Banken
11.12.2017

Europäische institutionelle Investoren gründen Engagement-Netzwerk

Tommy Piemonte (Foto: BKC)

Shareholders for Change widmen sich Klimawandel, Arbeitsrechten und Steuergerechtigkeit.

Auf europäischer Ebene hat sich ein neues Netzwerk institutioneller Investoren formiert: Die Shareholders for Change verstehen sich als aktive Marktteilnehmer, die sich kritisch mit Unternehmen auseinandersetzen und das sogenannte „Engagement“ betreiben, dabei Stimmen bündeln und den direkten Dialog suchen. Von deutscher Seite ist bislang nur die Bank für Kirche und Caritas in dem Netzwerk engagiert. Die in Paderborn angesiedelte Genossenschaftsbank bringt es auf eine Bilanzsumme von 4,462 Milliarden Euro (Stand: 30. Dezember 2016). Mit von der Partie sind auch die Fair-Finance Vorsorgekasse aus Österreich und die zur französischen Groupe Crédit Coopératif zählende Ecofi Investissements. Die insgesamt sieben Gründungsmitglieder von „Shareholders for Change“ (SFC) haben das Netzwerk am 6. Dezember 2017 in Mailand ins Leben gerufen. Sie verwalten zusammengenommen 22 Milliarden Euro. Wie einer Pressemitteilung zu entnehmen ist, wollen die Mitstreiter in der Hauptversammlungs-Saison 2018 ihre Engagementaktivitäten vor allem auf Blue Chip-Unternehmen aus Europa und den USA konzentrieren.

Gemeinsam mehr erreichen 

In ihrer Rolle als Aktionär beziehungsweise Anleiheninvestor möchten die Mitglieder des Netzwerks im Dialog mit den Emittenten soziale Fragestellungen auf die Tagesordnung bringen und für Verbesserungen sorgen. Darüber hinaus wollen die Akteure mit weiteren Institutionen kooperieren. Das betrifft beispielsweise Stimmrechtsberater, Verbände und schließt ebenso öffentliche wie private Organisationen mit ein. Das Ziel besteht letztlich darin, die Entwicklung nachhaltiger Finanzmärkte zu unterstützen und zu einer globalen Wirtschaft zu gelangen, die im Einklang mit den sogenannten Sustainable Development Goals (SDG) steht. 

Tommy Piemonte, Leiter Nachhaltigkeitsresearch bei der Bank für Kirche und Caritas, erläutert die Motivation der Gründungsmitglieder so: „Mit dem SFC haben wir nicht nur ein Netzwerk von internationalen Investoren gegründet, die Verantwortung in ihrer Geldanlage übernehmen, sondern sich aktiv als ‚Treiber‘ für eine nachhaltige Entwicklung einbringen wollen.“ Er präzisiert: „Neben unseren bisherigen Engagementaktivitäten bringen wir uns als Gründungsmitglied in das SFC ein, um damit anderen wertorientierten institutionellen Investoren aus ganz Europa eine Plattform zu bieten, mit möglichst geringem Aufwand in das Thema Engagement einzusteigen.“ Den Ausführungen Piemontes zufolge möchten wertorientierte Investoren zwar oftmals selbst Engagement bei Unternehmen betreiben, könnten sich aber den Arbeits- und Zeitaufwand oder gar die Auslagerung an einen externen Dienstleister nicht leisten. 

Auch Markus Zeilinger, Gründer und Vorstandsvorsitzender von Fair-Finance, erläutert die gemeinsamen Ziele des Netzwerks. „Wir freuen uns, dem Austausch mit Emittenten in Abstimmung mit gleichgesinnten nachhaltigen Investoren auf europäischer Ebene mehr Gewicht verleihen zu können. Durch die Teilnahme an Hauptversammlungen und den Dialog mit Unternehmen wollen wir gemeinsam neue Engagementaktivitäten durchführen.” Anders als bereits bestehende Netzwerke oder Verbände versteht sich das SFC mehr als Unterstützungsplattform, sagt Laura Berry. Die frühere Geschäftsführerin des Interfaith Center on Corporate Responsibility (ICCR) berät das Netzwerk.

Überblick über die Gründungsmitglieder

Bank für Kirche und Caritas eG (Deutschland)

Ecofi Investissements, Groupe Crédit Coopératif (Frankreich)

Etica Sgr, Gruppo Banca Etica (Italien)

Fair-Finance Vorsorgekasse (Österreich)

Fondazione Finanza Etica (FFE, Italien)

Fundacion Fiare (Spanien)

Meeschaert Asset Management (Frankreich)

portfolio institutionell 11.12.2017/Tobias Bürger​

 
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