Portfolio Magazin

portfolio institutionell

Ausgabe 4/2017

portfolio institutionell Awards 2017

mehr...



Verlagsprodukte

Emerging Markets Debt

 

...lesen Sie hier weiter!

Traditionelle Anlagen
27.04.2017

Erhöhtes Risiko bei Euro-Rentenfonds

(Bild: Shutterstock)

Sollte ein Land aus dem Euroraum ausscheiden, gilt hierfür der fixierte Wechelkurs nicht mehr. Das schlägt auf die Bewertung der Anleihen dieses Landes durch, was wiederum Euro-Rentenfonds mit entsprechenden Papieren belasten könnte.

Euro-Rentenfonds könnten beim Ausscheiden eines Landes aus dem Euroraum erhöhten Risiken ausgesetzt sein, betont Prof. Rolf Tilmes, Vorstandsvorsitzender des FPSB Financial Planning Standards Board Deutschland und Wissenschaftlicher Leiter des PFI Private Finance Institute/EBS Finanzakademie der EBS Business School. Denn wenn ein Land aus dem Euro ausscheiden sollte, gelte hierfür der fixierte Wechselkurs nicht mehr. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Euro-Mitgliedsland die Währungsunion verlässt, scheine angesichts der stärker werdenden eurokritischen Parteien gegeben.

„Die Folge sind hohe Währungsverluste, die die betreffenden Staatsanleihen und damit auch die vermeintlich sicheren Euro-Rentenfonds spürbar belasten“, sagt Tilmes. Aus seiner Sicht ist es daher wichtig, rechtzeitig das eigene Depot auf den Prüfstand zu stellen. Besonders Griechenland stünde bei den Überlegungen zu einem eventuellen Euroaustritt im Fokus. Immer öfter würden aber auch Italien, Spanien und Frankreich genannt. Die französische Präsidentschaftskandidatin Marine Le Pen habe bereits angekündigt, im Fall ihres Wahlsieges alles tun zu wollen, damit Frankreich die Eurozone verlässt.

Bei einem Euroaustritt würden die Anleihen des betreffenden Landes in der dann neuen Währung getilgt, wobei diese Währung deutlich abwerten dürfte, erläutert Tilmes weiter. Studien zufolge könne zum Beispiel die französische Währung zum Euro sofort um 25 Prozent abwerten. Deutsche Gläubiger, die französische Anleihen besitzen, würden dann einen Verlust von 25 Prozent verbuchen. „Das bedeutet, es entstehen auf der Rentenseite, der eigentlich sicheren Anlage, hohe und unwiederbringliche Verluste“, betont Tilmes.

Vor allem auch die vermeintlich sicheren Euro-Rentenfonds wären betroffen. „Als Fondsinhaber muss man jederzeit damit rechnen, dass man möglicherweise die im Fonds enthaltenen Bonds lediglich in einer – dann gegenüber dem Euro abgewerteten – nationalen Währung wie Drachme, Lira oder Franc zurückgezahlt erhält“, sagt Tilmes. Folgen hätte dies auch für Riester- und Rürup-Produkte, in denen Milliarden Euro von Euro-Rentenfonds stecken. „Da dort, so auch in der betrieblichen Altersvorsorge, Kapitalerhalt vorgeschrieben ist, hat man demnächst möglicherweise ein Riesenproblem“, meint Tilmes.

Euro-Rentenfonds, egal ob aktiv oder passiv, würden eigentlich als sichere und regelmäßige Ertragsbringer gelten, ohne Währungs- und Bonitätsrisiko. Die Produkte würden deshalb gerne als solide Basis in einem gut gestreuten Portfolio empfohlen. Doch diese Sicherheit sei trügerisch. Die Investmentgesellschaft HSBC in London habe die Gefahr des Euroaustritts eines Landes in ihrem offiziellen ETF Prospekt unter den Risikohinweisen aufgenommen. Die meisten Fondsanbieter würden das Risiko jedoch verschweigen.

portfolio institutionell newsflash 27.04.2017/Heike Gorres

 
Anzeige
Einen Kommentar schreiben
Wir freuen uns über Ihre Kommentare. Schreiben Sie uns Ihre Meinung!

CAPTCHA Bild zum Spamschutz Wenn Sie das Wort nicht lesen können, bitte hier klicken.
* Pflichtfelder