Stiftungen
17.07.2017

Illiquidität und Impact im Stiftungsvermögen

(Foto: tba)

Alles, was eine Stiftung tut, steht in einem Zusammenhang. Das gilt auch für das Vermögen und den Stiftungszweck. In Zeiten niedrigster Zinsen hat die Frage, wie Stiftungen zweckorientiert investieren, an Bedeutung gewonnen.

Auf dem diesjährigen Stiftungstag nahm die Thematik „Kapital & Wirkung“ deshalb großen Raum ein. Daneben prägten Immobilien­ und andere­ illiquide Asset-Klassen die ­dreitägige Veranstaltung in Osnabrück. Verschiedene Stiftungen gaben einen Einblick in ihre Strategie.

„Ohne Stiftungen ist keine freie, pluralistische und demokratische Gesellschaft möglich.“ Mit diesen Worten eröffnete Professor Dr. Michael­ Göring, Vorstandsvorsitzender des Bundesverbandes ­Deutscher Stiftungen (BDS), den Deutschen Stiftungstag 2017 in ­Osnabrück. Über drei Tage hinweg diskutierten gut 1.600 Teilnehmer in über 100 Einzelveranstaltungen über das Kongressthema „Bildung“ und über die aktuellen Herausforderungen niedriger Erträge in der Kapital­anlage. Insbesondere beim zweiten Punkt besteht Wissensdurst in der Stiftungsszene.

Denn wie eine kürzlich vorgestellte ­Untersuchung des Bundesverbandes zeigt, erwarten nur noch zwei Drittel der Stiftungen – und nur gut die Hälfte der kleineren Stiftungen mit weniger als einer Million Euro – Renditen über der Jahres­inflationsrate. „Aber das bedeutet nicht, dass Stiftungen weniger für die Gesellschaft tun können. Im Gegenteil: Sie können zusätzlich über ihr Vermögen selbst noch viel mehr Wirkung entfalten“, sagte Felix Oldenburg, Generalsekretär des Bundesverbandes, auf dem diesjährigen Stiftungstag.­
 
Wie Stiftungen aus ihrem Vermögen heraus Wirkung erzielen, wurde in diversen Veranstaltungen auf dem Stiftungstag thematisiert. So lud unter anderem das Center for Social and Sustainable Products (CSSP) zu einer Podiumsdiskussion ein. In seinem einleitenden Vortrag machte Oliver Oehri, Gründungspartner von CSSP, deutlich, wie wichtig es ist, dass eine Stiftung, die eine Wirkung erzielen will, dies als Einheit sieht und sich bewusst macht, dass auch aus dem Vermögen Wirkung erzielt wird. „Man kann die Verantwortung nicht ­weg­delegieren“, so Oehri. Nur zu vermuten, dass mit dem Vermögen keine­ negative Wirkung erzielt wird, reiche nicht aus. Es müsse ­Wider­spruchsfreiheit herrschen.

Manchmal wissen Stiftungen nicht, egal welchen Zweck sie haben, ob sie mit ihrem Vermögen auch wirklich keine negative Wirkung erzielen, erläuterte der CSSP-Nachhaltigkeitsexperte. Dies sei wie Fahren auf der Autobahn, aber blind. Er ­plädierte in seinem Vortrag dafür, sich Klarheit zu verschaffen: „Das heißt nicht, dass man anders investieren muss, aber man muss genau hinschauen.“ Wer nicht nur keine negative Wirkung mit seinem Vermögen erzielen will, sondern eine positive Wirkung, müsse zunächst eine Selbstanalyse­ durchlaufen. Erst dann könne man über Neues nachdenken. Zugleich wies Oehri darauf hin: „Wirkung zu erzeugen, erfordert erheblich mehr Mut als klassische Vermögensanlage.“
 
Impact Investing bei der BMW-Stiftung


Diesen Mut bringt die BMW Foundation Herbert Quandt, unter deren Dach die beiden früheren BMW-Unternehmensstiftungen BMW Stiftung Herbert Quandt und Eberhard-von-Kuenheim-Stiftung seit März 2016 zusammengeführt sind, bereits seit längerem auf. Ziel dieses Zusammenschlusses war es, die Stärken und Ressourcen zu bündeln, auch im Feld des sogenannten Impact Investing. „Wir haben einen spannenden Umstrukturierungsprozess hinter uns. In beiden Stiftungen war Impact Investing ein wichtiges Thema – und das ist auch in der neuen Stiftung noch immer so“, erläuterte Mareike van ­Oosting, Projektmanagerin bei der BMW Foundation, während der Podiumsdiskussion von CSSP. Sie bezeichnete ihre Stiftung als Wirkungs­einheit.

Mit beiden Seiten – der Fördereinheit und dem ­Kapital – soll eine ­maximale Wirkung erzielt werden. In einer Pilotphase wurde auf der Vermögensseite ein kleines Impact-Investing-Portfolio aufgebaut. „Wir sind ganz pragmatisch in kleinen Schritten vorgegangen. Wir ­haben inhouse Kompetenzen aufgebaut, mit externen Beratern ­zusammengearbeitet und über unser Netzwerk nach Organisationen gesucht, die wir schon länger begleiten und vielleicht auf der Förderseite schon unterstützt haben und bei denen wir ab einem gewissen Zeitpunkt entschieden haben, dass es eine Möglichkeit gibt, dort mit Investmentkapital in die Skalierungsphase hineinzugeben“, ­berichtete van Oosting. Dies sei ein spannender Prozess mit vielen „Learnings“ gewesen.

In der nächsten Phase will die BMW Foundation­ Herbert Quandt ihr Impact Investing stärker professionalisieren und internationalisieren. Momentan sei man in der Neuausrichtung und auf der Suche nach Partnern, die das Impact Investing von der kleinen Pilotphase in die Größe tragen. Mittelfristig sollen bis zu zehn Millionen Euro investiert werden. „Das ist der nächste große Schritt auf der Vermögensseite“, so van Oosting.

 
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