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10.02.2010

HINTERGRUND: Quo vadis, Landesbank Asset Manager?

Die West-LB

Die West-LB

Es ist unverständlich, warum es immer noch sechs solcher Einheiten gibt.

FRANKFURT - Den Frust der Mitarbeiter bei Bayern Invest kann man gut verstehen. Obwohl sie das Unternehmen zu einem profitablen Fondsadministrator gemacht hatten, erwog die Bayern-LB 2009, es zu verkaufen. Der Hintergrund: Der Freistaat Bayern musste seine marode Landesbank mit zehn Milliarden Euro vor einer Pleite retten. Damit die Europäische Union die Rettung absegnet, musste die Bayern-LB ihre Bilanzsumme von 395 Milliarden Euro halbieren. Da kam Bayern Invest neben anderen Töchtern auf den Prüfstand. Den Mitarbeitern schien es, als müssten sie für die Fehler der Mutterbank - vor allem die katastrophale Beteiligung an der österreichischen Bank HGAA - zahlen. Wären ihre Jobs nach einem Verkauf noch sicher? Die Situation spitzte sich zu, als ihr Chef, Michael Bentlage, die Firma Ende September 2009 verließ. Inzwischen hat die Bayern-LB einen Nachfolger für Bentlage gefunden und den Mitarbeitern mitgeteilt, dass die Tochter nicht verkauft wird. Gleichwohl ist ein Verkauf nicht ganz vom Tisch, weil die Landesbank mit ihrer Umstrukturierung am Anfang steht.

Verständnis kann man auch für die schwierige Lage von West-LB-Mellon haben. Seit Beginn des Joint Ventures zwischen der Landesbank und der US-Fondsgesellschaft Mellon vor vier Jahren leidet das Unternehmen an der Dauerkrise bei der West-LB. Das ist Pech, denn der Manager hat dem Investor einiges zu bieten: Kompetenz im Fixed-Income-Bereich sowie interessante Produkte von Mellon, einem der größten Asset Manager der Welt. "Die High-Yield-Bonds von Mellon kamen bei Investoren gut an", sagt ein Ex-Mitarbeiter, der eine hochrangige Position beim Venture hatte. "Es war aber trotzdem zu wenig, denn weder institutionelle Investoren noch Makler waren grundsätzlich bereit, einem Manager Geld anzuvertrauen, der den Namen West-LB trägt." Der Absatzerfolg ist tatsächlich ausgeblieben. Im Frühjahr 2006 kündigte West-LB-Mellon an, bis Ende 2009 das verwaltete Vermögen von damals 30 auf 45 Milliarden Euro zu steigern. Heute managt das Venture 24 Milliarden Euro. Neben der problematischen Verbindung zur West-LB nennt der Insider die Tatsache, dass das Venture außerhalb von Nordrhein-Westfalen (NRW) keine Publikumsfonds im Sparkassenlager aktiv vertreiben darf. "Die Deka hat uns dies verboten", sagt er. Die Deka sieht hier kein Verbot. Aus Kreisen des Asset Managers hieß es, die Deka dürfe im Rahmen einer Kooperation mit West-LB Asset Management die "Compass-Fonds" des Letzteren bundesweit vertreiben.

Bei allem Verständnis für die Lage beider Asset Manager ist es aus wirtschaftlicher Sicht unverständlich, warum es sie und fünf weitere derartige Einheiten von Landesbanken noch gibt. Die anderen sind: LBBW Invest, LBB Invest, Nord-LB Asset Management, Helaba Invest und HSH Asset Management. Als hauseigener Manager haben sie zwar ihre Berechtigung, aber sind viel zu klein, um im Asset-Management-Geschäft mit großen privatrechtlichen Managern, wie Allianz Global Investors, DWS/DB Advisors und Union Investment, jemals konkurrieren zu können. Bizarr ist auch die Tatsache, dass die Sparkassen - neben den Unternehmen in ihren Regionen die wichtigsten Kunden für landesbankgebundene Asset Manager - sie eigentlich nicht brauchen. Denn für die Gelder ihrer Privatkunden empfehlen sie in der Regel die Deka. Folglich ist die Deka mit 107 Milliarden Euro an Assets der zweitgrößte Publikumsfondsanbieter in Deutschland.

Die Deka verfügt auch über die größte Kompetenz unter den landesbankgebundenen Asset Managern, nämlich die Master-KAG. Mit 17 Milliarden Euro ist das Master-KAG-Volumen der Deka sogar einen Tick größer als das entsprechende Volumen der Bayern Invest (15 Milliarden Euro). Allerdings ist Helaba Invest mit einem Volumen von 50,5 Milliarden Euro der zweitgrößte Anbieter von Master-KAGen nach Universal Investment. "Die Deka würde sich freuen, der einzige Manager von institutionellem Geld im öffentlich-rechtlichen Sektor zu sein. Dies ist aber nicht sehr realistisch, denn die Landespolitiker wollen an ihren Banken festhalten", sagt Hans-Jürgen Dannheisig, Partner beim Asset-Manager-Berater Komm¬alpha. Die Asset Manager der Landesbanken sind nicht nur politisch gewollt, sondern haben in der Tat größere Volumina zu managen oder zu administrieren. "Sie sind zu groß, um zu sterben", sagt Dannheisig und fügt hinzu: "Sie sind aber auch zu klein, um richtig gut zu leben. Deswegen wäre es wirtschaftlich sehr sinnvoll, wenn es zu einer Konsolidierung der Landesbanken käme." Nach einem Zusammenschluss wären Helaba Invest und Bayern Invest fast gleichauf mit Universal, dem Marktführer bei Master-KAGen. Im Hinblick auf ihre Bond-Kompetenz ergänzen sich die Helaba Invest und die West-LB-Mellon gut.

Politik behindert überfällige Fusionen

Auch die LBBW könnte mit ihrem Asset Manager viel Kompetenz im institutionellen Geschäft und im Retail-Geschäft bieten. HSH Asset Management zeichnet sich derweil durch seine Fokussierung auf Immobilienfonds (sechs Milliarden Euro) aus. Schließlich wäre die LBB Invest ein attraktiver Fusionskandidat, weil sie mit 12,5 Milliarden Euro eine beachtliche Größe hat und Geschäftsbeziehungen zu Sparkassen bundesweit pflegt. Nur: Die Landesbank Berlin, die 2001 wegen Fehlinvestitionen in Immobilien vom Land Berlin gerettet wurde, steht heute gut da und sieht keine Notwendigkeit für eine Fusion. Auch Helaba¬ und die Nord-LB wollen zunächst unabhängig bleiben.

Für die anderen vier Landesbanken war die Finanzkrise wiederum ein Desaster. Alle mussten entweder von den Landesregierungen oder vom Bund gerettet werden. Die Krise hat also gezeigt, dass die Institute als Einzelne nicht überlebensfähig sind. Dazu sagt Dannheisig: "In unseren Gesprächen mit Landesbank-Mitarbeitern hören wir, dass wir in fünf Jahren nur noch drei Institute sehen werden. Weil die Sache aber politisch ist, kann Ihnen keiner sagen, wie der Weg zur Konsolidierung konkret aussehen wird." Murat Ünal, Chef des Frankfurter Beraters Funds at Work, teilt Dannheisigs Skepsis: "Die Tatsache, dass einzelne Landesbanken auch sehr eng in die Politik dieser Länder eingebunden sind, macht es schwer, länderübergreifende Fusionen vorzunehmen, weil es auch zu einem Schwund an Einfluss für einzelne Länder führen könnte. Der Status quo könnte also über die nächsten fünf Jahre erhalten bleiben."

Sicher ist das nicht, denn der Druck zur Konsolidierung könnte aus Brüssel kommen. Dort hat die EU-Kommission bereits eine radikale Verkleinerung von West-LB, Bayern-LB, LBBW und HSH Nordbank gefordert. Im Falle der West-LB könnte die Verkleinerung besonders schmerzhaft sein, weil sie als Förderbank in NRW gar nicht mehr gebraucht wird. Dafür gibt es die staatliche NRW-Bank. Auch deshalb hat die EU-Kommission gefordert, dass die West-LB im Jahr 2011 verkauft wird. Für West-LB-Mellon gibt es eine zweite Option: die komplette Übernahme durch den US-Manager. Warum ist es bisher nicht dazu gekommen? Dafür nennen Insider zwei Möglichkeiten: Entweder wollten die West-LB-Eigentümer zu viel Geld für ihre Anteile haben oder die West-LB hat die Vermögensverwaltung als Kerngeschäft neu entdeckt. "So oder so kann die Situation für Mellon nicht befriedigend sein. Je länger die Stagnation andauert, desto weniger wird das Joint Venture wert sein. Vielleicht muss Mellon aussteigen und seinen zweistelligen Millionenbetrag abschreiben." Danach sieht es derzeit nicht aus. Als West-LB-Mellon Volker Kurr Mitte Januar zum neuen Chef bestellte, begrüßte Jon Little, CEO von BNY Mellon Asset Management, die Nachricht. Nach vier Jahren Geduld mit der kriselnden West-LB wäre es für Mellon ohnehin ungeschickt, einen Alleingang im deutschen Markt zu wagen. Gegen einen Ausstieg von Mellon spricht auch die mögliche Privatisierung der West-LB 2011. Denn damit wäre das Politikum bei der Landesbank gelöst, und Mellon hätte die Möglichkeit, das Venture gänzlich zu übernehmen.

portfolio institutionell newsflash 10.02.2010/jan

 
Jan F. Wagner
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