Strategien
8. Juni 2015

Irdische Probleme beim Heiligen Stuhl

Papst Franziskus öffnet den Pensionsfonds des Vatikans für externe Anlageprofis. Das ist gut für die Corporate Governance und eröffnet in vielerlei Hinsicht neuen Spielraum.

Seit dem Abgang von Benedikt XVI. vor zwei Jahren hat der Vatikan deutlich an Transparenz gewonnen. Zumal sich der amtierende Papst Franziskus auf die Fahne geschrieben hat, die verkrusteten Strukturen neu zu ordnen. Der Erneuerungsprozess betrifft unter anderem den Pensionsfonds des Vatikans, der zum Stichtag 31. Dezember 2014 ein Anlagevolumen von rund 504 Millionen Euro umfasste. Derlei Einblicke in die Schatulle waren bis 2014 undenkbar. Passend zum Erneuerungsprozess und zum Streben nach Vertrauen hat der Pensionsfonds im Februar erstmals in seiner Geschichte Angaben zum Kapitalanlagevolumen gemacht. Gestartet war der Pensionsfonds übrigens 1993 – mit umgerechnet fünf Millionen Euro.
95 Prozent der Verpflichtungen seien heute durch Kapitalanlagen gedeckt, beteuert der Pensionsfonds. Das klingt zwar recht gesund. Doch Experten sehen dessen langfristige Stabilität eher kritisch. Kardinal George Pell, der als Zentralgestirn des Vatikans eingestuft werden kann, wenn es um die Finanzen geht, hatte zu Beginn dieses Jahres in Interviews die langfristige Stabilität des Pensionsfonds in Frage gestellt. Seiner Einschätzung nach sei der Fonds nur noch für die nächsten zehn bis 15 Jahre ausreichend finanziert und müsse mit Blick auf künftige Generationen gestärkt werden.
Personal von außen
Laut einem Bericht des Fachmagazins IPE hat das Oberhaupt der Katholischen Kirche erst kürzlich neue Bestimmungen erlassen, die mit personellen Veränderungen beim Pensionsfonds des Vatikans einhergehen. Dem Bericht zufolge entscheidet nun der Papst höchstpersönlich darüber, wer die Pensionseinrichtung künftig leitet. Wie dem IPE-Bericht zu entnehmen ist, werden vorab drei Kandidaten durch den vatikaneigenen Wirtschaftsrats nominiert, wobei der Papst den Präsidenten des Pensionsfonds auswählt. Der Wirtschaftsrat ist grundsätzlich für die Ausarbeitung der politischen Leitlinien für die wirtschaftlichen Aktivitäten des Vatikans zuständig. Neu ist auch, dass nun Vertreter der sogenannten Laienstände als Kandidaten für das Amt des Pensionsfondspräsidenten nominiert werden dürfen. Das betrifft Personen, die nicht Priester sind. Bislang war der Chef des Schatzamts im Vatikan für die Ernennung des Kapitalanlagechefs zuständig. Nach Angaben von Radio Vatikan war es gewissermaßen so, dass eben jener auch den Chefposten im Pensionsfonds übernahm. So ändern sich die Zeiten.
Darüber hinaus hat Franziskus dafür gesorgt, dass der Führungsriege des Pensionsfonds künftig auch vier externe Fachleute angehören. Dahinter verbirgt sich das Ziel, Spezialisten mit Erfahrungen im Versicherungsbereich und dem Pension Management an Bord zu haben. Erst kürzlich wurden zahlreiche Finanzfachleute in den Vatikan geholt, darunter Jean-Baptiste de Franssu. Er hatte früher leitende Funktionen bei Invesco inne. Heute steht er an der Spitze der Vatikan-Bank. Gleichzeitig hat der Wirtschaftsrat ein Beratungsgremium ins Leben gerufen, um die Nachhaltigkeit des Pensionsfonds zu stärken – Beobachter hatten an dieser Stelle immer wieder Kritik geübt. 
Im Hinblick auf die Kapitalanlagerichtlinien sind dem Bericht zufolge zumindest in der näheren Zukunft keine Veränderungen geplant. Allerdings ist der Pensionsfonds des Heiligen Stuhls offenbar mit ganz irdischen Problemen konfrontiert. Wie sonst lässt es sich erklären, dass nicht nur die Rentenbeiträge, sondern auch das Renteneintrittsalter zuletzt erhöht wurde? Mitarbeiter dürfen den Pensionsfonds demnach erst mit 67 Jahren in Anspruch nehmen, die Geistlichen wiederum kommen erst mit 72 Jahren in den Genuss von Rentenzahlungen. 
portfolio institutionell newsflash 08.06.2015/Tobias Bürger 
Autoren:

In Verbindung stehende Artikel:

Schreiben Sie einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert