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23.11.2010

INTERVIEW: Daniel Just, Bayerische Versorgungskammer

Kein Betriebsausflug, sondern Revisionsprüfungscharakter: Der Vor-Ort-Besuch hilft, hinter Performance-Zahlen und Präsentationen zu blicken, und bringt damit für die Due Diligence der Managerselektion entscheidende Aufschlüsse.

Kein Betriebsausflug, sondern Revisionsprüfungscharakter: Der Vor-Ort-Besuch hilft, hinter Performance-Zahlen und Präsentationen zu blicken, und bringt damit für die Due Diligence der Managerselektion entscheidende Aufschlüsse. Darüber sprach portfolio institutionell mit Daniel Just von der Bayerischen Versorgungskammer (BVK).

_Herr Just, was bringt es, die Büros einer ­Asset-Management-Gesellschaft aufzusuchen? Die Selektion von ­Asset Managern entscheidet sich doch über quantitative Auswertungen und Präsentationen.
Bei uns nicht. Wir beginnen mit einem kurz gehaltenen Fragebogen, um eine Long-list zusammenzustellen. Dann folgen ein ausführlicherer Fragebogen und Präsentationen bei der BVK. Die Manager, die es auf die Shortlist geschafft haben, besuchen wir dann vor Ort. Meine Mitarbeiter und ich sind davon überzeugt, dass der Vor-Ort-Besuch der wichtigste Bestandteil der Manager-Due-Diligence ist. Dafür nehmen wir uns auch ­einen Tag Zeit.
Es kommt vor, dass es auf der Shortlist zu Favoritenstürzen kommt beziehungsweise dass ein Manager das Mandat erhält, dem wir intern nur Außenseiterchancen beigemessen haben. Manchmal erkennt man vor Ort auch den umgekehrten Fall: ein Asset Manager ist in der Kapitalanlage besser als im Marketing.

_Hat der Asset Manager am vereinbarten ­Termin denn nicht sowieso alles präpariert?
Am Besuchstag wollen wir keine Präsentationen mehr. Dies teilen wir dem Asset ­Manager im Vorfeld mit. Trotzdem wird dieser von unserer Vorgehensweise doch immer wieder überrascht.
Wir bilden zwei Gruppen. Eine prüft den Investmentprozess, die andere führt eine operationale Due Diligence durch. Wir lassen uns zum Beispiel zeigen, wo der Back-up-Server steht, wie Geldein- und Geldausgänge aufgesetzt oder Compliance-Richtlinien umgesetzt sind. Wir agieren eigentlich wie ein ­Revisionsprüfer. Uns geht es aber auch ­darum, die Stimmung auszuloten oder wie die einzelnen Abteilungen miteinander kommunizieren. Teilweise findet auch eine Legal Due Diligence statt. Eine Rechtsanwaltskanzlei unterstützt uns zum Beispiel derzeit bei der Auswahl einer Managed-Account-Plattform für unsere Hedgefonds.
Es stimmt nicht, dass vorab alles präpariert ist. Erlebt haben wir zum Beispiel diesen Sommer, dass ein Risikomanager 15 Minuten für die Suche nach einem Zugangspasswort für eine Plattform brauchte, die laut Präsentation eigentlich permanent genutzt wird. Vor Ort kann man auch schnell einen Eindruck gewinnen, wie hoch zum Beispiel die Wertigkeit des Backoffice angesiedelt ist. Oft ist ein unaufgeräumter Büroraum negativ mit Qualität korreliert. Einmal wurde uns auch aus Compliance-Gründen der Zugang zum Handelsraum versagt. Bei einer Boutique stand der Back-up-Server direkt neben dem Hauptserver. Brandschutz stelle ich mir anders vor.

_Mit wem spricht man?
Wir wollen die einzelnen Mitarbeiter treffen. Den Geschäftsführer kennen wir ja ­bereits. Dieses Kennenlernen erleichtert nach der Mandatserteilung die Zusammenarbeit.

_Den Menschen lernt man doch am besten beim inoffiziellen Abendprogramm kennen.
Wir nehmen im Beauty-Contest keine Einladungen an. Wir wollen Objektivität und Chancengleichheit. Entscheidend muss die fachliche Ebene sein und nicht Sympathie oder Antipathie. Zur Objektivität trägt auch bei, dass die Besuche bei den auf der Shortlist stehenden Managern möglichst eng aufeinanderfolgend durchgeführt werden.

_Wie hoch ist die Fluktuation bei den Managern der BVK?
Wir haben über 70 Asset Manager mandatiert. Im Jahr werden ein bis zwei Asset ­Manager aus Performance-Gründen ausgetauscht. Ein Austausch ist sehr aufwendig. Darum lohnt es sich, eine intensive Due Diligence zu machen. Wir verabreden dort auch erneut einen Termin, wenn es zu wichtigen Veränderungen in dessen Team kam.

_Ist die Asset-Manager-Selektion nicht eigentlich Aufgabe eines Consultants?
Den Mehrwert eines Consultants sehen wir vor allem bei der Erstellung einer Longlist. Schließlich wollen wir keinen Anbieter übersehen. Ein Consultant ist auch hilfreich bei der Aufarbeitung der Daten. Mittlerweile machen wir aber Beauty-Contests oft selber. Unsere Fragebögen sind authentischer.
Was wir aber immer allein machen, ist der Vor-Ort-Besuch. Später müssen wir das Mandat ja auch selbst betreuen. Für die Dokumentation des Besuchs ist ein Consultant zudem zu teuer. Den Vor-Ort-Besuch auszulagern, ist deshalb eher ineffizient.

_Reisen bildet. Zur vollständigen Erkenntnis verhilft aber auch der Vor-Ort-Besuch nicht.
Uns ist bewusst, dass wir nur eine Stichprobenprüfung machen. Aber auch eine Revision hat keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Und auch für einen Lehrer wäre der Aufwand zu groß, jedes Mal alle Hausaufgaben einzusammeln und zu kontrollieren. Ein erfahrener Lehrer kennt aber seine Pappenheimer und weiß, wo er hinschauen muss - so ist es bei uns auch.

 
Patrick Eisele
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