Pension Management
14.05.2018

Helden der Altersvorsorge

Betriebsrenten-Recke Heribert Karch gab auch auf dem Drachenfels den furchtlosen bAV-Vorkämpfer (Foto: Apo-Bank)

Andrea Mutschall, Zahnärzte Niedersachsen: Die sichere Rente mutiert für Jüngere zum Mythos. (Foto: Apo-Bank)

Dass die Rente sicher ist, ist ein Mythos. Je mehr aber Abstriche bei der Sicherheit gemacht werden, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass die Rente zumindest ausreichend ist. Über Stellschrauben für Neuadjustierungen diskutierten Praktiker auf einer Veranstaltung der Apo-Bank an einem sagenumwobenem Orte.

Altersvorsorge ist eine emotional aufgeladene Angelegenheit. Mit Begriffen wie „Altersarmut“, „Rechnungszinskürzung“ oder „Zockerrente“ lässt sich hierzulande Stimmung machen. Mit „Betriebsrentenstärkungsgesetz“, „privater Vorsorge“ oder „Risikotragfähigkeit“ lassen sich Anspruchsberechtigte dagegen nicht für die Bedeutung des Themas sensibilisieren. Wenn man jedoch mit Fakten zu den Betroffenen nicht durchdringt, braucht es ein Narrativ. Wer sich sehr mit Narrative Economics beschäftigt hat, ist Nobelpreisträger Robert J. Shiller: „Das menschliche Gehirn war schon immer sehr auf Erzählungen fixiert – unabhängig davon, ob diese auf Fakten oder nicht beruhen.“ Der Grund liegt für den US-Nobelpreisträger darin, das eigene Tun, sogar elementare Handlungen wie Spenden und Investieren, zu rechtfertigen.

Shillers Schriften zu Narrative Economics hat offenbar auch die Deutsche Apotheker- und Ärztebank, Apo-Bank, studiert – und lud darum zu ihrem diesjährigen Investment-Forum auf den am Rhein unweit der Loreley gelegenen Drachenfels. Also dorthin, wo einst der Nibelunge Siegfried dem Drachen den Garaus machte, in dessen Blut badete, um Unverwundbarkeit zu erlangen, und so einen deutschen Mythos erschuf. Ein Lindenblatt auf des Recken Rücken verhinderte allerdings bekanntlich eine komplette Immunisierung. Kapitalgedeckte Altersvorsorge, das Thema der Apo-Bank-Veranstaltung, ist zwar noch kein deutscher Mythos. Aber um einer zu werden, dürfte es nicht viel geeignetere Orte geben.

Furchtlos wie Siegfried – aber etwas launiger – kämpfte der Betriebsrenten-Recke Heribert Karch auch auf dem Drachenfels für die Betriebsrente. Der Vorstandsvorsitzende des Fachverbands für betriebliche Altersversorgung, Aba, und Geschäftsführer der Metallrente tat sich aber auf Grund von definitorischen Bedenken etwas schwer, sich auf dem deutschen Mythenberg zu Narrative Economics bezüglich seines Vortragstitels „Betriebsrente als gute Fee“ inspirieren zu lassen: „Mythen sind zu alt, um postfaktisch zu sein. Ansonsten müssten sie präfaktisch sein.“

Bei der Übung, alte Mythen auf das heutige Zeitalter der political correctness zu übertragen, war Karch offenbar auch durch die eine oder andere Erfahrung mit Gleichbehandlungsbeauftragten gehemmt: „Fee lässt sich nicht gendern!“ Trotz dieser Schwierigkeiten gelang Heribert Karch eine schöne ökonomische Erzählung, auf der sich jedoch leider nicht für die Zukunft aufbauen lässt: Vor zehn Jahren erwies sich nämlich der starke Versicherungsapparat in Deutschland und die damit einhergehenden strategischen Kapitalallokationen als Schutz vor den Folgen von Lehman Brothers. „Wir Deutschen waren damals anders als Angelsachsen oder Holländer nicht underfunded und passten vor Stolz durch keine Tür mehr. Dies führte jedoch dazu, dass wir zu spät auf die Niedrigzinsjahre reagiert haben“, so Heribert Karch.

Mit manchen anderen deutschen Mythen konnte Karch auf der Veranstaltung aufräumen. Dass beispielsweise der Deutsche gern nach dem Staat ruft und in der deutschen DNA die Garantiefixierung fest verankert ist, stellte Karch mit dem Ergebnis von Umfragen in der jüngeren Bevölkerung in Frage. Die Jüngeren, die zugleich die größte Risikogruppe in der Vorsorge bilden, kommen offenbar mit dem Lindenblatt der Kapitalanlage, nämlich, dass die Märkte vor Rückschlägen nicht gefeit sind, zu Recht, wenn dafür höhere Renten winken. Änderungen in der deutschen Rentenvorsorge sind also möglich. Ohne Fixierung auf Garantien ist eben auch mehr Rendite möglich – trotz Finanzkrise. „Der Pensionsfonds in der Metallrente performt seit 15 Jahren im Schnitt mit 5,9 Prozent.“

Mit Risiko-Overlay betrage die Aktienquote in diesem Pensionsfonds 80 Prozent. „Das Bild der falsch verstandenen Sicherheit in Form von Garantien wandelt sich“, lässt sich Karch in einer Pressemitteilung der Metallrente zitieren. „Die Teilhabe am Produktivvermögen, zum Beispiel durch Aktien, ist nachweislich erfolgreicher als die Anlage in typische festverzinsliche Kreditpapiere. Pensionsfondslösungen können zum neuen Motor für die Sozialpartnerrente werden.“ Wer trotz Jahresrenditen von knapp sechs Prozent ein Lindenblatt beziehungsweise eine (vorübergehende) Verwundbarkeit in der Kapitalanlage nicht aushält, dem empfahl Karch auf der Apo-Bank-Veranstaltung zwar kein Bad im Drachenblut, aber einen für eine Autonation passenden Gedankengang zu Garantien und Sicherheiten: „Ein Gurt wird nicht als Sicherheitsgarantie bezeichnet.“

Tapfer gegen den Zentralbank-Drachen, der seit Jahren die Zinsen im Frankfurter Ostend gefangen hält, kämpfen seit Jahren berufsständische Altersvorsorgeeinrichtungen. Sie haben zwar keine Garantien versprochen, stehen jedoch vor der Problematik, dass seit geraumer Zeit die üblichen festverzinslichen Wertpapiere unter den Rechnungszins gerutscht sind. Dieses Dilemma und mögliche Lösungswege beschrieb Dr. Andrea Mutschall, Geschäftsführerin des Altersversorgungswerks der Zahnärzte Niedersachsen.

 
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