Recht, Steuer & IT
24. September 2012

Finanzbranche vernachlässigt strategische Aspekte von Mifid II

Laut einer aktuellen PWC-Studie können viele Marktteilnehmer die Folgen der neuen Regulierung für das operative Geschäft noch nicht einschätzen.

Die strategische Bedeutung der kommenden EU-Finanzmarktrichtlinie „Mifid II“ (Markets in Financial Instruments Directive) wird von Banken, Vermögensverwaltern und anderen Finanzmarktakteuren offenbar noch unterschätzt. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft Pricewaterhouse Coopers (PWC). Demnach hat sich die Branche bislang vor allem mit technischen Aspekten der Richtlinie befasst und deren Konsequenzen für das operative Geschäft vernachlässigt. So hätten mittlerweile fast 80 Prozent der in Europa befragten Unternehmen festgestellt, dass die Richtlinie Auswirkungen auf die IT-Organisation haben wird. Demgegenüber hätten sich erst 14 Prozent intensiv mit den strategischen Implikationen von Mifid II auseinandergesetzt.
Gut die Hälfte der befragten deutschen Unternehmen sei sich zwar über die Anforderungen von Mifid II im Klaren, habe aber die Folgen noch nicht umfassend analysiert. Ein Umstellungsprojekt sei bei jedem Fünften bereits angelaufen und bei weiteren zwei Dritteln der Befragten geplant. Allerdings wisse rund jeder achte Finanzdienstleister bislang nicht, ob eine derartige Initiative überhaupt notwendig ist.
„Mifid II beinhaltet im Gegensatz zur Vorgängerrichtlinie ab 2014 nicht nur operative, fachliche Änderungen, sondern kann die gesamte Vertriebsorganisation auf den Kopf stellen“, warnt Ullrich Hartmann, Leiter des Bereichs Financial Services Regulatory bei PWC. „Im Interesse des Anlegerschutzes sollen beispielsweise Provisionszahlungen der Produktanbieter an Vermittler verboten oder zumindest transparent gemacht werden.“ Für Banken habe dies unmittelbare Auswirkungen auf die Kosten und damit auf die Organisation der Anlageberatung.
Zudem fehle in vielen Unternehmen noch die übergreifende Perspektive, die den Zusammenhang zwischen Mifid II und anderen Regulierungsinstrumenten berücksichtige. Bislang hätten erst 56 Prozent der befragten Marktteilnehmer die Wechselwirkungen von Mifid II mit dem regulatorischen Umfeld abgeglichen. „Die überarbeitete Richtlinie ist lediglich ein Teil des komplexen Regulierungspuzzles. Welche Folgen Mifid II hat, lässt sich nur in der Gesamtschau erkennen“, betont Burkhard Eckes, Leiter des Bereichs Banking and Capital Markets bei PWC. Nur mit Hilfe solch einer Gesamtbetrachtung könnten Zielkonflikte und Fehlinvestitionen bei der Anpassung interner Prozesse und Strukturen an die verschiedenen Regularien vermieden werden.
portfolio institutionell newsflash 24.09.2012/rko
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