Versicherungen
27. Februar 2013

Eiopa-Direktor verteidigt Solvency II

Carlos Montalvo erwartet, dass das neue Regelwerk einen positiven Effekt auf die Asset Allocation der Versicherer haben wird. Auch in Sachen Diversifikation verspricht er sich einen Nutzen von Solvency II.

Solvency II kommt – die Preisfrage ist nur wann. Der ursprüngliche Zeitplan, der einen Start für Januar 2013 vorsah, ist längst passé. Immer wieder kam es zu Verschiebungen, inzwischen ist sogar von einem Start zum 1. Januar 2017 die Rede. Traurig über diese Schonfrist dürften die wenigsten Versicherungen in Europa sein. Allzu groß ist die Kritik an diversen Punkten des Regelwerks: Auf Unverständnis stößt unter anderem die Bevorzugung von europäischen Staatsanleihen, die mit null Prozent Eigenkapital zu unterlegen sind. Für Unbehagen sorgt außerdem, dass Solvency II zu einem prozyklischen Herdenverhalten der Versicherungen führen werde. Bei der europäischen Versicherungs- und Pensionsaufsicht Eiopa sieht man diese Kritik entspannt. In einem Interview Ende Februar dieses Jahres verteidigte Carlos Montalvo, Executive Director der Eiopa, das Regelwerk.
„Versicherungen sind ein Geschäft, das sich auf zwei Seiten – Assets und Liabilities – konzentriert. Und die Idee von Solvency II ist, dass Versicherer bessere Informationen haben sollten, um gut informierte Entscheidungen zu treffen. In diesem Zusammenhang wird Solvency II einen positiven Effekt auf die Asset Allocation haben“, ist Montalvo überzeugt. Er geht sogar davon aus, dass das neue Regelwerk die Diversifikation verbessern wird. „Ein anderer Nutzen des Regelwerks ist, dass die Diversifikation eine gute Mischung erlauben wird. In einem globalen Portfolio wird man in der Lage sein, riskante Assets einzubinden, weil es durch die Diversifikation mit anderen Asset-Typen kompensiert wird. Das wird sicherstellen, dass man ein solide beherrschbares und verständliches Portfolio haben kann“, so Montalvo.  
Darüber hinaus weist der Executive Director der Eiopa auf eine Lektion hin, die aus der Finanzkrise gezogen werden sollte: „Man sollte keine Assets kaufen, die man nicht versteht. Wenn die Diversifikationsstrategie dazu führt, Produkte zu kaufen allein um der Diversifikation willen, dann macht man nicht die richtigen Dinge. Gut diversifiziert zu sein ist ein Mittel und nicht ein finales Ziel. Aus diesem Grund schafft das neue Regelwerk eher Geschäftsopportunitäten als operationelle Risiken.“
Die Frage, ob sich Eiopa unter Druck gesetzt sieht von der Politik, verneint Montalvo: „Ich würde nicht sagen, dass die Art, wie Solvency II jetzt aussieht, ein politisch getriebenes Resultat ist.“ Zugleich räumt er jedoch ein: „Es gibt immer einen politischen Druck. Aber Eiopa hat immer bewiesen, dass es ein unabhängiges Organ ist. Und wir bringen vor, was wir für eine gute, stabile und technische Empfehlung halten. Ist Solvency II perfekt? Nein. Kann es verbessert werden? Wahrscheinlich ja. Aber es ist ein extrem guter Ausgangspunkt. Also lasst uns damit starten!“ Eiopa selbst will in der finalen Phase des Solvency-II-Projektes nicht zu einem Hindernis werden. Für Nachbesserungen sieht Montalvo auch später noch Zeit. „Sobald wir sehen, wie es arbeitet, werden wir den Mut haben zu sagen, welche Dinge verbessert werden können“, sagt er.
Als eine weitere Einschränkung der Investmentkapazitäten der europäischen Versicherer sieht der Eiopa-Mann Solvency II nicht: „Zu sagen, das ist eine Einschränkung, würde der ursprünglichen Idee von Solvency II widersprechen.“ Und weiter: „Heute gibt es Restriktionen und einige Assets, die verboten sind. Solvency II wird im Gegensatz dazu den Leuten die Möglichkeit geben, in das zu investieren, in das sie wollen. Dennoch wird es dafür einen Preis geben in Form von Kapital, das man halten müssen wird, wenn diese Assets als zu riskant gelten.“
In dem Interview weist Montalvo noch einmal darauf hin: „Solvency II soll ein neutrales System sein: Wenn man sich die unterschiedlichen Assets anschaut, sieht man, dass sie alle verschiedene Risikoprofile haben. Wir können nicht so tun, als würden sie am Ende dieselben Kapitalanforderungen haben. All diese unterschiedlichen Assets werden auf Basis desselben Konfidenzniveau kalibriert.“ Und weiter: „Riskante Asset werden höhere Kapitalanforderungen erfordern und umgekehrt.“
portfolio institutionell newsflash 27.02.2013/kbe

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