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09.07.2010

Gut Ding will Weile haben

Für einen sorglosen Lebensabend reicht die staatliche Rente nicht aus. Asset Manager haben die mit dem Thema ­Altersvorsorge verbundenen Geschäftschancen für ihre Branche längst erkannt, trotzdem hat sich eine Reihe bewusst gegen spezialisierte Produkte entschieden. Denn bis sich dieses Geschäftsfeld rentiert, braucht es Zeit und Geduld.

Für einen sorglosen Lebensabend reicht die staatliche Rente nicht aus. Asset Manager haben die mit dem Thema ­Altersvorsorge verbundenen Geschäftschancen für ihre Branche längst erkannt, trotzdem hat sich eine Reihe bewusst gegen spezialisierte Produkte entschieden. Denn bis sich dieses Geschäftsfeld rentiert, braucht es Zeit und Geduld.

Welche Rolle spielt Altersvorsorge bei Asset Managern? Einblicke dazu gibt eine neue Umfrage von Kommalpha Institutional Consulting, die sich mit dem Thema "Altersvorsorge in der Asset-Management-Industrie" befasst. In einem Zeitraum von April bis Mai dieses Jahres sprach der Berater mit 201 Marktteilnehmern. Zu 43 Prozent handelte es sich dabei um Asset Manager. Auf die Kategorien "Kapitalanlagegesellschaft" und "Bank" entfielen jeweils rund 18 Prozent. Vermögensverwalter brachten es auf sieben Prozent.
Wie im Vorjahr zeigt sich auch in der diesjährigen Studie eine­ Diskrepanz bei der Frage nach der Bedeutung der Altersvorsorge für die Entwicklung der Investmentbranche und des eigenen Unternehmens. Mit 95 Prozent­ messen fast alle Befragten diesem Thema für die Branche eine­ hohe oder sehr hohe Bedeutung bei, das sind neun Prozent mehr als 2009. Im Gegensatz dazu attestieren nur 21 Prozent dem Thema Altersvorsorge eine sehr hohe Bedeutung für das eigene Unternehmen, gut die Hälfte spricht zumindest von einer hohen Bedeutung. Im Vergleich mit den Umfrageergebnissen von 2009 scheint die Relevanz für das eigene Geschäft zugenommen zu haben. Fast 20 Prozent messen dem heute mehr Bedeutung bei. Bestätigt wird dies auch dadurch, dass in diesen Bereich inzwischen mehr investiert wird. "Die Investitionen sind mit etwa 20 Prozent deutlich gestiegen. Personal­ wurde eingestellt, Broschüren aufgesetzt und eigene Veranstaltungen wurden gestartet", erklärt Hans-Jürgen Dannheisig, Geschäftsführer von Kommalpha. Trotzdem bleibt unübersehbar, dass das Thema Altersvorsorge für das eigene Unternehmen im Vergleich mit der Branchenbedeutung weniger relevant ist. Untermauert wird dies auch durch die Investitionsbereitschaft in die entsprechende Unternehmensstruktur. Diese ist zwar gegenüber 2009 gestiegen, liegt aber nach wie vor auf einem niedrigen Niveau. Lediglich 36 Prozent wollen "viel" und weitere zwölf Prozent "sehr viel" investieren.

_Deutliches Votum der Investoren

Angesichts dieser Zahlen überrascht es nicht, dass Investoren mehrheitlich der Meinung sind, dass die Assekuranz beim Thema Alters­vorsorge besser aufgestellt ist als Asset Manager. Die begleitende­ Investorenumfrage von Kommalpha zeichnet ein klares Bild. Von den 35 befragten Investoren sehen 75 Prozent die Versicherer­ vorn, lediglich sieben Prozent nannten Asset Manager. Dieses deutliche Votum dürfte vor allem damit zusammenhängen, dass Vorsorge über Jahrzehnte die alleinige Spielwiese der Assekuranz war, mit ­Lebensversicherungen aufseiten der privaten Vorsorge und den ver­sicherungsförmigen Durchführungswegen auf der Seite der betrieb­lichen Altersvorsorge.
Insgesamt scheint sich die Welt der Asset Manager in zwei Lager aufzuspalten. Auf der einen Seite finden sich die Unternehmen, die keine spezialisierten Altersvorsorgeprodukte anbieten. Laut Dannheisig haben sich einige dieser Häuser bewusst dagegen entschieden. Der Kommalpha-Geschäftsführer erklärt: "Einige Häuser wollen nicht über spezialisierte Produkte gehen, sondern positionieren sich indirekt über kompatible Konzepte im Asset Management." Ein Grund für diese Entscheidung dürfte sein, dass das Thema Altersvorsorge ­äußerst komplex ist und einer Menge Know-hows nicht nur im Investmentrecht, sondern auch im Aufsichts- und Steuerrecht bedarf. Um hier erfolgreich durchzustarten, sind deshalb hohe Investitionen in die Infrastruktur erforderlich. "Es reicht nicht aus, das Investmentgesetz auswendig zu kennen. Um als Asset Manager in diesem Feld ­erfolgreich zu sein, muss man investieren und entsprechende, qualifizierte Leute an Bord holen", erklärt Nikolaus Schmidt-Narischkin, Head of Pension­ Solutions bei DB Advisors. Zu derartigen Investitionen­ ist nicht jeder Manager bereit oder überhaupt in der Lage. "Man darf nicht vernachlässigen, dass sich die Ertragssituation der KAGen verschlechtert hat. Die Margen sind gesunken und damit auch die Investitionskraft", so Dannheisig.
Ein weiterer Grund für die Zurückhaltung einiger Asset Manager: Altersvorsorge ist eine langwierige Geschichte. Zu Beginn lassen sich damit keine großen Summen generieren, was in Verbindung mit den relativ hohen Fixkosten dafür sorgt, dass sich dieses Geschäftsfeld erst nach einer gewissen Zeit rechnet. "Man braucht einen außergewöhnlich langen Atem um sich im Bereich Zeitwertkonten zu etablieren", bemerkt Dannheisig. Es scheint also verständlich, wenn kleinere Häuser diesem Feld fern bleiben.

_Hartnäckigkeit zahlt sich aus

Auf der anderen Seite gibt es aber auch einige Asset Manager, die im Geschäft mit Altersvorsorgeprodukten enorme Chancen sehen und gezielt in diesen Markt einsteigen. Ein Beispiel ist Fidelity. Der Asset Manager mit US-amerikanischen Wurzeln gilt als Spätzünder. Schließlich wurde das institutionelle Geschäft in Deutschland erst 2002 gestartet. Nachdem das Geschäft in den ersten fünf Jahre nur schleppend in Gang kam - der institutionelle Bereich machte nur etwa­ ein Zehntel des gesamten Deutschlandgeschäfts aus -, blies Fidelity­ 2007 zum Angriff. Insbesondere das Pensionsgeschäft sollte mit neuen­ Produkten und Christof Quiring als Leiter forciert werden. Neben­ dem klassischen Spezialfondsgeschäft werden seither auch Zeitwertkonten und Treuhandlösungen angeboten. Die Hartnäckigkeit, mit der sich Fidelity­ diesem Thema hingibt, scheint sich bezahlt zu machen. Diesen Schluss lässt die Kommalpha-Umfrage zu. Auf die Frage nach dem stärksten Wettbewerber auf dem Gebiet der Altersvorsorger sehen die 201 befragten Anbieter Fidelity auf Platz vier. Damit ist der US-amerikanische Anbieter der große Aufsteiger, wie ein Blick in die Vergangenheit zeigt. In der ersten Kommalpha-Umfrage aus dem Jahr 2006 war Fidelity noch nicht im Ranking vertreten. Im vergangenen Jahr landete das Haus schließlich hinter Metzler und der Deka auf Platz sechs, um diese beiden in der diesjährigen Umfrage hinter sich zu lassen. Aber nicht nur die Branchenkollegen nehmen Fidelity als starken Wettbewerber wahr. Gleiches gilt für Investoren, wie sich in der ­begleitenden Umfrage zeigt. Nachdem die 2009 interviewten Investoren Fidelity noch auf Platz sechs sahen, ging es für das Haus in diesem Jahr um zwei Plätze nach oben und nur knapp am Treppchen vorbei.
Die Medaillenränge belegen wie bereits im Vorjahr die Großen ihrer­ Zunft: die beiden Vermögensverwalter der Deutschen Bank, Allianz­ Global Investors (AGI) und Union Investment. Den Platz an der Sonne nehmen mit 70 Prozent der Anbieterstimmen die DWS und DB Advisors ein. Ausschlaggebend hierfür dürften die Riester-Produkte der DWS sein. Aber auch der institutionelle Arm verfügt laut Schmidt-Narischkin über eine breite Angebotspalette. Dazu gehören Plattformen, wie ein gemeinsam mit der Zurich-Versicherung betriebener Pensionsfonds und eine Gruppentreuhandlösung. Hinzu kommen Dienstleistungen für Fiduciary Management, wobei sich die 50 Milliarden Euro in diesem Bereich auf Defined-Benefit- und Defined-Contribution-Modelle sowie das Master-KAG-Geschäft und Cross-Border-Pooling verteilen.
Auf Platz zwei im Ranking landet AGI. Das gute Abschneiden dürfte wohl an der Nähe zur Versicherungsbranche liegen. "Wir sind im Thema Altersvorsorge so gut aufgestellt, weil wir über Kompetenz im Asset Management und Versicherungsbereich verfügen", ist sich Martin Katheder, Vorsitzender der Geschäftsführung von Allianz Pension­ Partners und Leiter des Bereichs Pension Solutions bei AGI, sicher. In den Ansparmodellen der AGI, wozu fondsbasierte Direktzusagen und Zeitwertkonten gehören, befinden sich 600 Millionen Euro.­ Davon entfallen 433 Millionen Euro auf Zeitwertkonten. "Der Markt für Zeitwertkonten wird weiter wachsen, sich aber konsolidieren. Der Anteil an Versicherungen wird tendenziell zunehmen. Kleine Asset Manager werden sich aus dem Geschäft zurückziehen", glaubt Katheder. Zu diesen Asset Managern wird AGI nicht gehören. Katheder­ will weiterhin auf Zeitwertkonten setzen: "Skaleneffekte sind zwar erst nach einer gewissen Zeit zu sehen, aber wir denken, dass dies ein Geschäftsfeld mit attraktiven Zukunftsperspektiven ist."

_Langsam, aber beständig wachsen

Dass Katheder­ mit seinem Bekenntnis die Bedürfnisse der Branche­ trifft, zeigt die Investorenumfrage von Kommalpha. Auf die Frage nach Produkten, die sie von einem Asset Manager als Dienstleister im Bereich Altersvorsorge erwarten, nennt die Mehrheit Zeitwertkonten. Allerdings scheinen nicht alle Anbieter von Altersvorsorgeprodukten auch Zeitwertkonten im Repertoire zu haben. "Es gibt nur wenige, die Zeitwertkonten anbieten", beobachtet Schmidt-Narischkin. Dazu gehört auch DB Advisors, bei denen das DC-Modell "Zeitwertkonto" momentan 400 Millionen Euro umfasst. "Langfristig werden wir an diesem Ansparmodell viel Freude haben. Ähnlich wie bei Riester ist das Volumen in den ersten Jahren relativ gering, wächst mit den Jahren aber beständig", so Schmidt-Narischkin. Dass die Zeitwertkonten seines Hauses im Markt guten Anklang finden werden, davon ist er überzeugt. "Die Deutsche Bank war eines der ersten Unternehmen, das als Anwenderunternehmen 2001 Zeitwertkonten umgesetzt hat. Das hilft uns ­natürlich und zeigt, dass wir uns damit beschäftigen."
Hoch im Kurs bei Investoren stehen aber nicht nur Zeitwertkonten, sondern auch Contractual Trust Arrangements (CTAs), wie die Investorenumfrage von Kommalpha weiter zeigt. Auf die Frage nach den Produkten, die sie von einem Asset Manager erwarten, belegen CTAs hinter Zeitwertkonten mit 53 Prozent der Stimmen den zweiten Platz. Bei den Anbietern stehen jedoch ganz andere Produkte im Vordergrund. "Es gibt Profilunterschiede zwischen Nachfrage und Angebot", sagt Dannheisig. Von den 201 befragten Asset Managern bieten lediglich 18 Prozent CTAs an. Die Treuhandlösung liegt damit im Ranking der angebotenen Produkte abgeschlagen auf dem letzten Platz. Allerdings gibt es eine Reihe von Anbietern, die auch dieses Geschäftsfeld beackern. Dazu gehört unter anderem der Vermögensverwalter von Allianz, der 37 Unternehmen mit jeweils eigenen Treuhandvereinen betreut. Das Volumen dieser Sparte beläuft sich auf aktuell 15 Milliarden Euro. Darüber hinaus gibt es seit 2008 mit der Allianz Treuhand GmbH ein überbetriebliches CTA, in das bisher 93 Unternehmen ihre Pensionsverpflichtungen ausgelagert haben. Katheder geht fest davon­ aus, dass der Trend zur Ausfinanzierung von Pensionsverpflichtungen weitergeht: "In den vergangenen Jahren haben sich Unternehmen aus Liquiditätsgründen zurückgehalten. Inzwischen werden Ausfinanzierungsprojekte, die auf Eis gelegt wurden, aber wieder aufgenommen." Diese Ansicht teilt Schmidt-Narischkin. "Es gibt keine Trendumkehr. Denn es gibt bestimmte Intensivierungen, die die Ausfinanzierung vorantreiben werden, zum Beispiel das Bilanzmodernisierungsgesetz und die steigenden PSV-Beiträge", so der DB-Advisors-Geschäftsführer. Angetrieben werde das Thema Ausfinanzierung außerdem durch die demografische Entwicklung, der sich auch junge Unternehmen, die momentan nur wenige Rentner haben und von ihren Pensionsrückstellungen derzeit noch profitieren, nicht entziehen können. "Wenn deren Belegschaft älter wird, werden die Rückstellungen zu einem Corporate-Finance-Problem", sagt Schmidt-Narischkin.
Die Geschäftschancen im Bereich Altersvorsorge sind nach wie vor groß. Der Kuchen ist längst nicht verteilt. Asset Manager, die jetzt in den Markt einsteigen, sind spät dran, aber noch nicht unbedingt zu spät. Doch leicht wird dies mit Sicherheit nicht. "Die Hürden im Alters­vorsorgebereich sind sehr hoch. Wer darin erfolgreich sein will, muss sehr spezialisiertes Know-how vorhalten", weiß Katheder. Bevor sich dieser Geschäftszweig rentiert, bedarf es also einiges an Investitionen und jede Menge Geduld.

 
Kerstin Bendix
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