Kanam liquidiert "auf Wunsch der Anleger" den Kanam US-Grundinvest.
MÜNCHEN - Das Fanal für die Branche der offenen Immobilienfonds ist da, der erste offene Immobilienfonds, der im Zuge der Finanzkrise in Liquiditätsschwierigkeiten geriet, wird aufgelöst. Wie die Fondsgesellschaft Kanam am Donnerstag berichtet, wird der KanAm US-Grundinvest Fonds aufgelöst, noch vor Jahresende sollen 250 Millionen US-Dollar an Anleger ausgezahlt werden.
Die Auflösung kommt eher unerwartet, da eine erste Anlegerbefragung im Frühjahr dieses Jahres ergeben hatte, dass mit Anteilsscheinrückgaben von rund 200 Millionen US-Dollar bei Wiedereröffnung des Fonds zu erwarten gewesen wären. Dieses Liquiditätspolster hatte das Fondsmanagement nach eigenen Angaben durch den Verkauf von zehn der 17 Fondsimmobilien geschaffen.
Eine erneute Befragung der Anleger habe ergeben, dass das Rückgabevolumen bis zum Stichtag der Wiedereröffnung des Fonds am 27. Oktober auf rund 300 Millionen US-Dollar steigen könne. "Eine nachhaltige Fortführung des Kanam US-Grundinvest Fonds schied damit aus", schreibt Kanam weiter.
Damit rückt nunmehr die Frage in den Vordergrund, wie es mit den anderen geschlossenen offenen Immobilienfonds weitergeht. Sehr schwierig sieht es nach Angaben von Branchenexperten beim Morgan Stanley P2 Value aus. Vertreter von anderen Kapitalanlagegesellschaften äußern hinter vorgehaltener Hand, dass eine Auflösung des Fonds wahrscheinlicher ist als eine erfolgreiche Wiedereröffnung.
Sonja Knorr, Analystin beim Rating-Haus Scope äußerte sich zum Morgan-Stanley-Fonds vorsichtiger: "Die Gesellschaft hat vor wenigen Tagen Verkäufe bekanntgegeben, die zur Erhöhung der Liquidität im Fonds beitragen sollen. Abzuwarten bleibt jedoch, wie sich die psychologische Komponente entwickeln wird. Sprich: Wie gut schafft es das Management, Vertrauen bei den investierten Anlegern auf Dauer wieder aufzubauen? Dies ist für eine nachhaltige Wiederöffnung zwingend erforderlich."
Auch bei den beiden Degi-Fonds ist die Lage offenbar nicht rosig. "Die Fonds von Aberdeen leiden insbesondere unter der schwierigen Vertriebssituation. Die Fluktuation des Managements in der Vergangenheit trägt ebenfalls nicht dazu bei, Vertrauen wieder herzustellen", sagt die Scope Analystin. Mit Spannung erwartet die Branche den Verlauf der Exporeal, der Branchentreffpunkt von Immobilienanbietern und Investoren, kommende Woche in München. "Hier werden einige Anbieter von Fonds Tacheles reden müssen", sagt der Vertreter einer Immobilien-KAG, der nicht namentlich genannt werden wollte.
Am 23. September verabschiedete das Bundeskabinett ein Gesetz, das neue Regeln für die offenen Immobilienfonds enthält. Demnach wird eine Mindesthaltefrist von zwei Jahren für Anteile an offenen Immobilienfonds eingeführt. Lediglich Beträge von bis zu 5.000 Euro pro Monat und Anleger sind davon ausgenommen, so dass Kleinanleger keinen Beschränkungen unterliegen und auch Entnahmepläne weitergeführt werden können.
Entsprechend begrüßte der Fondsverband BVI das Gesetz. "Wir sind auf einem guten Weg. Für Privatanleger werden offene Immobilienfonds grundsätzlich liquide Anlagen bleiben, Großanleger und Institutionelle müssen sich aber längerfristig binden", sagte BVI-Hauptgeschäftsführer Stefan Seip. Das Gesetz wird nun dem Bundestag zugeleitet.
portfolio institutionell newsflash 06.10.2010/maa/jan





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