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11.08.2010

Erpressungsversuch gegen Clerical Medical wegen Hebelgeschäften

Clerical Medical-Mutter Lloyds TSB

Clerical Medical-Mutter Lloyds TSB

Ein Ex-Mitarbeiter mit dem Namen "John Maroni" wurde deswegen verurteilt.

HEIDELBERG - Ein ehemaliger Mitarbeiter bei Clerical Medical in Heidelberg ist zu einer Bewährungsstrafe von zwei Jahren verurteilt worden, weil er versucht hatte, den Versicherer zu erpressen.

Der Hintergrund: Im Herbst 2009 erhielt Clerical Medical eine Drohung von "John Maroni" per E-Mail. Wenn der Versicherer ihm nicht 1,75 Millionen Euro zahle, werde er Dokumente veröffentlichen, die belegen, dass der Versicherer eine aktive Rolle bei dem Verkauf von umstrittenen Hebelgeschäften spielte. "Das sind Peanuts für Sie", schrieb Maroni in der Mail.

Bei den Hebelgeschäften, die in den 90er Jahren besonders gefragt waren, nahmen Kunden einen Kredit auf, um das Geld in eine britische Lebensversicherung zu investieren. Verkäufer schürten die Erwartung, dass Anleger, auch deutsche, von der Differenz zwischen den hohen Renditen der Versicherungen und den niedrigen Kreditzinsen profitieren würden. Die Investitionen entwickelten sich jedoch zu einem Minusgeschäft.

Clerical Medical weist jegliche Verantwortung für die Geschäfte von sich: "Clerical Medical hat zu keinem Zeitpunkt Hebelgeschäfte entwickelt, angeboten, vertrieben oder beworben", sagte dazu Thomas Bahr, Geschäftsführer der Vertriebsgesellschaft für Clerical Medical in Deutschland. Stattdessen hätten Vertriebe und Makler solche Geschäfte selbst entworfen.

Das sei falsch, behauptete Maroni, der die aktive Rolle von Clerical Medical anhand von E-Mails und internen Memos zu beweisen drohte. Als der Versicherer Ende Oktober 2009 wegen der Drohung Anzeige bei der Polizei erstattete, wusste das Unternehmen nicht, dass der Erpresser ein ehemaliger Mitarbeiter war.

Dies kam bei Maronis Festnahme kurz vor Weihnachten 2009 heraus. Es wurde außerdem bekannt, dass Maroni eine CD mit den vermeintlichen vertraulichen E-Mails und Memos von Clerical Medical mitgenommen hatte. Auf die Frage, ob das Amtsgericht Heidelberg die CD geprüft hätte, sagte die Vorsitzende Regina Kaufmann-Grande: "Das war völlig unerheblich für dieses Strafverfahren. Hier wurde lediglich geprüft, ob der Mann das Unternehmen zu erpressen versuchte oder nicht."

Eine Sprecherin für Clerical Medical teilte auf Anfrage mit, die CD sei noch bei der Heidelberger Polizei. Zu deren Inhalt machte sie keine Angaben. Laut der "Wormser Zeitung" hatte der Justiziar des Versicherers vor Gericht die CD als "nicht besonders toxisch" bezeichnet. Allerdings könne man aus solchen Sachen viel machen, so der Justiziar weiter.

Clerical Medical hat auch außerhalb der Hebelgeschäfte juristischen Ärger in Deutschland. Viele Kunden verklagten den Versicherer wegen des starken Wertverlustes ihrer privaten Rentenversicherung. Wie die "Financial Times Deutschland" im Dezember 2009 berichtete, schloss der Versicherer einen Vergleich mit einem klagenden Ehepaar, damit es nicht zu einem Grundsatzurteil seitens des Bundesgerichtshofs kam.

Clerical Medical in Heidelberg und sein Schwester-Unternehmen Heidelberger Leben gehören seit September 2008 zu der britischen Bank Lloyds TSB (siehe auch frühere Meldung).

portfolio institutionell newsflash 11.08.2010/jan/gor

 
Jan F. Wagner
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