Strategien
07.08.2017

Gemeinsam investiert es sich leichter

Dr. Michael Riemenschneider

Reeta Holmes

Der Engpass an attraktiven Assets ist in den illiquiden Asset-Klassen notorisch. Kooperationen zwischen Investorengruppen, auch zwischen regulierten Anlegern und Family Offices, erscheinen sinnvoll, da sich diese beiden Lager ergänzen können. Fallbeispiele.

Der Spielraum von Lebensversicherungen ist auf absehbare Zeit durch die Zinszusatzreserve, das Solvency-II-Meldewesen oder die Capital Requirements Regulation eingekastelt. Und mit dem Zwang zu Investments wie Bankennachränge, Locals und Multi-Asset-­Solutions ist die Assekuranz weiter zum Basispunkte-Schubsen ­verdammt. Den Kunden der klassischen Lebensversicherungen wird weniger Rendite als trügerische Sicherheit verkauft. Dagegen zeigen private Investoren, dass sich das Eingehen von unternehmerischen Risiken ­durchaus bezahlt machen kann – zum Beispiel mit einem Vermögensanstieg auf 29 Milliarden Euro.

Diese Summe schreibt das Manager Magazin in seiner Juni-Ausgabe vier Stämmen der Familie Reimann zu, deren Ahnherr Johann Adam Benckiser anno 1823 in Pforzheim mit einer Salmiakhütte startete. Zustande kam der rasante Vermögenszuwachs durch Beteiligungen an Unternehmungen in den Branchen Kaffee, wo mittlerweile über die Hälfte des Familienvermögens investiert ist, in Kosmetik, ­Hygiene- und Putzmittel und Luxusmode.

Die Vermögensverhältnisse des Clans, der laut Manager Magazin 18 Erwachsene zählt, sind also geordnet, weitere unternehmerische ­Risiken müssten nicht mehr eingegangen werden. Trotzdem: ­Vermögensverwalter Peter Harf, der aus einem mittelständischen Chemiebetrieb durch seine Beteiligungsstrategien insbesondere ein Kaffeeimperium geschaffen hat, dreht weiter ein großes Rad. Zusätzlich zum Kapital der Reimann-Stammaktionäre sammelt Harf bei ­familienfremden Investoren über die JAB-Holding große Summen ein. In den vergangenen fünf Jahren sammelte JAB über neun Milliarden Dollar bei Großanlegern ein.

Als Motiv nennt die Zeitschrift Harfs Ziel, „eine Beteiligungsgesellschaft wie die Renditemaschine Berkshire Hathaway von Warren Buffett“ zu schaffen. Weitere im ­Artikel genannte Argumente: die Verdienstmöglichkeiten der Vermögensverwalter, eine Professionalisierung der Vermögensverwaltung, eine Diversifikation des Produktportfolios, das Anzapfen der Netz­werke von Drittinvestoren und natürlich das Argument, das bei praktisch allen Empire-Building-Ambitionen genannt wird: Synergien!

Mit dieser Strategie, Gelder von Drittinvestoren für weitere unternehmerische Ambitionen einzusammeln sind diese Reimann-Familien nicht allein – trotz eines auch für die n-te Familiengeneration bereits feststehenden finanziell unbeschwerten Lebensabends. Profitieren können auch institutionelle Investoren, die nach Beteiligungsmöglichkeiten suchen, ohne die Nachteile von klassischen Private-Equity-Fonds in Kauf nehmen zu müssen.

Eine Gelegenheit, abseits der Welt der klassischen Beteiligungsfonds in Wachstumsunternehmen zu investieren, eröffnen nun Reimann-Familienmitglieder, die sich bereits Ende der 1990er-Jahre von den heutigen „JAB-Reimanns“ um Peter Harf getrennt und ihre Vermögen 2006 im in Grünwald gelegenen Family Office Reimann ­Investors gebündelt haben. Offeriert werden Co-Investments mit der Reimann Investors Management GmbH & Co. 2016 KG. Deren Investitions­fokus: Unternehmen aus der Digitalindustrie, allen voran E-Commerce-Spezialisten, Finanzdienstleistern und Fintechs Eigenkapital für die Expansion zur Verfügung zu stellen.

„Unsere deutsche Family-­Office-Lösung ist eine Alternative zum US-Venture-Capital-Fonds-Modell“, erklärt Dr. Michael Riemenschneider, der seit Gründung des Family Office 2006 als Geschäftsführer über das Vermögen der ­Reimanns wacht. „Wir sind eine deutsche Familie und kein Fondsmanager, der Management Fees vereinnahmen möchte. Wir legen auch keinen Reimann-Asien-Fonds auf, der gezeichnet werden muss, wenn man beim nächsten Core-Fonds auch dabei sein möchte.“ Zu den Nachteilen von Beteiligungsfonds zählen typischerweise auch neben den teuren Gebühren hohe Nebenkosten für Vertrieb, Regulierung und Turnovers im Beteiligungsportfolio. Letzteres treibt eher den IRR und damit die Performance-Fee an, als das für Investoren eigentlich relevantere Multiple. Zu nennen ist auch, dass unterschiedliche ­Limited Partner in der Regel unterschiedliche Ziele mit ihrem ­Investment ­verfolgen.

 
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