurzfristige Refinanzierungszins. Deshalb haben unsere am Markt erzielten Refinanzierungskosten so gut wie keinen Einfluss auf unsere internen Zielmarken, die ein Projekt rentieren muss, damit wir es durchführen. 

Wie messen Sie bei Ihren operativ tätigen Geschäftseinheiten, inwiefern dort Wert geschaffen wird? 

Unsere Gesellschaften schöpfen Wert, wenn die Renditevorgaben auf das eingesetzte Kapital, der Return on capital employed, kurz ROCE, über zehn Prozent liegt. Unser Renditeziel liegt mit 20 Prozent deutlich darüber. In den vergangenen Jahren haben wir dieses Ziel wiederholt erreicht. In den operativen Assets ist übrigens auch Goodwill enthalten, den wir durch zahlreiche Akquisitionen – wie zum Beispiel Siemens VDO Automotive im Jahr 2007 – in unserer Bilanz ausweisen. Der Goodwill selbst stellt dabei natürlich keinen operativ nutzbaren Ver­mögenswert dar. Insofern ist ein ROCE von 20 Prozent meiner Einschätzung nach durchaus sportlich und absolut angemessen. 

In den 1990er-Jahren hatte Continental den Werbeslogan: „Reifen - neuester Stand“. Heute wirbt der Automobilzulieferer mit „The Future in Motion“. Inwieweit spielt die Zukunft in Ihrem Tagesgeschäft eine Rolle? Ich denke da beispielsweise an neue Anlageklassen und die Ausfinanzierung von in der Zukunft liegenden Pensionsverpflichtungen?

Fangen wir mal beim Zinsniveau an. Das hilft uns heute natürlich bei der Refinanzierung des Konzerns. Auf der Pension-Asset-Seite wiederum sorgt die Zinsentwicklung dafür, dass es uns schwerer fällt, mit bestimmten Anlageklassen eine gewisse Rendite zu erzielen. Das ist ganz entscheidend, auch wenn wir keine feste Zielgröße definiert haben, die wir per annum auf der Anlageseite erreichen müssen. 

Unsere Investitionsentscheidungen treffen wir daher nicht auf Basis der zu erwartenden Renditen, sondern achten vielmehr zur Vermeidung von Kapitalverlust auf eine gute Diversifizierung und damit Balance in unseren Portfolien. Daher schauen wir eher selektiv auf neue Anlageklassen und ihre Eignung für unsere Portfolien. Es ist so, dass die Rendite unserer beiden CTAs keinen Einfluss auf die Verzinsung der Pensionsansprüche der Mitarbeiter hat. 

Würden Sie das bitte näher erläutern. 

Unsere Pensionszusagen basieren auf einem fixierten Zinsfuß und nicht auf der aktuellen Zinsentwicklung beziehungsweise erzielten Rendite. Im Rahmen unserer beiden CTAs legen wir die zur Deckung künftiger Pensionsansprüche beiseitegelegten Gelder risikobewusst an. Das Risiko muss für uns immer tragfähig sein. 

Aber die Zeiten haben sich geändert. 

Früher konnte man mit Anleihen, deren Rating im Investment-Grade-Bereich lag, 3,5 Prozent Rendite pro Jahr und mehr erzielen. Heute muss man dazu auf Emittenten im High-Yield-Bereich ausweichen. Aber das war früher und ist auch heute nicht das Anlageuniversum, auf dem unser Fokus liegt. Wir wollen mit unserem Portfolio eine angemessene Rendite erzielen. Dazu treffen wir am Jahresanfang in Absprache mit unserem Finanzvorstand Renditeannahmen, die wir mit unserem Portolio auf Jahressicht erwarten. Und diese Renditeerwartung wollen wir mindestens erreichen. 

Aber natürlich kann es vorkommen, dass sich die Bedingungen an den Märkten abrupt verändern und damit auch die Eigenschaften von Asset-Klassen, wie man das zuvor nicht erwarten konnte. Deshalb hinterfragen wir, inwieweit wir unter der Berücksichtigung von Risikogesichtspunkten und Diversifizierung bessere Anlageentscheidungen treffen können. 

 
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