FRANKFURT - Nach der Finanzmarktkrise waren die Risikobudgets vieler Garantiefonds aufgebraucht. Es drohte ein sogenannter "Cash-Lock". Ein Cash-Lock entsteht, wenn der Anleger auf einem hohen Garantieniveau einsteigt und die Kurse anschließend fallen.
Der Fonds muss dann auf Kosten der Performance in risikolosen Anlagen investiert bleiben, um das Garantieniveau auch weiterhin halten zu können. Weil die Kosten für diese Art der Garantie relativ hoch sind, reduziert sich die erwartete Performance des Garantiefonds zusätzlich. portfolio institutionell sprach mit Ferdinand Haas, Head of Product Solutions DWS Investments, wie die Investmentgesellschaft mit diesem Problem umgeht.
Sind sie noch vom Cash-Lock betroffen?
Ferdinand Haas: Auch unsere alten Fonds sind aus dem Cash-Lock heraus! Der am längsten laufende Fonds hat zum Beispiel wieder eine Aktienquote von 40 Prozent.
Wie haben Sie das erreicht?
Auf die "harte Tour". Bei den bestehenden Flex Pension Fonds wurden die Gebühren massiv gesenkt. So bekamen die Portfolios wieder frisches Risikobudget. Es gibt nun einmal keine Wunder oder Geheimnisse, mit denen man das Risikobudget wieder herstellen kann. De facto besteht nur ein einziger sauberer Weg: Man nimmt weniger Geld durch Gebühren heraus. Das war unsererseits ein klares Bekenntnis zu diesen Garantieprodukten, immerhin verwalten wir derzeit ein Volumen von knapp vier Milliarden Euro darin. Inzwischen sind wir mit unseren alten Fonds wieder auf dem gleichen Niveau wie die Fonds einiger Mitbewerber, die vollmundig Veränderungen am CPPI-Konzept als Ausweg aus dem Cash-Lock anführen. Aber wenn das Risikobudget erst einmal verloren ist, hilft zum Beispiel auch die nachträgliche Installation des Volatilitätsfaktors nichts mehr. Es trägt nur dazu bei, das noch vorhandene Risikobudget besser zu konservieren. Der zweite Schritt, den wir unternommen haben, erfüllt offenkundig einige Mitwerber etwas mit Neid. Da wir über ausreichend Mittelzufluss verfügen, konnten wir eine komplett neue Serie von Flex Pension Fonds auflegen. Die neu anzulegenden Mittel unserer Anleger können auf diese Weise in Fonds mit frischem Risikobudget und einer Aktienquote von bis 100 Prozent investiert werden.
Lässt sich mit der Senkung von Gebühren tatsächlich in nennenswertem Umfang wieder Risikobudget generieren?
Bei längeren Laufzeiten durchaus. Wenn eine Gebührenabsenkung von beispielsweise einem halben Prozent erfolgt, dann bringt das bei einer Laufzeit von 15 Jahren rund 7,5 Prozent Risikobudget. Setzt man einem Multiplikator von vier an, ergibt sich eine Aktienquote von 30 Prozent.
Existiert außer der Gebührensenkung tatsächlich kein anderer Weg, um aus dem Cash-Lock herauszukommen?
Allenfalls ein ganz schmutziger. Wir haben von Angeboten gehört, die vorschlagen, Aktienfonds in das Portfolio aufzunehmen, damit optisch die Aktienquote steigt, gleichzeitig die Fonds per Forward aber wieder zu verkaufen. Das sich beide Positionen gegenseitig aufheben, hat der Fonds dann in Wirklichkeit gar kein Aktienexposure. Aus dieser Kombination fließt lediglich eine Geldmarktverzinsung.
Aber das ist doch Betrug am Kunden.
Genau, deshalb kommt eine solche Vorgehensweise für uns auch nicht in Frage.
Wie sind Ihre CPPI-Modelle auf künftige Marktschwankungen vorbereitet?
Zum 1. Juli dieses Jahres haben wir mit Flexible Portfolio Insurance (FPI) eine neue Methode des Garantiemanagements installiert. Bei FPI lösen wir uns komplett vom Konzept des konstanten Multiplikators, wie er für das herkömmliche CPPI charakteristisch ist. Zusätzlich zur Volatilität, die wir übrigens mittels unseres Tools DWS VolControl schon seit 2008 berücksichtigen, gibt es nun eine weitere Kontrollgröße. So untersuchen wir, ob der Markt gerade ein starkes Momentum besitzt. Bei einem starken Trends ändert sich dadurch die strategische Positionierung. In einem Bullenmarkt mit einem starken Aufwärtstrend wird die strategische Positionierung aktienlastiger. In einem Bärenmarkt hingegen wird der Anteil defensiver Rentenanlagen erhöht. Das führt zu einem besseren Erhalt der Risikobudgets in fallenden Märkten, so dass an einem darauf folgenden Aufschwung stärker partizipiert werden kann.
Mehr zum Thema Garantien in der Lebensversicherung erfahren Sie von Ferdinand Haas im Expertenseminar von portfolio institutionell am 21. September 2010:
www.portfolio-institutionell.de/veranstaltungen/seminare/depota5/
portfolio institutionell newsflash 25.08.2010/kmo/jan





Deutsche Bank / Realtime Indikation

