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23.06.2010

INTERVIEW: Janus will Assets in Europa bis 2015 verdoppeln

Richard Weil

Richard Weil

Ein Gespräch mit dem frischgebackenen Janus-CEO Richard Weil.

FRANKFURT - Ex-Pimco-Manager Richard Weil ist seit Februar 2010 Chef des US-Aktienspezialisten Janus. Davor arbeitete er 14 Jahre beim Bondmanager der Allianz Global Investors (AGI), zuletzt als Global Head of Pimco Advisory. Sein Arbeitssitz war in Laguna Beach, Kalifornien, wo er in seiner Freizeit gerne unter die Surfer ging.

Inzwischen hat Weil sein Surfboard gegen Skier getauscht, da sich der Sitz von Janus in Colorado, am Fuß der Rocky Mountains, befindet. Zu seinen Prioritäten im neuen Job gehört der Ausbau des Geschäfts von Janus in Deutschland. Der deutsche Fondsmarkt ist Weil nicht fremd, da er ein Jahr lang bei Pimco in München tätig war. Über das Deutschland-Geschäft von Janus sprach Weil mit portfolio institutionell.

Wie viel Geschäft macht Janus in Europa?

Richard Weil: Wir verwalteten per 31. März 2010 Vermögenswerte in Höhe von 165 Milliarden Dollar (133 Milliarden Euro). Acht Prozent davon, also 12,8 Milliarden Dollar, stammen von Kunden außerhalb der USA, darunter Europa. In den deutschsprachigen Ländern sind wir mit dem Management von circa einer Milliarde Dollar betraut. Bis 2015 wollen wir das verwaltete Vermögen in Europa mehr als verdoppeln.

Was haben Sie in Deutschland konkret vor? Haben Sie einen Nachfolger für Thomas Fleck, der Janus im März 2008 nach fast sechs Jahren verließ?

Für uns ist der deutschsprachige Raum einer der wichtigsten Wachstumsmärkte. Im vergangenen Jahr haben wir daher in München ein Büro eröffnet - in einer Zeit, in der andere internationale Asset Manager ihre operative Präsenz in Europa eher reduzierten. In Deutschland haben wir bereits gute Beziehungen zu den wichtigsten Banken, Versicherungsunternehmen und Dachfondsinvestoren. Diese wollen wir weiter ausbauen. Darüber hinaus wollen wir verstärkt auf institutionelle Investoren wie Pensionsfonds zugehen.

Wir werden daher in München einen Vertriebsmitarbeiter für den institutionellen Bereich einstellen. Dieser wird an den Leiter des institutionellen Vertriebs für Europa und den Nahen Osten, Henrik Rox Hansen, berichten, der den deutschsprachigen Raum bisher betreut. Dies ist Teil einer strategischen Initiative, die die Stärkung des Vertriebs in den verschiedenen Regionen vorsieht. Wir werden auch einen weiteren Mitarbeiter für den Bereich Financial Institutions im deutschsprachigen Raum einstellen. Zudem wollen wir einen Verantwortlichen für den gesamten europäischen Sub-Advisory-Markt rekrutieren.

Janus ist in Deutschland vor allem für den mathematischen Ansatz "Intech” bekannt. Wie ist es bisher gelaufen?

Da viele deutsche Investoren auf systematische Ansätze mit dem Schwerpunkt Risikomanagement setzen, erfreut sich auch Intech mit seinem mathematischen Ansatz zunehmender Beliebtheit. Dies haben wir übrigens auch in den Niederlanden und Skandinavien bei institutionellen Investoren gesehen. 2009 war wie für die meisten Asset Manager auch für Intech ein schweres Jahr. Bei Intechs Investmentansatz sind jedoch kurze Zeitabschnitte mit Underperformance nichts Ungewöhnliches, langfristig sind sie aber eher unwahrscheinlich.

Von unseren vierzehn Strategien haben elf ihre Benchmark seit Auflage übertroffen. Die beiden von unseren europäischen Investoren bevorzugten Strategien, Enhanced Plus und Global Core, haben den Index sogar über mehrere Perioden geschlagen.

Auf welche weiteren Kompetenzen würden Sie hinweisen?

Die Investoren kennen uns vor allem wegen unserer US-Equity-Kompetenz, die auf großes Interesse stößt. Die Europäer gehen davon aus, dass sich die US-Wirtschaft nachhaltig erholen wird und das Schlimmste in Amerika vorüber ist. Die Investoren lernen zunehmend auch Perkins, unseren US Value Manager, schätzen. Dieser verfolgt seit fast dreißig Jahren denselben Ansatz und erntet großen Beifall für seinen Bewertungsprozess, dessen zentraler Bestandteil die Bewertung des Downside Risk ist.

Teil unseres globalen Aktienangebots ist eine vor kurzem aufgelegte Europa-Research-Strategie, die wir auf der Grundlage der bestehenden, amerikanischen und globalen Research-Plattformen konzipiert haben. Derzeit erweitern wir unser globales Angebot, insbesondere in den Bereichen Asien- und Emerging-Markets-Aktien. Auch möchten wir unser US-Fixed-Income-Angebot durch globale Produkte erweitern.

Es ist uns neu, dass Anleihen zu Ihren Produkten gehören.

Fixed Income gehört seit über zwanzig Jahren zu unseren Produkten. Wir haben einen ganz anderen Ansatz als viele unserer Mitbewerber, und das sehe ich gerade, weil ich von Pimco komme. Wir verfolgen hier einen ähnlichen Ansatz wie auf der Equity-Seite, nämlich Bottom-Up. Unsere Aktien- und Fixed Income-Analysten arbeiten eng zusammen. Auch das ist nur bei sehr wenigen Investment Managern üblich.

Viele deutsche Institutionelle bleiben allerdings aktienavers und investieren dafür meistens in sichere Anleihen. Wie gehen Sie damit um?

Diese Tendenz besteht in der Tat. Dennoch ändert sich bei institutionellen Investoren die Einstellung zum Risiko. Denn die Pensionseinrichtungen werden langfristig mit Staatsanleihen nicht die Renditen erwirtschaften können, die sie brauchen, um ihre Verpflichtungen problemlos zu bedienen.

Auf der Financial-Institutions-Seite haben wir festgestellt, dass Dachfonds- und Multi-Manager ihre Positionen in Aktien erhöhen und anfangen, in Value-Aktien zu investieren (die meisten Dachfondsmanager sind immer noch untergewichtet in US-Aktien). Besonderes Interesse erhielt unser US Value Manager Perkins, der sich als guter Performer in allen Marktlagen erwiesen hat.

Wo managen Sie die Gelder der Investoren?

Unser Investment-Team sitzt in Denver, ein Teil des European-Research-Strategy-Teams arbeitet jedoch in London. In London haben wir circa 60 Mitarbeiter. Wir planen nicht, Gelder von Deutschland aus zu verwalten, überlegen jedoch, einige Mitarbeiter unseres Investment-Teams außerhalb der USA arbeiten zu lassen.

Einige Asset-Manager haben Indexfonds (ETF) in Deutschland eingeführt, weil sie in den vergangenen Jahren stark gewachsen sind. Erwägt Janus dies auch?

ETFs sind eine echte Herausforderungen für aktive Manager wie uns. Sie sind ein interessantes Instrument für Anleger, da sie einfach konstruiert und leicht handelbar sind. Wenn wir einen Fonds also als ETF managen wollten, müssten wir unsere Käufe und Verkäufe wohl jeden Tag offenlegen und uns vergewissern, dass wir damit nicht unsere Treuhänderpflicht gegenüber den Anteilseignern verletzen. Ich hoffe, dass sich das ETF-Geschäft noch strukturell wandelt, ehe sich dieses Instrument für echte aktive Strategien eignet.

portfolio institutionell newsflash 23.06.2010/jan/kbe

 
Jan F. Wagner
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