Strategien

10.09.2015

Mission possible

Gerhard Bissinger
Impact Investments gehen weit über das hinaus, was Investoren mit anderen Nachhaltigkeitsansätzen­ erreichen können. Impact Investing verspricht eine doppelte Rendite.­ Noch steckt der Markt der wirkungsorientierten Investments aber in seinen Kinder­schuhen.
Edda Schröder
Thomas Goldfuß
Grafik

Tue Gutes und rede darüber – ein einfacher und einleuchtender Satz, der in der Finanzbranche jedoch nur selten zur Entfaltung kommt. In den Medien findet sich die Branche vor allem mit Berichten­ über Skandale, wie die Libormanipulation, oder überzogene Bonus­zahlungen wieder. Dabei gibt es durchaus Gutes zu berichten. Wenn große institutionelle Investoren weltweit klimaschädlichen Investments entsagen – Stichwort: Dekarbonisierung der Portfolios –, ist das der Rede wert. Namhafte Investoren, wie Calpers, der französische­ Pensionsfonds für den öffentlichen Sektor (ERAFP) sowie die schwedischen Pensionsfonds AP1, AP 3 und AP 4 haben die Initiative „Montreal­ Carbon Pledge“ unterschrieben und verpflichten sich damit,­ den CO2-Verbrauch ihrer Portfoliounternehmen anzugeben und sukzessive nach unten zu fahren. Ein deutscher Großanleger findet sich derzeit noch nicht unter den Signatoren der 2014 ins Leben gerufenen Initiative. Es dürfte aber nur eine Frage der Zeit sein, bis die Deutschen folgen. Denn Nachhaltigkeit gewinnt hierzulande in der Investorengemeinde eine immer stärkere Bedeutung, wie die Nachhaltigkeitsstudie von Union Investment zeigt, für die von Februar­ bis April dieses Jahres insgesamt­ 200 institutionelle deutsche Investoren befragt wurden. Laut dieser Studie berücksichtigen bereits 58 Prozent der Befragten bei ihrer Kapital­anlage Nachhaltigkeitskriterien.­ Im vergangenen Jahr lag der entsprechende Anteil bei 56 Prozent, 2013 waren es 48 Prozent.­ „Die feste und dauer­hafte Verankerung nachhaltiger Investmentstrategien in den Portfolios­ der Großanleger kommt auch darin zum Ausdruck, dass sich die überwiegende Mehrheit der Anwender eine Abkehr­ von entsprechenden Ansätzen nicht vorstellen mag“, heißt es in der Studie. Für 80 Prozent sei ein Ausstieg aus der Nachhaltigkeit „gegenwärtig nicht denkbar“. Nachhaltig agierende Investoren seien offenbar „Überzeugungstäter“.

Dass nachhaltige Investments auf dem Vormarsch sind, hat auch das Forum Nachhaltige Geldanlagen (FNG) in seinem jüngsten Marktbericht konstatiert. Laut diesem war 2014 für nachhaltige Geldanlagen im deutschsprachigen Raum ein besonders erfolgreiches Jahr. Das Volumen stieg gegenüber dem Vorjahr um 47 Prozent auf insgesamt 197,5 Milliarden Euro. Doch nicht nur kurzfristig befindet sich der Markt für nachhaltige Geldanlagen im Aufwind. Anhand des mittlerweile zehnten FNG-Marktberichts lässt sich eine eindrucksvolle­ Entwicklung nachvollziehen. Das Volumen ist binnen eines Jahrzehnts auf mehr als das 15-Fache angewachsen. Aus dem einstigen Nischen­segment hat sich ein breiter Markt entwickelt, konstatiert das FNG mit Blick auf den Vergleich der Marktdaten von 2005 und 2014: In Deutschland wuchs das Volumen der als nachhaltig eingestuften Anlagen in diesem Zeitraum von fünf auf 127,3 Milliarden Euro.

Mit dem Wachstum des nachhaltigen Anlagemarkts ist auch eine weitere Differenzierung der Produkte und Nachhaltigkeitsansätze einhergegangen. Während das FNG 2005 nur vier nachhaltige Anlage­strategien – aktives Aktionärswesen, Ausschlusskriterien, Best-in-Class und „Pioniere“ – erfasste, sind es inzwischen acht Strategien: Ausschlusskriterien, Best-in-Class, Engagement, Impact Investing, Integration, nachhaltige Themenfonds, normbasiertes Screening und Stimmrechtsausübung. Mit einem Volumen von rund 32 Milliarden Euro sind Ausschlüsse die in Deutschland verbreitetste Nachhaltigkeitsstrategie. Am anderen Ende des Spektrums stehen Impact Investments,­ die laut dem aktuellen FNG-Bericht ihr Volumen gegenüber dem Vorjahr zwar fast verdoppeln konnten, mit rund 2,5 Milliarden­ Euro jedoch nach wie vor eine äußerst untergeordnete Rolle­ in der deutschen Kapitalanlage spielen. Um dies zumindest im Stiftungssektor zu ändern, hat der Bundesverband Deutscher Stiftungen (BVDS) 2013 unter Federführung der Eberhard-von-Kuenheim-­Stiftung den Expertenkreis „Impact Investing“ ins Leben gerufen. „Unser Experten­kreis besteht aus 15 Stiftungen, die allesamt Pioniere auf dem Gebiet des Impact Investings sind. Als eine der ersten Maßnahmen werden wir im Frühjahr 2016 einen Ratgeber herausgeben, der einen Überblick über Impact Investing im deutschsprachigen Raum gibt“, erklärt Berenike Wiener, die als Referatsleiterin Stiftungsmanagement beim BVDS auch Mitglied des Expertenkreises ist.

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