Pension Management
01.02.2018

Modellberechnung: Dax-Pensionswerke schneiden 2017 gut ab

Dr. Heinke Conrads (Foto: Willis Towers Watson)

Dr. Thomas Jasper (Foto: Willis Towers Watson)

Assets wachsen, Verpflichtungsseite schrumpft. Willis Towers Watson rät, Zinsentwicklung genau zu beobachten.

Die Pensionswerke der 30 Dax-Unternehmen haben das Gesamtjahr 2017 mit einem leichten Plus abgeschlossen. Das geht aus der aktuellen Modellberechnung „German Pension Finance Watch“ (GPFW) von Willis Towers Watson hervor. Sie stellt die Auswirkungen der Kapitalmarktentwicklungen auf deutsche Benchmark-Pensionspläne dar. Verglichen wird ein Musterplan, der Ende 2003 vollständig ausfinanziert war (100-Prozent-Plan) und laufend in Höhe der neu erdienten Ansprüche dotiert wird, mit einem für ein Dax- beziehungsweise M-Dax-Unternehmen typischen Pensionsplan. 

Wie das Beratungshaus nun berichtet, bewegte sich der für die Abzinsung der Pensionsverpflichtungen relevante Rechnungszins zuletzt nur minimal nach oben, und zwar von 1,8 Prozent zum Jahresende 2016 auf 1,85 Prozent per Ende 2017. Diese Entwicklung sorgte in dem Zeitraum für einen leichten Rückgang des Verpflichtungsumfangs von 397,5 Milliarden Euro auf zuletzt 392,2 Milliarden Euro.

Im gleichen Turnus stieg der Wert der Pensionsvermögen leicht an. Laut Willis Towers Watson wuchs das Pensionsvermögen der 30 Dax-Unternehmen von 250,3 Milliarden auf 254,4 Milliarden Euro zum Jahresende 2017. Als Resultat dieser Entwicklung auf der Anlage- und der Verpflichtungsseite legte der Ausfinanzierungsgrad  der Quotient aus dem für künftige Rentner separierten Planvermögen und den Pensionsverpflichtungen  von 63,0 auf 64,9 Prozent zu. Ein ähnliches Bild zeige sich bei den Unternehmen aus der zweiten Reihe im M-Dax. 

Dr. Thomas Jasper, Leiter im Bereich Retirement Westeuropa von Willis Towers Watson, kommentiert: „Diese erfreulich stabile Entwicklung verschafft den bAV-Verantwortlichen in den Unternehmen Luft, jetzt die für die Zukunft wichtigen Weichen zu stellen.“ Jetzt gelte es, die Weiterentwicklung des Rechnungszinses genau im Blick zu behalten und etwa anhand von Prognoseberechnungen die weitere Steuerung der Pensionswerke zu planen. 

Die seit 1. Januar 2018 amtierende Leiterin des Geschäftsbereichs Retirement Deutschland und Österreich bei Willis Towers Watson, Dr. Heinke Conrads, ergänzt: „Ob und wann der für die internationale Bilanzierung der Pensionsverpflichtungen anzusetzende Zins wieder steigen wird, lässt sich derzeit noch nicht genau abschätzen.“ Klar sei jedoch, dass sich der nach dem deutschen Handelsrecht (HGB) anzusetzende Zins in den kommenden Jahren vorhersehbar ungünstig entwickeln werde. Die Berechnung des für die Pensionsverpflichtungen nach HGB maßgeblichen Diskontierungszinses als Durchschnittswert über die vergangenen zehn Jahre hinweg führt dazu, dass der Zinsfuß absehbar weiter sinkt. Denn in der vergangenen Dekade sind die Zinsen sukzessive gesunken, was sich zunehmend im Durchschnitt widerspigelt. Conrads wiederum betont: „Hingegen ist – und das ist zu begrüßen – Bewegung in die Diskussion um den steuerrechtlichen Rechnungszins gekommen. Unternehmen sollten daher unterschiedliche Zins-Szenarien durchdenken und durchrechnen, um die für ihre Pensionspläne passenden Vorbereitungen treffen zu können.“

In der Langzeitbetrachtung zeigt sich, dass der Ausfinanzierungsgrad im Jahresvergleich meist geringfügig schwankt. Jedoch hätten Unternehmen in der vergangenen Dekade die speziell für die Zahlung künftiger Betriebsrenten reservierten Vermögenswerte stetig ausgebaut – ein Trend, der nach Einschätzung von Willis Towers Watson weiter anhalten wird. 

portfolio institutionell, 01.02.2018/Tobias Bürger​

 
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