Strategien
15.02.2017

ETF-Markt floriert auch im neuen Jahr

Das Interesse der Investoren an passiven Investments ist weltweit ungebrochen. Es gibt allerdings Akteure, die diese Entwicklung kritisch sehen.

Beginnen wir die Analyse mit Europa. Laut dem ETF-Anbieter Amundi verzeichneten europäische börsennotierte Indexfonds (ETF) im Januar 2017 Zuflüsse in Höhe von 10,6 Milliarden Euro. Davon entfielen rund sieben Milliarden Euro auf Aktien-ETF, während Renten-ETF ein Plus von 2,8 Milliarden Euro verbuchen konnten; das Interesse der Anleger richtete sich dabei in erster Linie auf Unternehmensanleihen-ETF. Sie zogen neue Mittel in Höhe von 1,3 Milliarden Euro an. Knapp dahinter rangieren Staatsanleihen-ETF mit einem Nettomittelzufluss von 1,1 Milliarden Euro. Der Rohstoff-Bereich konnte ebenfalls neue Gelder einwerben. Hier liegt der Mittelzufluss in Europa bei 0,7 Milliarden Euro. 

In den USA verbuchten Aktien-ETF auf Monatsbasis Nettozuflüsse von 28,9 Milliarden Euro. Renten-ETF konnten unter dem Strich 12,3 Milliarden Euro neu einwerben. Rohstoff-ETF verloren indessen summa summarum 700 Millionen Euro. In Asien profitierten im Januar 2017 ebenfalls vor allem Aktien-ETF vom Interesse der Anleger: Sie verbuchten netto rund 8,3 Milliarden Euro an frischen Mitteln. Im Fixed-Income-Segment kam es indes mit minus 260 Millionen Euro zu moderaten Mittelabflüssen. 

Anleger wollen Value

Zuflüsse verzeichneten im ersten Monat des noch jungen Jahres auch der europäische Smart-Beta-Markt. Der Anlagefaktor „Value“ war laut den Zahlen von Amundi mit einem Plus von 515 Millionen Euro – wie im vierten Quartal 2016 – einmal mehr unter den wichtigsten Faktoren der am stärksten gefragte. „Size“ hat neue Anlagegelder im Volumen von 302 Millionen Euro angezogen, davon entfielen 109 Millionen Euro auf mittelgroße Unternehmen, während kleinere Gesellschaften mit 198 Millionen Euro deutlich stärker gefragt waren. Smart-Beta-Produkte mit dem Fokus auf Aktien mit überdurchschnittlicher Dividendenrendite zogen neue Mittel in Höhe von rund 200 Millionen an. Die Faktoren „Momentum“ und „Quality“ verbuchten unter dem Strich keine nennenswerten Mittelveränderungen. 

Bei Bond-ETF lagen in Januar 2017 Schwellenländer-Staatsanleihen mit Zuflüssen von 1,2 Milliarden Euro, gefolgt von High-Yield USA (plus 610 Millionen Euro) und Unternehmensanleihen aus den USA (plus 373 Millionen Euro) vorn. 

Die Zuflüsse in börsennotierte Indexfonds auf Anleihen Anfang 2017 zeigen laut Blackrock, „wie robust der Markt sich gegenüber dem Zinsanstieg in den USA“ verhält. Gleichzeitig, so berichtet Blackrock, wachse auch der Markt für Optionen auf Anleihen-ETF deutlich. In den USA habe das Volumen solcher Optionen auf Jahressicht um 72 Prozent auf mehr als 50 Milliarden US-Dollar zugelegt. Diese Entwicklung unterstreiche, dass Investoren ETF nicht nur als Fonds ansehen, sondern als „Teil einer neuen Palette“ an Instrumenten. 

Jüngst meldete sich auch das auf passive Investments spezialisierte Beratungshaus ETFGI zu Wort. Laut dessen Berechnungen liegt das weltweit in ETF/ETP investierte Anlagevolumen mit 3,689 Billionen US-Dollar einmal mehr auf einem Rekordniveau. ETFGI beziffert die globalen Mittelzuflüsse im Januar in passive Anlagen auf das Rekordniveau von 62,13 Milliarden US-Dollar. Seit 36 aufeinanderfolgenden Monaten habe der Markt für ETF/ETP nun schon Nettomittelzuflüsse auf sich verbucht, rechnet das Analysehaus vor. 

Liquidität kritisch betrachtet

Abschließend noch ein eher kritisches Bild auf passives Investieren, gezeichnet vom aktiven Asset Manager Flossbach von Storch. Im Jahresbericht 2016 berichtet Flossbach über Studien, die ein ernüchterndes Bild zeigten. So habe eine Untersuchung von knapp 8.000 deutschen Direktbank-Depots ergeben, dass sich die Performance der Depots über einen fünfjährigen Zeitraum durch die ETF in den Portfolios systematisch verschlechtert habe. Die Autoren der Studie hätten eine Performanceeinbuße von durchschnittlich 1,16 Prozent per annum ermittelt, die sich vor allem durch „das schlechte Timing der ETF-Transaktionen“ erklären lasse.

Die oft gepriesene hohe Liquidität von ETF sei eher schädlich, weil sie zu reger Aktivität verleite, moniert Flossbach. Deshalb wären Indexfonds mit monatlicher oder gar nur jährlicher Rückgabemöglichkeit ein Segen für die meisten Anleger, der bei den Banken aber zu hohen Kommissionseinbußen führen würde. Daten aus den USA bestätigen dies. Flossbach zufolge ist die Umschlagshäufigkeit von ETF an US-amerikanischen Börsen siebenmal so hoch wie die der zugrundeliegenden Aktien. ETF-Anleger scheinen den Verlockungen „sekündlicher Liquidität“ nicht widerstehen zu können. „Passives Investieren wird durch ETFs also aktiviert.“ 

portfolio institutionell newsflash 15.02.2017/Tobias Bürger

 
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