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24.11.2010

HINTERGRUND: Widerstand gegen Solvency II formiert sich

Hoenen ist von Solvency II nicht begeistert

Hoenen ist von Solvency II nicht begeistert

Kleinere und mittlere Versicherer befürchten eine gefährliche Überforderung.

BERLIN - Unter den deutschen Versicherern gärt es. Die Stimmen, die Korrekturen an den geplanten Solvency-II-Regeln fordern, werden immer lauter. Selbst Protagonisten wie Rolf-Peter Hoenen, Präsident des Gesamtverbandes der deutschen Versicherungswirtschaft (GDV), warnen inzwischen vor übertriebener Regulierung. "Solvency II ist zu komplex und zu kompliziert geworden", warnte Hoenen auf der GDV-Jahrestagung Ende vergangener Woche.

Zwei Punkte bereiten der Versicherungsbranche nach seinen Worten besondere Bauchschmerzen. Zum einen werden kleine und mittlere Versicherer von den Vorgaben durch Solvency II überfordert. "Wir sehen immer noch nicht, wie das in der Richtlinie verankerte Proportionalitätsprinzip in der Praxis aussehen soll", gab Hoenen zu bedenken. Diese Warnung zielt vor allem auf die Standardformel, mit der Versicherer künftig ihren Kapitalbedarf ermitteln müssen. Während große Marktteilnehmer eigene Modelle entwickeln, die besser zu ihren individuellen Verhältnissen passen, müssen kleinere Marktteilnehmer die pauschale und umfangreiche Standardformel anwenden, weil sie nicht über die Kapazitäten für eigene Risikobewertungskonzepte verfügen.

Wegen der anhaltenden Kritik scheint die EU-Kommission nun allmählich etwas einzulenken und stellt eine Vereinfachung der Standardformel in Aussicht. Man müsse zurückgehen zum ursprünglichen Entwurf, erklärte Karel van Hulle, Leiter des Referats Versicherungen, in der vergangenen Woche auf einer Konferenz der europäischen Versicherungsaufseher Ceiops in Frankfurt. Das Standardmodell ist im Laufe der Zeit immer komplexer geworden.

Auch die umfangreichen und häufigen Berichte, die von den Versicherern abverlangt werden, stoßen auf ernsthafte Kritik. Das bindet vor allem bei den kleinen Unternehmen Ressourcen, die dann für andere Aufgaben ausfallen. "Wenn jetzt die europäische Aufsichtsbehörde auch noch parallel Berichte anfordern kann und wenn auch noch jedes Quartal berichtet werden muss, dann ist es wirklich an der Zeit, ein Stoppschild zu setzen. Sonst wird Solvency II keine Akzeptanz erlangen", sagte Hoenen.

Der zweite neuralgische Punkt ist die Formel für die langfristigen Zinsannahmen und damit die Bewertung von Garantien, die deutsche Lebensversicherer ihren Kunden aussprechen. "Was sich wie ein technisches Detail anhört, ist von großer Tragweite für die Praxis. Aktuell drohen die Annahmen so umgesetzt zu werden, dass Lebensversicherer für Garantieprodukte deutlich mehr Eigenmittel vorhalten müssten als dies aus unserer Sicht angemessen ist. Mit der Konsequenz, dass zukünftig langfristige Zinsgarantien erheblich teurer oder nicht mehr angeboten werden würden", sagte der GDV-Präsident.

Am Rande der GDV-Jahrestagung drohte wegen Solvency II sogar ein Eklat. Nach den Beobachtungen der Financial Times Deutschland stellten drei Gesellschaften auf der gleichzeitigen Versammlung der Versicherungsvereine auf Gegenseitigkeit eine Resolution gegen die neuen EU-Eigenkapitalregeln zur Abstimmung. Die Versammlungsleitung verhinderte jedoch eine Abstimmung darüber. Offenkundig will die Branche keine zugespitzte offene Auseinandersetzung zu Solvency II, weil damit die Chancen zumindest auf eine Entschärfung der vorliegenden Regeln schwinden könnten. Das Thema soll nun auf einer Sondersitzung im Januar behandelt werden.

portfolio institutionell newsflash 24.11.2010/kmo/jan

 
Klaus Morgenstern
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