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15.12.2010

EXKLUSIV: Steffen verließ die Bafin "mit zwei weinenden Augen"

Vermisst Steffen die Bafin?

Vermisst Steffen die Bafin?

Aber verschlechtert hat er sich durch den Wechsel ins BMF keinesfalls.

BONN/BERLIN - Thomas Steffen, bis vor kurzem Chefaufseher für Versicherungen und Pensionskassen bei der Bafin (siehe frühere Meldung), wollte die Aufsichtsbehörde offenbar nicht aus eigenem Willen verlassen. Dies geht aus einem Interview mit Steffen hervor, welches portfolio institutionell vorliegt.

"Ich wäre gerne noch einige Jahre in der Bafin geblieben. Man sagt ja immer bei solchen Gelegenheiten, man gehe mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Ich gehe mit zwei weinenden Augen", so Steffen. Auf die Frage, warum er denn gehe, sagte er: "Vieles im Leben kommt unverhofft und ungeplant. Wenn man erst vom Staatssekretär (im Bundesfinanzministerium (BMF) Anm. d. Red.) und dann vom Minister gefragt wird, eine neue Aufgabe zu übernehmen, kann man letztendlich nicht nein sagen."

Verschlechtert hat sich Steffen durch seinen Wechsel ins BMF keinesfalls. Im Gegenteil: Seit Oktober leitet er als Ministerialdirigent die Europa-Abteilung und ist dem Staatssekretär Jörg Asmussen direkt unterstellt. Die Abteilung befasst sich mit Themen wie europäische Wirtschafts- und Währungsunion, europäische Wirtschafts- und Finanzpolitik sowie Europäische Zentralbank.

Wäre Steffen bei der Bafin geblieben, so wären die Chancen groß, dass er die neue europäische Versicherungs- und Pensionsaufsicht Eiopa geleitet hätte, sagen Branchenexperten. Ihre Begründung: Steffen stand von März 2007 bis Oktober 2009 dem Eiopa-Vorgänger Ceiops vor.

Steffens Nachfolgerin bei der Bafin ist unterdessen Gabriele Hahn, noch Leiterin des Bundeszentralamtes für Steuern. Wie Steffen bei seinem Amtsantritt 2002, hat auch Hahn keinerlei Erfahrungen als Regulierer von Versicherungen und Pensionskassen.

Steffen wechselte zur neu gegründeten Bafin vom BMF, wo er das Referat für Exportkreditversicherung und Grundsatzfragen der Gewährleistungen leitete. "Aber das hatte nichts zu sagen. Steffen hat sich schnell eingearbeitet und war zum Schluss ein harter aber fairer Regulierer. Er ist sehr klug, ehrgeizig und ergebnisorientiert", sagten Steffen-Kenner zu portfolio institutionell.

Zu seiner Nachfolgerin sagten Branchenkenner: "Es ist eigentlich ein Segen, dass sie nicht aus dem Sumpf der Versicherungswirtschaft kommt. Die Chancen sind groß, dass sie bei der Beaufsichtigung von Versicherungen und Pensionseinrichtungen neutral bleibt."

Im Interview räumte Steffen ein, dass die Bafin durch die europäische Behörde Eiopa teilweise entmachtet wurde. Darüber hat portfolio institutionell bereits Anfang Oktober berichtet (siehe Meldung). Er sagte: "Unter bestimmten Voraussetzungen werden die drei europäischen Aufsichtsbehörden Finanzinstituten gegenüber direkte Durchgriffsrechte bekommen - etwa wenn diese gegen EU-Recht verstoßen oder im Krisenfall. Die EU-Behörden werden außerdem kontrollieren, wie die nationalen Aufsichtsbehörden - also auch die BaFin - europäische Vorschriften umsetzen. Wir als Aufsicht wären wohl nicht so weit gegangen, aber nun müssen wir es so umsetzen, wie es verabschiedet worden ist."

Steffen vertrat auch die Meinung, dass es für die europäische Versicherung eine Solvency III geben werde. Er sagte: "Auch nachdem Solvency II ab 2013 gilt, kehrt damit noch keine Ruhe ein. Denn auch Solvency II muss sich immer neuen Marktentwicklungen stellen. Und die Märkte entwickeln sich schnell; Aufsicht und Regulierung müssen Schritt halten. Solvency III wird kommen." Auf Gabriele Hahn wartet somit jede Menge Arbeit.

portfolio institutionell newsflash 15.12.2010/jan/gcu/maa

 
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