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Ausgabe 4/2017

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14.12.2016

Mit Anleihen die Welt retten

Doris Kramer, Leiterin Investmentstrategie bei der KfW

Green Bonds gelten als Trumpf im Kampf gegen den Klimawandel. Der Markt für grüne Anleihen wächst dynamisch, steckt aber noch in seinen Kinderschuhen. Doch was können institutionelle Investoren von der neuen Asset-Klasse tatsächlich erwarten?

Es ist fünf vor zwölf: Will die Welt die Erderwärmung auf 1,5 Grad Celsius gegenüber dem vorindustriellen Zeitalter begrenzen, bleibt nicht mehr viel Zeit. Und es braucht viel Geld. Um die auf der Pariser Klimakonferenz vereinbarten Ziele zu erreichen, werden in den nächsten 15 Jahren rund 90 Billionen US-Dollar benötigt, wie die ­Vereinten Nationen in ihrer Studie „The Financial­ System we need“ vorrechnen. Als Trumpf im Kampf gegen die Erderwärmung gelten Green Bonds. Der Markt für grüne­ Anleihen ist bis Juli dieses Jahres auf 118 Milliarden US-Dollar angewachsen, wie ein Research Paper der Climate Bonds Initiative (CBI) zeigt. Für 2016 peilt die Initiative einen­ neuen Emissionsrekord an. Obwohl es diesen geben wird, dürfte das anvisierte Ziel von 100 Milliarden US-Dollar – nach 42 Milliarden US-Dollar 2015 – verfehlt werden. Denn bis Ende Oktober wurden erst 62,2 Milliarden Euro begeben. Trotzdem lässt sich feststellen: Seit der Platzierung des ersten Green Bonds 2007 durch die Europäische ­Investment Bank (EIB) hat sich das Segment dynamisch entwickelt.

Nachdem anfänglich nur supranationale Organisationen grüne Anleihen begaben, hat sich das Spektrum der Emittenten deutlich vergrößert. Laut CBI traten 2015 mehr als 45 verschiedene Geschäftsbanken und Corporates als Emittenten von Green Bonds auf – Tendenz weiter steigend. Viele neue Namen sind in diesem Jahr aufgetaucht. Für Aufsehen sorgte beispielsweise der Technologiekonzern Apple mit seiner Green-Bond-Emission über 1,5 Milliarden US-Dollar mit einer Laufzeit von sieben Jahren und einem Kupon von 2,85 Prozent. An den Markt im Senior-unsecured-Format kam im Juni 2016 auch die erste deutsche Geschäftsbank. Die Deutsche Kreditbank (DKB) emittierte einen Green Bond mit einem Volumen von 500 Millionen Euro. Als Mittelverwendung dienen Finanzierungen von Solar- und Windenergieprojekten onshore in Deutschland. Die Debütemission, die mit einer Laufzeit von fünf Jahren und einem Kupon von 0,625 Prozent ausgestattet ist, wurde von mehr als 200 Investoren fast dreifach überzeichnet. „Damit hatten wir eine immense Granularität. Zu den Investoren gehörten Asset Manager, Banken, kirchliche Einrichtungen und Stiftungen.

Auch einige Versicherungen waren dabei, obwohl die Laufzeit von fünf Jahren für sie eigentlich etwas zu kurz ist“, resümiert Thomas Pönisch, Bereichsleiter Treasury bei der DKB. Besonders erfreut ist er über den recht großen Zuspruch jenseits der deutschen Grenzen: „Obwohl der Green Bond unser Debüt am anspruchsvollen Markt für unbesicherte Anleihen war, konnten wir auch eine Reihe von Investoren aus dem Ausland gewinnen. Sie machten rund erfreuliche 30 Prozent des Investorenkreises aus.“ 

Der Name ist Programm

Seit 2006 ist die DKB am Kapitalmarkt aktiv. Bislang wurden aber nur Pfandbriefe begeben. Wie es zum Umstieg auf Green Bonds kam, erklärt Pönisch mit dem günstigen Marktumfeld und dem Geschäftsmodell: „Wir sind nicht nur eine Direktbank für Privatkunden. Mit den Green Bonds zeigen wir, dass unser Geschäftsmodell viel mehr umfasst. Der Name Kreditbank ist bei uns Programm, denn das Aktivgeschäft mit unseren­ Geschäftskunden ausgewählter Branchen und Kommunen macht 84 Prozent unserer Bilanz aus. Davon entfallen 40 Milliarden Euro auf ganz oder teilweise nachhaltige Finanzierungen, inklusive über neun Milliarden Euro auf Projektfinanzierungen für Erneuerbare Energien.“ Dass mit der Emission einer grünen Anleihe grundsätzlich ein Reputationsrisiko verbunden ist, dessen ist sich die DKB bewusst. „Unser Geschäft ist nachhaltig und grün, wir machen uns deswegen keine Sorgen“, zeigt sich Pönisch zuversichtlich. Dass er keinen Grund zur Sorge hat, wurde der DKB auch von unabhängigen Gutachtern bestätigt. Die Climate Bonds Initiative gab der grünen Anleihe ihr Zertifizierungslabel. Zudem bescheinigte Oekom Research im Oktober 2015 dem gesamten Geschäftsmodell der DKB mit der Note B- den Prime Status und machte das Berliner Institut damit zum Industry Leader ihrer Peer Group von 84 Banken. Zusätzlich ­bewertete Oekom Research später im Rahmen einer Second­ Party­ Opinion den Green Bond positiv.

Voraussichtlich im nächsten Jahr wird die DKB erneut eine grüne Anleihe an den Markt bringen, ohne dazu im Moment nähere Angaben machen zu können. „Der Aufschlag gegenüber der Swap-Kurve betrug bei unserem ersten Green Bond 67 Basispunkte. Daraus hat sich ein Kupon von 0,625 Prozent ergeben. Heute würden wir deutlich darunter liegen. Wir werden ­sehen, wo wir nächstes Jahr stehen“, erklärt der DKB-Treasurer. „Wir möchten unsere Refinanzierung so günstig wie möglich darstellen. Ich denke, dass es künftig für grüne Anleihen gegenüber klassischen Anleihen einen Obolus geben wird“, so Pönisch. An harten Zahlen kann er dies nicht festmachen, da sein Haus keine anderen unbe­sicherten Anleihen begeben hat, die für einen Vergleich in Betracht kämen. Dies sei auch nicht angedacht, da die Bank ihr Senior unse­cured Funding ausschließlich über Green Bonds bestreiten will. Dazu arbeitet sie gerade an einem neuen Green-Bonds-Programm. 

 
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