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Schwarzer Schwan der Woche
17.02.2017

Leak, Baby, leak

Disruptive Technologien verändern die Finanzbranche. George Soros kann ein Lied davon singen.

Die Finanzbranche schafft vielleicht nicht immer einen volkswirtschaftlichen Nutzen, ist dafür aber oft tolles Entertainment und großes Kino. Hierfür gilt unser Dank aber nicht nur „Unseren Besten“, also Finanzgrößen wie Carsten Maschmeyer, Uli Hoeneß und Florian Homm. Für Spannung, Spiel und Spaß sorgen immer auch Global Player wie die Deutsche Bank und George Soros. Aber der Reihe nach. 

Die Geschichte beginnt mit George Soros. Jenem George Soros, der es mit unkonventionellen Währungswetten und einem unverstellten Sinn fürs Geldverdienen zum Milliardär geschafft hat. Bloomberg schätzt sein Privatvermögen auf gut 25 Milliarden US-Dollar. Dummerweise wurden im Januar dieses Jahres Daten publik, die eigentlich nur für die Finanzaufsicht gedacht waren und die der inzwischen 86-Jährige wohl lieber für sich behalten hätte: Der niederländische Finanzmarktregulierer AFM veröffentlichte aus Versehen Eckdaten über Leerverkäufe, die Soros und andere Akteure 2012 am Laufen hatten.

Zwar ist es nicht ungewöhnlich, dass AFM die Namen jener Unternehmen veröffentlicht, auf die Short-Positionen laufen, doch das tut sie erst, wenn mehr als 0,5 Prozent der Aktien betroffen sind. Im Soros-Fall wurden versehentlich Leerverkaufspositionen unter dieser Schwelle publik. „Menschliche Fehler“ waren laut Bloomberg dafür verantwortlich, das ist aber eher nebensächlich. 

Viel wichtiger: Laut „Financial Times“ wettete Soros unter anderem auf den Kursverfall niederländischer Banken, etwa der ING Groep. Pikant: Da bei einem George Soros selbst winzige Short-Positionen an den Märkten auf Interesse stoßen, finden sich schnell Nachahmer oder Akteure, die strategische Gegenpositionen einnehmen. Laut Bloomberg sprang beispielsweise das Volumen offener Short-Positionen bei Deutsche-Bank-Aktien kräftig nach oben, nachdem im Juni 2016 bekannt wurde, dass George Soros auf den Verfall der Aktien nach dem Brexit gesetzt hatte. 

Bei der Deutschen Bank wiederum sieht man die Sache mit den geleakten Short-Positionen aus dem Jahr 2012 pragmatisch. Das Finanzportal Coindesk zitiert einen Bank-Analysten mit der Aussage, dass die versehentliche Veröffentlichung der Daten durch die Blockchain-Technologie von vornherein hätte verhindert werden können. Der Grund: Wenn heikle Informationen in einer Blockchain an die dem Netz angeschlossenen Akteure übermittelt werden, geht die Gefahr gegen null, dass sie versehentlich nach außen dringen. Was will man uns damit sagen? Dass man hinterher einfach immer schlauer ist? Oder aber: Das es um die Sicherheitsarchitektur der bestehenden IT-Systemen der Finanzwirtschaft nicht besonders gut bestellt ist! Das lässt hoffen: Der nächste Schwarze Schwan kommt bestimmt. 

In diesem Sinne wünscht Ihnen die Redaktion von portfolio ein schönes Wochenende. 

 
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