Das ist ein Plus von 87 Prozent gegenüber der Vorgängerstudie 2008.
PARIS - Die anhaltende Finanzkrise und Desaster wie die Umweltkatastrophe um "Deepwater Horizon" im Golf von Mexiko haben viele Investoren offenbar wach gerüttelt. Das berichtet der europäische Verband für nachhaltige Geldanlage, Eurosif, und stützt sich dabei auf eine Studie zum Markt für nachhaltige Geldanlagen in Europa. Anleger werden daher künftig mehr Wert auf soziale, ethische und ökologische Kriterien legen, erwartet der Verband.
Fünf Billionen Euro beträgt mittlerweile das Volumen des nachhaltig investierten Geldes in Europa, ein Plus von 87 Prozent gegenüber der Vorgängerstudie aus dem Jahr 2008. Dabei hat Eurosif auch Ansätze mit einfachen Ausschlusskriterien in die Statistik aufgenommen.
Fortschrittlich zeigt sich der Verband jedoch auch: Eurosifs Standpunkt ist, dass nachhaltige Geldanlage der Gesetzgebung immer einen Schritt voraus sein muss. Ein Beispiel ist Belgien, das 2007 die direkte und indirekte Finanzierung von Produktion, Besitz und Gebrauchs von Antipersonenminen und Streumunition verboten hat. Belgische Investments, die nur diese Punkte ausschließen, zählen nicht mehr zu den nachhaltigen Geldanlagen.
Unterdessen überproportional hoch ist der Anteil nachhaltiger Geldanlage in den Niederlanden. Ein Fünftel der europaweit nachhaltig investierten Gelder entfällt auf den Trivialansatz einfacher Ausschlusskriterien. "Das ist oft das Ergebnis einiger weniger Fondsmanager", hat der Verband festgestellt. So hat im Januar 2010 das norwegische Finanzministerium beschlossen, 17 Tabakfirmen aus dem Portfolio eines staatlichen Pensionsfonds zu verbannen. In den meisten Ländern sind institutionelle Investoren die treibende Kraft bei dem Thema. Sie stehen für 92 Prozent des Marktes. Kein Wunder also, dass 84 Prozent des Geldes auf einzelne Mandate entfallen und nur 14 Prozent auf Fonds.
Die Gruppe der institutionellen Investoren wird dabei klar von Pensionsfonds beherrscht, gefolgt von Universitäten und akademischen Einrichtungen sowie Versicherern. Lediglich in der Schweiz dominieren die Kleinanleger, in Deutschland sind sie kurz davor. Für Gesamteuropa sieht Eurosif weiterhin die institutionellen Investoren als tonangebend. In einigen Ländern macht der Verband jedoch Ausnahmen: "Die Nachfrage von Kleinanlegern ist besonders in Ländern wie Deutschland, Belgien und Frankreich sichtbar."
Dass viele Nachhaltigkeitsfonds in der Finanzkrise und bei der Katastrophe im Golf von Mexiko versagt haben, darüber schweigt die Studie. Schließlich waren 2008 zahlreiche Bankaktien in den Portfolios, die erst später aussortiert wurden. Ähnlich war das beim Ölkonzern British Petroleum (BP). Auf einen interessanten Punkt weist Eurosif in diesem Zusammenhang jedoch hin: bei der Nachhaltigkeitsbewertung von BP wurde in einigen Fällen Werbematerial des Unternehmens herangezogen. Hier geht der Verband davon aus, dass künftig das Nachhaltigkeitsresearch vermehrt auf Informationen angewiesen sein wird, die nicht öffentlich zugänglich sind.
portfolio institutionell newsflash 27.10.2010/jtb/jan





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