Die Fondsbranche sieht sich zwei Jahre nach der Lehman-Pleite wieder auf Wachstumskurs. Das sehen Experten kritischer. Vergangene Woche veröffentliche Fitch Ratings eine Studie, die keine rosige Zukunft versprach (siehe Meldung). newsflash hakte bei Roger Schneider, einem der Autoren, nach.
Die europäische Fondsindustrie hat im Juli wieder gut 14 Milliarden Euro an Zuflüssen verbucht. Fitch ist aber skeptisch mit Blick auf die Aussichten für die Branche. Warum?
Roger Schneider: Man muss genau hinsehen, warum Investoren das kaufen, was sie gerade kaufen. Die Mittelzuflüsse konzentrieren sich im Wesentlichen auf Asset-Klassen, die gut gelaufen sind und von denen Investoren auch weiter eine gute Performance erwarten. Das sind sehr spezielle Asset-Klassen, vor allem Emerging Markets Bonds und Hochzinsanleihen. Viel Geld ist dabei allerdings in Exchange Traded Funds geflossen, insofern liegt der Schluss nahe, dass viele Investoren einfach nur den Beta-Faktor spielen wollen. Sollte die Performance in dieser Asset-Klasse nachlassen oder der Anleger ein Ende der Kursphantasie sehen, wird er sich aus dieser opportunistischen Allokation schnell wieder verabschieden.
Keine Wachstumsperspektiven für eine Branche, die seit Menschengedenken immer gute Wachstumsraten hingelegt hat?
Es fehlt mir einfach die Phantasie, wie es zu einer starken Belebung kommen soll. Das schließt natürlich nicht einzelne Erfolgsgeschichten aus, etwa die Renaissance der traditionellen Mischfonds. Das ist sicher positiv zu beurteilen, auch vor dem Hintergrund, dass diese Fonds die Möglichkeit haben, in spezialisierte Asset-Klassen anzulegen, so dass dem Anleger ein breit diversifiziertes Portfolio angeboten werden kann. Hier hat die Retail-Industrie die Möglichkeit, das Exposure in spezialisierten Anlagefeldern aufzubauen, ohne dass das Risiko auf Gesamtfondsebene so hoch wäre, dass das Portfolio in Volatilen Märkten komplett nach unten gezogen wird. Wenn ich eine Wachstumsquelle zu definieren hätte, dann wäre es die Nachfrage nach dynamischer Asset Allocation und damit nach gemischten Fonds.
Warum gehen Anleger über ETF in ein Segment, in dem sich aktives Management angeblich lohnt?
Oft dürfte für sie dahinter der Vorteil stehen, dass bei einem Indexfonds keine aufwändige Due Diligence nötig ist. Statt einer langwierigen Analyse der Prozesse und des Personals bei einem aktiven Manager müssen Sie sich bei einem ETF im Wesentlichen nur darum kümmern, was im Index steckt und wie die Replikationsstrategie aussieht. Bei Swap-basierten ETF kommt allerdings noch die Frage ins Spiel, wie das Kontrahentenrisiko gehandhabt wird.
Investoren schauen derzeit also lieber auf die Risikoprämien einer Asset-Klasse und achten weniger auf die Frage, wo die größten Alpha-Skills beim Fondsmanager vorhanden sind?
Genau. In der Praxis kann es sich so verhalten, dass ein Investor unter Druck handeln muss und kurzfristig Exposure zu einer Asset-Klasse aufbauen will. Dann führt ihn der ETF am schnellsten dorthin. Die Frage, die sich dann stellt, ist die: Wird dieser Investor vom reinen Beta hin zu einem aktiven Manager in der Hoffnung auf Alpha allokieren? Das ist alles andere als sicher. Es kann nämlich durchaus sein, dass der Anleger Gewinne mitnimmt, weil er das Performance-Potenzial für ausgeschöpft hält. Dann war der ETF Anfangs- und Endpunkt für den Investor, und der aktive Manager geht leer aus.
Aktives Asset Management ist also ein Auslaufmodell?
Nein, das natürlich nicht. Es ist allerdings so, dass nur wenige aktive Manager von den Zuflüssen in diesem Jahr profitieren. Bei Emerging-Markets-Anleihen sind es nur wenige Namen: Pictet, Schroders und Franklin Templeton stehen bei den Zuflüssen hier ganz oben.
Was sind ihre Erfolgsrezepte?
Das Anlegergeld wird heute angezogen von den großen Managern mit etablierten Track Rekords, stabilen Prozessen und einem guten Risikomanagement. Das geht auf Kosten von kleinen, spezialisierten Asset Managern. Die mögen zwar über ein gleichwertiges oder sogar über ein höheres Outperformance-Potenzial verfügen, sind aber nicht so bekannt und nicht so etabliert.
Jenseits von den hohen Zuflüssen in Schwellenländeranleihen sind in Europa in diesem Jahr auch US-Dollar-Anleihen gefragt. Das ist angesichts des Zinsumfelds in den USA doch bemerkenswert.
Vordergründig schon, aber es sind eben nicht nur Schwellenländer-Anleihen, die hohe Kursgewinne und hohe Kupons versprechen. Auch andere High-Yield-Renten haben 2009 wegen der sinkenden Risikoprämien eine sehr gute Performance gezeigt. Diese notieren überwiegend in US-Dollar. Institutionelle Investoren sind bond-lastig, und das werden sie auch in Zukunft auch bleiben. Mit Hochzinsanleihen der unterschiedlichsten Ausprägung haben sie die Möglichkeit, innerhalb der Asset-Klasse Bonds mehr Risiko zu fahren...
High Yields sind also ein Substitut für Aktien?
Ja, vom Rendite-Risiko-Profil kommen sie Aktien recht nah. Außerdem ist über die Kupons die laufende Verzinsung attraktiv. Schließlich müssen viele institutionelle Anleger ein Minimum an Einkommen, also eine laufende Verzinsung, auf das Portfolio generieren. Aber neben den Performance-Zielen hat das verstärkte Bond-Engagement bei Euro-Anlegern auch eine Diversifikationskomponente. Viele erachten den Euro inzwischen als fundamental nicht mehr stabil und wollen sich auf der Währungsseite breiter aufstellen. Das ist ein weiterer Grund für die relativ starken Zuflüsse in Dollar-Rentenfonds in diesem Jahr. Bei solchen Bewegungen stehen ganz sicher nicht die Konditionen am US-Anleihemarkt für Investoren im Mittelpunkt!
portfolio institutionell newsflash 29.09.2010/maa/jan





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