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10.03.2010

HINTERGRUND: Dachhedgefonds setzen höhere Gebühren nicht durch

Olivier Cassin, Bfinance

Olivier Cassin, Bfinance

Laut Experten ist der Trend zu Single-Hedgefonds ein wichtiger Grund dafür.

MÜNCHEN - Von der Markterholung seit der Finanzkrise konnten Dachhedgefonds bei Fee-Verhandlungen offenbar nicht profitieren. Während vor einem Jahr für einen passiven Dachhedgefonds von nur 56 Prozent der Anbieter für ein 100-Millionen-Dollar-Mandat Basisgebühren von maximal 70 Basispunkten aufgerufen wurden sind es aktuell 68 Prozent der Anbieter.

Eine ähnliche Entwicklung ergab sich bei Dachfondsreplikatoren und aktiven Fund-of-Hedge-Funds. Für letzteres Produkt verlangten Ende 2008 22 Prozent der Befragten maximal 70 Basispunkte. Aktuell sind es 27 Prozent. Dies ergab eine Umfrage von Bfinance. Der Berater für Asset-Manager-Selektionen befragte 96 Hedgefonds, die insgesamt 674 Milliarden Dollar managen.

Die Gründe für den Rückgang der Basis-Fee sind vielfältig. "Nicht alle Dachhedgefonds haben bekanntlich ihre Hausaufgaben gemacht", sagte Bfinance-Geschäftsführer Olivier Cassin und verwies auf "Madoff" und größer als erwartete Downside-Risiken. Weitere Gründe für den Gebührenrückgang sind, dass es bei passiven Investments mehr Wettbewerb gibt, und gerade größere Investoren nun mehr zu Single-Fonds neigen. "Plattformen erleichtern die Umsetzung von Investments in Single-Hedgefonds", so Cassin, der davon ausgeht, dass die Fees für Dachhedgefonds sich noch weiter reduzieren.

Dagegen erwartet eine knappe Mehrheit der Dachfonds, dass Basis- und Performance-Fee im nächsten halben Jahr vermutlich konstant bleiben.
Der Trend zu Single-Fonds deutet darauf hin, dass diese unter geringerem Fee-Druck stehen. Dies bestätigen auch die Bfinance-Zahlen. Mit 17 Prozent der Single-Hedgefonds erwarten etwa genauso viele Manager wie im Vorjahr für ein 100-Millionen-Dollar-Mandat eine Fee von bis zu 70 Basispunkten. Ebenfalls wie im Vorjahr erwartet etwa ein Drittel am anderen Ende der Preisrange eine Basisgebühr von 150 bis 200 Basispunkten. "Die Möglichkeit, mit Zielfonds günstigere Fees auszuhandeln, sind nun deutlich geringer", sagte Cassin.

Ein Nachlass ist jedoch immer noch möglich, wenn Investoren sich zu einer längeren Bindungsdauer bereit erklären. Dies ist bei 29 Prozent der Hedgefonds im Falle einer Lock-ups von einem Jahr und bei 71 Prozent der Hedgefonds im Falle eines Lock-ups von drei Jahren der Fall. Allerdings: Auch hier waren im vergangenen Jahr noch mehr Asset Manager zu Zugeständnissen bereit.

Trotz der deutlich längeren Bindungsdauer von Private-Equity-Fonds weisen diese im Schnitt übrigens eine höhere Basis-Fee als Hedgefonds auf. Laut der 2008 Annual Review of Private Equity Terms and Conditions von SCM lag die durchschnittliche Management-Fee von Beteiligungszielfonds im Untersuchungszeitraum etwas über zwei Prozent. Ein weiteres Resultat der Analyse war, dass die Gebühren genauso wie Hurdle Rate und Carried Interest im Vergleich zu 2007 relativ stabil waren. Dies dürfte sich geändert haben.

Eine zweite Umfrage führte Bfinance ebenfalls im Dezember und Januar unter 48 internationalen Pensionsfonds durch. Die Investoren konnten im vergangenen Jahr niedrigere Basis- und Performancegebühren aushandeln und für 2010 gehen 40 Prozent der Pensionsfonds von niedrigeren Basis- und 25 Prozent von niedrigeren Performancegebühren aus. 70 Prozent der Pensionsfonds sind in Europa ansässig. Die befragten Fonds verfügen über 182 Milliarden Euro an Assets under Management.

Bei Investments in Single-Hedgefonds sind also harte Gebührenverhandlungen zu erwarten. Stand heute bewerten die Anleger mehrheitlich die Verwaltungsgebühren für Hedgefonds als "fair" bis "gut". Bei passiven Dachhedgefonds wird die Höhe der Verwaltungsgebühren jedoch als "geringwertig" bezeichnet. Auch in den anderen Asset-Klassen bewertet man die Verwaltungsgebühren mehrheitlich als "fair" bis sogar "sehr gut". Als "sehr gut" bewerten übrigens 31 Prozent der Befragten - und damit so viel wie in keiner anderen Asset-Klasse - die Verwaltungsgebühren bei passiven Aktien.

Ein interessantes Ergebnis der Pensionsfondsumfrage ist, dass in der Vorgängerstudie noch 56 Prozent keine Antwort auf die Frage gaben, welchen Zeitraum man für die Berechnung der Performance-Gebühren bevorzugen würde. Diese Quote sank in diesem Jahr auf nur noch 15 Prozent. Jeweils ein knappes Viertel würde einen Zeitraum von zwei, vier beziehungsweise fünf Jahren bevorzugen. Olivier Cassin weist auf das Alignement of Interests hin: "Langfristige Vereinbarungen sind für beide Seiten vorteilhaft. Die Investoren können geringere Renditeschwankungen erwarten und die Anbieter eine stabilere Kundenbasis."

Weiter wurde in dieser Umfrage die Affinität zu aktiven Investments untersucht. Während im vergangen Jahr nur ein geringer Anteil der Investoren eine größere Anzahl aktiver Beteiligungen anstrebten, bevorzugen nun 23 Prozent der Investoren bei Aktien einen aktiven Anlagestil und sogar 33 Prozent bei Renten.
"Staatsanleihen waren in 2008 eine sehr gefragte Anlageklasse, in der aber aktives Management wenig Mehrwert bringt. Bei Unternehmensanleihen, der favorisierten Anlageklasse in 2009, sorgt aktives Management für einen deutlich größeren Mehrwert", sagte dazu Cassin. Ein weiterer Grund dürfte sein, dass während der Finanzkrise vor allem die Betas gesteuert werden mussten. Die aus der Finanzkrise resultierenden Verwerfungen ergaben dann aber interessante Opportunitäten für aktive Manager.

portfolio institutionell newsflash 10.03.2010/pe/jan/

 
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