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15.03.2010

Gefahr erkannt, Gefahr gebannt

Traditionelle Fondsgesellschaften wissen um die Gefahr, dass ihre besten Asset Manager zu Hedgefonds abwandern könnten.

Traditionelle Fondsgesellschaften wissen um die Gefahr, dass ihre besten Asset Manager zu Hedgefonds abwandern könnten. Als vorbeugende Maßnahme rät Professor Stefan Ruenzi, diesen Managern Möglichkeiten zur beruflichen ­Weiterentwicklung zu geben, wie zum Beispiel zusätzlich einen Hedgefonds verwalten zu dürfen.

_Vertreter der Hedgefondsbranche erwecken den Eindruck, dass die besten Fondsmanager früher oder später fast zwangsläufig Hedgefonds gründen. Ist das nur Wunschdenken?
Die Studie von Deuskar und Kollegen zeigt, dass häufig gerade weniger erfolgreiche Fondsmanager zu Hedgefonds gewechselt sind. Daraus folgt allerdings nicht, dass traditionelle Fonds nicht der Gefahr ausgesetzt wären, dass gute Manager die Gesellschaften verlassen. Es kann jedoch nicht jeder Fondsmanager einfach einen Hedgefonds gründen, um sich eine goldene Nase zu verdienen. In dieser Branche zählen Reputation und Glaubwürdigkeit zu den entscheidenden Erfolgsfaktoren. Wer sich in der klassischen Fondsbranche einen guten Ruf erworben hat, kann diese Reputation nutzen, um Gelder für seinen eigenen Hedgefonds zu akquirieren.

_Einen Braindrain scheinen Publikumsfondsgesellschaften nicht befürchten zu müssen?
Eine solche Gefahr besteht nur, wenn Fondsgesellschaften ihren Managern keine adäquaten Möglichkeiten bieten, sich beruflich weiterzuentwickeln. Fondsgesellschaften haben gelernt, dieser Gefahr vorzubeugen. Das kann beispielsweise dadurch geschehen, dass sie ihren Managern erlauben, nebenher einen Hedgefonds zu verwalten.

_Gibt es wesentliche Unterschiede in den Anforderungsprofilen von Investmentfonds- und Hedgefondsmanagern?
Das grundlegende Rüstzeug ist in beiden Sparten nötig. Darüber hinaus gibt es allerdings Unterschiede in den Anforderungsprofilen. Bei Hedgefonds hängt viel von der konkreten Anlagestrategie eines Fonds ab. Grundsätzlich nutzt ein Großteil der Hedgefonds verschiedene innovative ­Finanzprodukte und exotische Derivate. Daher ist ein fundiertes Verständnis der oft sehr komplexen Finanzinstrumente hier wichtiger als bei klassischen Investmentfonds. Auch das Risikomanagement spielt wegen der mitunter stark gehebelten und riskanten Positionen bei Hedgefonds eine zentralere Rolle als bei Publikumsfonds, die meist im relativ engen Rahmen ihrer vorgegebenen Anlagerichtlinien handeln.

_Welche Vor- und Nachteile bieten traditionelle Fondsgesellschaften ihren Managern?
Traditionelle Fondsgesellschaften bieten ein relativ strukturiertes Umfeld und eine vergleichsweise hohe Jobsicherheit. Fondsmanager werden selten wegen einer schlechten Performance entlassen. Der häufigste Grund für Kündigungen ist die Verletzung von Verhaltensrichtlinien. Zudem haben sie meist einen stark geregelten Arbeitsablauf: Neben den regulatorischen Vorschriften werden ihnen oft relativ restriktive interne An­lagerichtlinien vorgegeben. Dies schränkt den Handlungsspielraum ein und schließt die Umsetzung vieler Investmentstrategien aus.

_Welche Vor- und Nachteile bieten Hedgefonds ihren Managern?
Da Hedgefonds in der Regel keiner Regulierung unterliegen, erlauben sie ihren Managern einen viel größeren Entscheidungsspielraum im Hinblick auf die Investmentstrategie. In vielen Fällen gehört der Manager eines Hedgefonds auch zu dessen Gründern und arbeitet selbstständig. Allerdings ist das Risiko­ eines Jobverlustes ungleich höher. Eine­ unzureichende Performance kann schnell zum Abfluss der Anlegergelder und zur Schließung eines Hedgefonds führen.

_Welche Faktoren könnten für und gegen den Wechsel eines traditionellen Fondsmanagers zu einem Hedgefonds sprechen?
Aus meiner Sicht steht hier die Frage im Vordergrund, ob ein Fondsmanager sich selbstständig machen möchte oder nicht. Letztendlich bietet die Selbstständigkeit, egal ob als Hedgefondsmanager oder Gründer ­einer neuen Publikumsfondsgesellschaft, wesent­lich bessere Möglichkeiten zur persönlichen Entfaltung. Gleichzeitig sollte das Risiko­ einer Tätigkeit als Unternehmer nicht unterschätzt werden.

 
Ralf Kolbe
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