KÖLN - Während der Finanzkrise ist die traditionsreiche Privatbank Sal. Oppenheim fast vor die Wand gefahren. Nur durch die Rettung seitens der Deutschen Bank existiert sie noch, allerdings nur als Vermögensverwalter. Die Deutsche Bank steht nun vor der Übernahme der Privatbank, und der Markt will wissen: Was hat der Branchenprimus mit Sal. Oppenheim vor? portfolio institutionell fragte bei Wolfgang Leoni, Chief Investment Officer, nach.
Warum will die Deutsche Bank sie zunächst als separate Einheit führen? Sie bieten viele Assets, und man muss nicht den Namen "Sal. Oppenheim" behalten, wenn der Name "Deutsche Bank" genau so renommiert ist.
Wolfgang Leoni:Sal. Oppenheim (SOP) wird als eigene Bank mit den dafür notwendigen Funktionen, mit einer eigenen Identität und Wertewelt und mit einem eigenen Geschäftsmodell weitergeführt werden. Basis hierfür ist die integrierte Vermögensverwaltung für private Kunden und institutionelle Anleger. Das institutionelle Asset- beziehungsweise Portfoliomanagement ist ein zentraler Baustein der integrierten Vermögensverwaltung von SOP. Integrierte Vermögensverwaltung heißt für uns, dass sowohl Privatkunden als auch institutionelle Kunden von der gleichen Portfoliomanagement-Plattform bedient werden und somit für beide Kundengruppen grundsätzlich eine identische Anlagestrategie umgesetzt wird. Der Vorteil der integrierten Vermögensverwaltung für unsere anspruchsvolle Privatkundschaft, die im Übrigen häufig sehr ähnliche Anforderungen an einen Vermögensverwalter hat wie institutionelle Kunden, besteht im Wesentlichen darin, dass sie an dem professionellen Know-how unserer institutionellen Portfoliomanager partizipiert beziehungsweise davon profitiert.
Was kann Sal. Oppenheim, was DWS oder DB Advisors nicht kann? In welchen Asset-Klassen heben Sie sich von der Deutschen Bank ab?
SOP hat klare Kernkompetenzen in den Bereichen Global Tactical Asset Allocation, Wertsicherungs-, Wertsteigerungs- und Overlay-Strategien, quantitatives Aktienmanagement, Global Fixed Income und Fremdwährungs-Management. In allen Bereichen verfolgt SOP eine eigene Investmentphilosophie und einen eigenen Investmentansatz.
Seitdem bekannt ist, dass die Deutsche Bank Sal. Oppenheim retten musste beziehungsweise Eigentümer wird, haben Sie zwei wichtige Leute verloren, Christof Kessler und Dirk van den Berg. Erwarten Sie weitere derartige Abgänge oder stehen die wichtigsten Portfoliomanager und Vertriebsleute voll hinter der Übernahme?
Die Personalfluktuationen waren vor der Bekanntgabe der Übernahme durch die Deutsche Bank vergleichsweise gering und sind auch nach der Bekanntgabe nicht wesentlich angestiegen. Die Verbundenheit unserer Mitarbeiter mit unserem Haus ist weiterhin überdurchschnittlich hoch, und allein schon deshalb sind weitere Abgänge wichtiger Mitarbeiter in nennenswertem Umfang nicht zu erwarten. Nicht zuletzt durch Aussagen der Deutschen Bank ist klar: SOP wird als eigene Bank mit den dafür notwendigen Funktionen, mit einer eigenen Identität und Wertewelt und mit einem eigenen Geschäftsmodell weitergeführt werden. Das Kapitel einer langen Familientradition ist nun zu Ende gegangen, ein neues Kapitel einer eigenständigen Bank in einem starken Konzernverbund wurde aber aufgeschlagen. SOP wird auch zukünftig - sowohl im Vertrieb als auch im Portfoliomanagement - eigenständig handeln und somit auch im Wettbewerb zu unserer neuen Mutter, der Deutschen Bank, stehen. Der Weggang der genannten Personen hatte übrigens sehr individuelle Hintergründe und wurde teils auch schon deutlich vor der Bekanntgabe der Übernahme durch die Deutsche Bank entschieden.
Wie ist die künftige Strategie von Sal. Oppenheim Asset Management? Vor dem Zusammenbruch der Bank waren Sie dabei, ein europäisches Imperium aufzubauen. Wenn die Deutsche Bank nun das Sagen hat, wie ambitioniert können Sie sein?
Nein, im Asset Management waren wir sicherlich nie dabei "ein europäisches Imperium" aufzubauen. Einzelne Zukäufe dienten in erster Linie einer Abrundung unseres Produktangebots und dem Zugang zu neuen Märkten. Unsere Strategie im institutionellen Geschäft ist, uns auf unsere Kernkompetenzen zu konzentrieren und unsere Produkte innerhalb dieser Kernkompetenzen zukünftig nicht nur benchmarkorientiert anzubieten, sondern auch stärker benchmarkfrei, das heißt als Absolute-Return- beziehungsweise Portable-Alpha-Produkte an den Markt zu bringen. Im Vertrieb stehen dabei - wie in der Vergangenheit auch - vor allem Kunden aus Deutschland im Fokus. Selektiv sind wir dabei, unser Akquisitionsgebiet in Europa zu erweitern. Im Private Banking werden wir uns weiterhin auf Vermögensberatungs- und Vermögensverwaltungsaktivitäten konzentrieren. Dabei liegt unsere Zielkundengruppe weiterhin bei sehr vermögenden Kunden und Familienverbänden.
portfolio institutionell newsflash 03.03.2010/jan/kbe
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