Kritiker bemängelten, dass das Konzept zu teuer und intransparent sei.
MÜNCHEN - SEI Investments, ein US-Anbieter von Multi-Manager-Fonds, hat sein Geschäft in Deutschland eingestellt. Dies sagte Nadine Fugert, ehemalige SEI-Vertriebsleiterin für Deutschland, und bestätigte damit eine Recherche von portfolio institutionell.
Dank einer Kooperation mit der Commerzbank kam SEI im Jahr 2003 nach Deutschland. Bei der Kooperation vertrieb die Bank die Multi-Manager-Produkte von SEI in Deutschland. Die Zielgruppe waren kleine institutionelle Investoren sowie vermögende Privatkunden. Insgesamt wurden vier SEI-Produkte angeboten. Vor der Finanzkrise erreichte SEI ein Fondsvolumen von mehr als 400 Millionen Euro. Die Kooperation wird nun Ende Juni beendet. Die Produkte wurden bereits an Allianz Global Investors (AGI) abgegeben. SEI ist also nicht mehr deren Advisor.
Fugert ist inzwischen zu der Münchener Privatbank Hauck & Aufhäuser gewechselt. Dort soll sie institutionelle Kunden im deutschsprachigen Raum akquirieren und betreuen.
Den Ausstieg von SEI begründete Fugert so: "Als Reaktion auf die Finanzkrise hat SEI beschlossen, sich weltweit im Vertrieb seiner Multi-Manager Lösungen auf bestimmte Kernregionen zu fokussieren. Deutschland zählt aufgrund seiner Marktgröße sowie seiner speziellen Anforderungen unter rechtlichen, steuerlichen und sprachlichen Aspekten nicht zu letzteren."
Und weiter: "Die Erfahrung der letzten sechs Jahre hat uns gelehrt, dass die hiesigen Banken und Family Offices einem Outsourcing Konzept, wie es Multi-Manager Lösungen von SEI sind, skeptisch gegenüber standen, besonders wenn sie selber interne Asset Allocation, Fondsselektion und Asset-Management Expertise hatten. Mit der Commerzbank hatten wir einen aufgeschlossenen Partner gefunden, der die Vorteile des Multi-Manager Ansatzes erkannt hatte."
Multi-Manager-Häuser, wie SEI oder Russell Investments, managen die Fonds nicht selbst. Stattdessen lagern sie diese Dienstleistung an andere Manager aus. Neben der Managerauswahl übernimmt SEI alle weiteren Fondsdienstleistungen, wie die Performance-Überwachung oder Depotbankfunktionen. Kritiker bemängelten, dass das Konzept im Vergleich zu Spezialfonds-Stukturen zu teuer und intransparent sei.
Für die Kooperation mit der Commerzbank hatte SEI im Herbst 2003 Fugert von JP Morgan rekrutiert. Im Juli 2004 erfolgte dann der Einstieg von Stephan Römer, der früher beim SEI-Konkurrenten Russell Investments arbeitete. Römer war für die institutionellen Kunden zuständig und Fugert für vermögende Privatkunden.
SEI und Römer trennten sich bereits im Juni 2008. Er ist seitdem ein unabhängiger Berater von Pensionseinrichtungen. Fugert übernahm Römers Aufgabe, bis SEI im Frühjahr 2010 beschloss, Deutschland den Rücken zu kehren. Das amerikanische Haus hat noch ein Vertriebsbüro in den Niederlanden. Laut Fugert läuft das Geschäft dort besser.
Im Rückblick sagte noch Fugert: "Den generellen Einwand, dass Multimanager Konzepte zu teuer sind, teile ich nicht so ohne Weiteres. Im gerne gezogenen Vergleich mit Dachfonds schneiden Multi-Manager-Produkte generell besser ab. Im Wettbewerb mit typischen Spezialfondsmandaten müssen fairerweise die Kosten für den Berater, das Portfoliomanagement, die Fondsadministration und die Depotbank mit einbezogen werden. Bei SEI deckt die Gebühr all diese Funktionen ab".
portfolio institutionell newsflash 14.04.2010/jan/kbe




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