Schwarzer Schwan der Woche
10.02.2017

Family first

Es braucht eine Wertediskussion. Heute: Wie verschieden die deutsche und die amerikanische Vorzeigefamilie Familiensinn beweist.

Werden in Umfragen die Werte abgefragt, die den Menschen besonders wichtig sind, landet die Familie immer weit vorne. Ausgerechnet bei der deutschen Vorzeigefamilie, dem Porsche-Piëch-Clan, ist der Familiensinn aber nicht besonders ausgeprägt. Man erinnere sich an den sogenannten Ernst-Fall in den 80er Jahren, als Ernst Piëch seine Porsche-Anteile an der Familie vorbei verkaufen wollte. Zu Spannungen dürfte auch beigetragen haben, dass Ferdinand Piëch einst sein Frauen-Portfolio mit der Gemahlin seines Vetters Gerhard Porsche diversifizierte, und natürlich die Übernahmeschlacht um den VW-Konzern. Heute ist Ferdinand Piëch zu seiner VW-Famiglia nicht nur auf Distanz, sondern versucht noch, Aufsichtsratsmitglieder mit seiner Version der Aufarbeitung der Dieselaffäre mit ins Verderben zu ziehen.  

Doch einmal, nämlich bei der Incitatus-Affäre, bewies auch Ferdinand Piëch Familiensinn. Während vor 2000 Jahren Kaiser Caligula laut Wikipedia nur plante, sein Lieblingspferd Incitatus „mit einem ständigen Sitz im römischen Senat zu bestallen“, so zog es Piëch durch, seine Frau Ursula in den VW-Aufsichtsrat zu berufen. Dies mag zugegebenermaßen kein ganz passender Vergleich sein. Schließlich kann Incitatus für sich in die Waagschale werfen, zuvor ein sehr erfolgreiches Rennpferd gewesen zu sein. Dagegen hat Ursula der Legende nach den Autonarren Ferdinand nur damit bezirzt, am Berg anfahren zu können.     

Wahrlich großen Familiensinn beweist dagegen fast schon täglich der 45. Präsident der Vereinigten Staaten. Daddy Donald musste seinem Töchterchen per Twitter – und zwar über seinen persönlichen wie auch den offiziellen Account des US-Präsidenten – zur Seite stehen, nachdem deren Modekollektion vom Kaufhaus Nordstrom aus dem Sortiment delistet wurde. In seiner obligatorischen Twitter-Tirade hatte der Präsident dabei eigentlich alle Argumente auf seiner Seite:  

My daughter Ivanka has been treated so unfairly by @Nordstrom. She is a great person - always pushing me to do the right thing! Terrible!

Nordström argumentierte dagegen nur mit profanen Verkaufszahlen. Nur gut, dass sich Trump in seinem Wahlkampf den Kampf gegen Korruption und Diskriminierung – wie beispielsweise die von Nordstrom – auf seine Fahnen geschrieben hat. Dazu gehört, dass man auch mal dem Töchterchen zur Seite springt. Ein allfälliges Dekret, wer wann was wo in der freien Marktwirtschaft der USA zu kaufen hat, wird sicher in Kürze folgen. Wozu ist man auch sonst Präsident der Vereinigten Staaten und hat so much money in den Wahlkampf investiert?

Eines ist aber doch schade: Nämlich dass Trump der (Familien-)Sinn nicht auf Mexikanerinnen, sondern auf Osteuropäerinnen steht. Zumindest für die USA wäre eine engere Zusammenarbeit mit Mexiko wohl hilfreicher als mit Putins Russland. Vielleicht sollte Trump aber auch mehr mit der Schweiz zusammenarbeiten. Wie die Eidgenossen Frauen fördern – We grabbed them by the civil rights – zeigt folgendes Video: https://www.youtube.com/watch?v=reuJ8yVCgSM

In diesem Sinne wünscht Ihnen die Redaktion von portfolio ein schönes Wochenende. 

 
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