Traditionelle Anlagen
21. Mai 2014

Dividendenzahlungen in Schwellenländern schwanken stärker

Investoren mit einem Faible für dividendenorientierte Anlagestrategien blicken auf einen herausragenden Jahresauftakt zurück. Nach Berechnungen von Henderson schütteten die börsennotierten Unternehmen weltweit im ersten Quartal ein Rekordvolumen an ihre Anteilseigner aus.

Während die Hauptversammlungssaison in Deutschland auf Hochtouren läuft und die hiesigen Unternehmen ihre jährlichen Dividendenausschüttungen vornehmen, konnten Dividendenjäger auf globaler Ebene bereits im ersten Quartal Ausschüttungen generieren. Nach Angaben von Henderson Global Investors zahlten die börsennotierten Unternehmen ihren Anlegern zwischen Januar und März 228,4 Milliarden US-Dollar – ein Plus von 54,6 Milliarden Dollar beziehungsweise 31 Prozent gegenüber dem gleichen Vorjahreszeitraum. Der enorme Zuwachs geht allerdings zu großen Teilen auf eine Sonderausschüttung von Vodafone zurück. Das Telekommunikationsunternehmen überwies seinen Aktionären nach dem Verkauf seiner Beteiligung an Verizon Wireless die höchste jemals gezahlte Dividende. 
Henderson beziffert die Sonderdividende auf 26 Milliarden US-Dollar. Bereinigt um die Sonderausschüttung betrug das aggregierte Dividendenwachstum gegenüber dem Auftaktquartal 2013 noch 12,1 Prozent. Dabei handelt es sich um die höchste vierteljährliche Wachstumsrate seit Ende 2012, als US-Unternehmen im Vorfeld einer erwarteten Steueränderung große Auszahlungen leisteten. Nach Einschätzung von Alex Crooke, Head of Global Equity Income bei Henderson Global Investors, wird 2014 ein besseres Jahr für ertragsorientierte Anleger als 2013: „Die Kombination von guten Wachstumsraten mit einem geringen Risiko in den Industrienationen ist sehr günstig, auch wenn die USA weltweit zurzeit die Haupttriebkraft sind.“
Regionale Betrachtung 
Die Industrieländer verzeichneten im ersten Quartal 2014 das stärkste Dividendenwachstum – allen voran die USA. Die von Unternehmen in der größten Volkswirtschaft der Welt geleisteten Gesamtausschüttungen kletterten um 30,2 Prozent auf 86,5 Milliarden US-Dollar. Bereinigt um zeitliche Änderungen und andere Faktoren betrug das zugrundeliegende Wachstum 16,0 Prozent. Auch das Vereinigte Königreich und Europa erzielten dank ihrer starken Währungen ein nennenswertes Wachstum. So kletterten die Ausschüttungen um 14,8 beziehungsweise 8,9 Prozent. 
Herausragende Dividendentitel sind neben Siemens auch die Pharmakonzerne Roche und Novartis, die gemeinsam für die Hälfte der europäischen Gesamtausschüttungen von umgerechnet 34,5 Milliarden US-Dollar stehen. 
Im Weltmaßstab fiel zuletzt Japan negativ auf. Hier sanken die Ausschüttungen im ersten Turnus um knapp ein Fünftel, wobei der schwache Yen und ungünstige Basiseffekte den Rückgang nach Angaben Hendersons verstärkten. Unternehmen aus den Schwellenländern wiederum erhöhten ihre Gesamtausschüttungen um sieben Prozent. Auch die Region Asien-Pazifik verzeichnete mit 5,7 Prozent einen vergleichsweise geringen Zuwachs. 
Wie Henderson herausstreicht, erinnert das abgelaufene Quartal die Anleger an die höheren Schwankungen, mit denen sie in Schwellenländern konfrontiert sein können. In Russland beispielsweise gingen die Ausschüttungen gegenüber dem Vorjahr um mehr als die Hälfte zurück – für Henderson ein Ausdruck der Unvorhersehbarkeit der Dividenden russischer Unternehmen in Zeiten erhöhter politischer Risiken. „Die Kapitalflucht aus Russland angesichts der militärischen Aktivitäten Putins in der Ukraine könnte den Druck auf Großunternehmen erhöhen, in diesem Jahr keine hohen Dividenden zu zahlen“, warnt Henderson Global Investors. 
Investoren mit einem Faible für Dividendenstrategien sollten sich insbesondere die Volatilität der Dividendenzahlungen in Schwellenländern vor Augen führen: Diese schwankten laut Henderson dreimal so stark wie der globale Durchschnitt. Das Vereinigte Königreich war im Gegensatz dazu mit seiner traditionellen Kultur einer progressiven Dividendenpolitik der stabilste Zahler weltweit. 
Neben der Dividendenhöhe hat sich Henderson auch mit der zeitlichen Dimension von Dividendenzahlungen beschäftigt. Demnach konzentrieren sich drei Fünftel der jährlichen Ausschüttungen auf das zweite Quartal. Lediglich ein Siebtel wird im ersten Quartal gezahlt. 
Ganzjährige Dividendensaison 
Dividendenstarke Aktienportfolios werden auf breiter Front angeboten. Insbesondere kostengünstige ETF-Lösungen sind für die Märkte Nordamerika, Asien und Europa zahlreich verfügbar: Diese Ansätze haben laut Assenagon Asset Management eines gemeinsam – es wird stets in diejenigen Aktien mit der höchsten Dividendenrendite investiert. In der Konsequenz besteht das Portfolio aus den Aktien mit den höchsten (versprochenen) Dividenden. Gleichwohl ist die Dividendenrendite nicht das einzige relevante Kriterium. 
Denn Dividenden allein bieten Anlegern keinen Renditevorteil. Nach Vereinnahmung der Ausschüttung gibt es einen entsprechenden Abschlag auf den Aktienkurs. Dass sich Dividendenaktien überhaupt lohnen, liegt vor allem an zwei Effekten: Einerseits führt der „Run“ auf die Dividende nachweisbar zu Kurssteigerungen im Vorfeld der Ausschüttung. Andererseits holen viele Aktien einen Teil des Kursabschlags sukzessive wieder auf. Für letzteres Phänomen sind laut Assenagon die wiederangelegten Ausschüttungen verantwortlich, unter anderem durch börsennotierte Indexfonds. 
Traditionell werden im April und Mai in Deutschland die meisten Dividenden ausgeschüttet. Ein geografisch diversifiziertes Konzept bietet indessen die Möglichkeit, kontinuierlich über das Jahr hinweg Dividenden zu vereinnahmen. So schütten britische Aktiengesellschaften mitunter mehrfach im Jahr aus. In Spanien finden die meisten Ausschüttungen im Juli statt. 
portfolio institutionell newsflash 21.05.2014/Tobias Bürger
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