Nachhaltige Investments sind auf dem Vormarsch. Ein Wandel auf der Anlegerseite führt aber zu einer im Vergleich zur Vergangenheit stärkeren Stoßrichtung hin zu einem Focused Investing. Beispiele sind Mikrofinanz, Green Building oder Waldinvestments.
Sparkassen bieten sie an, Volks- und Raiffeisenbanken tun es und Privatbanken meist ohnehin - nach sozialen, ökologischen und ethischen Auswahlkriterien konstruierte Anlageprodukte. Dabei handelt es sich vor allem um Investmentfonds, wenn man einmal von den wenigen Zertifikaten und Exchange Traded Funds im Nachhaltigkeitsspektrum absieht. Gegenwärtig sind nach Angaben der auf diesem Gebiet führenden Webplattform "nachhaltiges-investment.org" in den drei deutschsprachigen Ländern 30 Milliarden Euro in 313 Investmentfonds geparkt. In Deutschland macht der Anteil solcher Anlagegelder an der Gesamtheit der professionell verwalteten Anlagegelder (also vor allem Investmentfonds und vergleichbares) bislang nicht ganz ein Prozent aus. Nachhaltigkeitsanlagen finden zu zwei Drittel in Aktienfonds statt. Zwar brüstet sich der Anbieterkreis von Nachhaltigkeitsfonds mit jährlich zweistelligen Wachstumsraten, die jedoch in Anbetracht des niedrigen Anteilsniveaus verblassen. Es müssten dreistellige Jahreswachstumsraten sein, um auf zweistellige Anteilsraten für nachhaltige Geldanlagen zu kommen, wie es für viele europäische Staaten, allen voran Frankreich und Großbritannien, der Fall ist.
Dennoch wäre Bedeutungslosigkeit nicht die zutreffende Bezeichnung für dieses Finanzmarktsegment. Immer öfter ist Nachhaltigkeit ein Thema auf Investorenkonferenzen, Kundenveranstaltungen und im medialen Raum. Sogenannte Alternativbanken, wie die GLS Bank oder die Umweltbank, glänzen mit überdurchschnittlichen Einlagenzuwächsen. Und was für andere Branchen bereits seit Längerem in vielfältiger Weise zu beobachten ist - die Verleihung von speziellen Auszeichnungen für herausragende Leistungen wie Energieeffizienz -, greift auch zunehmend im Finanzwesen. So wurde in Deutschland in diesem Jahr zum dritten Mal der nachhaltigste institutionelle Investor gekürt und im Planspiel Börse der Sparkassen wurden vor wenigen Wochen erstmals Schülerteams prämiert, die ihren Erfolg der gezielten Anlage in nachhaltigen Aktien und Anleihen verdanken. Dies sind Hinweise darauf, dass unter der Oberfläche der Statistik ein lebendiges und vielfältiges "Biotop" in der nachhaltigen Geldanlage um sich greift. Wer jetzt als Kreditinstitut noch mit einem Öko-, Grün- oder Ethikfonds auf vor allem Stiftungen und Privatkunden zugeht, hat zwar immer noch gute Aussichten, auf Resonanz zu stoßen. Doch ist ein "Weiter-so" in der Investmentfondswelt nicht nur fantasielos, sondern greift für Kreditinstitute zur Hebung der ganzen Breite und Tiefe von Geschäftspotenzialen zu kurz. Unübersehbar sind die Indizien des Wandels auf der Anlegerseite.
_Push- und Pull-Impact
Nachhaltige Geldanlagen wachsen immer mehr über den reinen Bereich von Anlagestilen und Anlageprodukten hinaus. Sie werden für immer mehr Anleger zum Programm und zu einer anderen Art des Geldumgangs, als deren gemeinsamer Nenner der sogenannte Impact der Geldanlage zu sehen ist. Unter dem Push-Impact wird dabei subsumiert, welche Wirkungen die Geldanlage bei denjenigen erzielt, die mit dem ihnen anvertrauten Geld wirtschaften. Als Pull-Impact werden hingegen die Wirkungen bezeichnet, die der nachhaltige Geldumgang bei den Anlegern selbst auslöst.
Der Pull-Impact verweist auf ein verändertes Verständnis von nachhaltiger Geldanlage in Bezug auf den Prozess des Asset Managements. Standen traditionell Sorgen um die Erfüllung der Renditeansprüche und Risikotragfähigkeiten gerade bei institutionellen Anlegern im Vordergrund, so wird zunehmend die Beschäftigung mit nachhaltigen Geldanlagen als Anstoß verstanden, über eine Modernisierung gewohnter Anlagekonzepte generell nachzudenken und den Diversifikationseffekt von bestimmten Formen der nachhaltigen Geldanlage (zum Beispiel Mikrofinanz-Fonds) stärkeres Gewicht beizumessen. Außerdem wird dies als Anfang gesehen, Anlage-Research mit Umwelt-, Sozial- und Governance-Kriterien als Bereicherung des Risikomanagements zu verstehen und Widerspruchsfreiheit zwischen institutionellem Selbstverständnis und Anlagepolitik zu erzielen. Während diese Aspekte vor allem für institutionelle Anleger und in Teilen auch für vermögende Privatkunden bezeichnend sind, ist der Aspekt der Vereinbarkeit persönlicher Werthaltungen eines Anlegers mit den Folgen seiner Geldanlage ein über alle Anlegergruppen reichendes Thema. Für die Finanzbranche stellt die zentrale Herausforderung für die Umsetzung entsprechender erfolgreicher Geschäftsfeldstrategien die Vielfalt von Anlegermotivationen für solcherlei Zugang zu nachhaltigen Geldanlagen dar. Dies reicht von einem neuen Verständnis der Nachhaltigkeit als Gestaltungsweg einer beratungs- und betreuungsorientierten Umgangsweise mit Kundenbedürfnissen, wie sie sich zum Beispiel in individuellen Lebenslagen und -zyklen äußert, bis hin zur Befolgung dezidierter außerökonomischer Prinzipen mittels nachhaltiger Geldanlage, wie sie etwa durch Sukuk-Anleihen im sogenannten Islamic Banking ermöglicht wird.
Der Push-Impact der nachhaltigen Geldanlage, das heißt die Frage nach den Wirkungen der Geldanlage in Bezug auf soziale, ökologische, ethische Ziele oder auch Governance-Ziele der Anleger, dürfte derzeit im Vordergrund stehen. Hier lassen sich drei grobe Stoßrichtungen ausmachen.
Zum einen ist es die Emergenz neuer Produkttypen und Anlagestile, die als "Focused Investing" eine deutlichere Impact-Präferenz der Anleger ermöglichen, als es bislang die "Schrotflinten" der Best-in-Class- beziehungsweise Best-of-Class-Ansätze zahlreicher Nachhaltigkeitsfonds und individueller Vermögensmandate können. Bei diesen Anlagestilen steht bislang das Denken in konventioneller Finanz-Performance im Vordergrund: Der Charme von solchen Best-Ansätzen wird darin gesehen, dass die Gefahr, sich von der Performance einer konventionellen Benchmark zu entfernen, relativ gering sein kann. Der Impact-Preis ist jedoch, dass damit der Nachhaltigkeitsbeitrag der Aktien- und Anleiheanlage meist völlig unspezifisch erfolgt, es sei denn, Ausschlusskriterien werden kombiniert eingesetzt oder ein Engagement findet statt.
_Nachhaltigkeit themenspezifisch umsetzen
Focused Investing kann das Verlangen der Anleger nach mehr Impact durch eine neue Klasse nachhaltiger Anlageprodukte umsetzen, indem sie themenspezifisch aufgesetzt werden: Mikrofinanz-Fonds, Green-Building-Fonds oder nachhaltige Waldinvestments sind hier bereits am Markt erhältliche Beispiele. Der Klimawandel wird in diesen Fällen noch über Jahre hinweg die Hauptrolle spielen. Bei solchen Anlageformen handelt es sich um eine hohe Vielfalt nicht börsennotierter Produkte, die oft Private Equity und Venture Capital bereitstellen und in Form geschlossener Fonds oder aber als Luxemburger Sicav auftreten können. Die damit erforderliche erhöhte Transparenz wird für etablierte Consultants und Informationsdienstleister zum einen neue Geschäftsfelder zeitigen sowie innovative Allianzen erzeugen und zum anderen neue Anbieter von Advisory Services hervorbringen. Dies wurde zum Beispiel im Jahr 2009 deutlich, als RiskMetrics, ein Anbieter von Risikomanagement und Corporate-Governance-Dienstleistungen, die traditionsreiche Bostoner KLD Research & Analytics erworben hat. Daneben werden aber auch zunehmend Webplattformen errichtet, die dem Bedarf nach gestiegener Transparenz entsprechen, wie zum Beispiel die Argus-Rating-Plattform der Universität Stuttgart oder die derzeit im Aufbau befindliche Microfinance Investor Information Service-Webplattform eines Konsortiums aus den USA, Luxemburg und Liechtenstein.
Das Streben nach Impact seitens der Investoren wird in einer zweiten Stoßrichtung geprägt vom wachsenden Interesse an der Wahrnehmung von Aktionärsrechten, für Anleger wichtige Nachhaltigkeitsthemen zu adressieren. Die Finanzkrise hat hier das Bewusstsein dafür geschärft, dass gerade Governance als eine der modernen Eckpfeiler nachhaltiger Geldanlagen das Risiko- und Ertragsmanagement von Geldanlagen entscheidend bestimmen. Zwar sind aktivistische Anleger vor allem aus dem Bereich der Kirchen und den als Universal Investors operierenden Pensionsfonds nur vereinzelt unterwegs, doch werden sich in Zukunft Communities bilden, die Vorstände von Aktiengesellschaften mit kritischen Nachhaltigkeitsthemen konfrontieren. Richtig Fahrt kann ein solches Engagement aufnehmen, wenn sich Communities mit nachhaltigen und konventionellen Aktionärskreisen bilden, die dann aggressiv auftreten. In Zukunft kann etwa das Miteinander von vordergründig völlig unterschiedlich konzipierten Anlegern Gestalt annehmen. Ein Aktivismus wie der des britischen TCI-Hedgefonds gegen die Deutsche Börse AG im Jahr 2005 könnte in Zukunft durchaus Hand in Hand mit nachhaltigen institutionellen Investoren ablaufen, auch wenn sich im Fall TCI Partner zusammenfinden, bei denen nicht alle Nachhaltigkeitsziele verfolgen, aber ein gleichgerichtetes Verhalten an den Tag legen können. Nachdem der britische Erzbischof von Canterbury im Frühjahr vergangenen Jahres Hedgefonds quasi rehabilitiert hat, scheint in der Welt der kirchlichen Nachhaltigkeitsanleger durchaus auch Offenheit für solche Bündnisse vorhanden zu sein.
Eine dritte Stoßrichtung der Push-Impact-Ausrichtung von nachhaltigen Geldanlagen wird von dem steigenden Bewusstsein getragen, die bisherige quantitative Wachstumsausrichtung des Wirtschaftens hin zu einer Konsolidierung zu transformieren. Diese Konsolidierung ist sowohl von Stagnation als auch von Hinwendung zum qualitativen Wachstum gekennzeichnet. Infolgedessen werden zum einen die Anlage- und Geschäftsmodelle in neue Infrastrukturen, Dematerialisierung von Wirtschaftsaktivitäten und zum anderen soziale Netzwerke gefragt sein.
Hierzu werden Prinzipien der Philanthropie und des Social Business benötigt werden. Aufgrund dieser Prinzipien werden die heute noch von Nonprofits und Freiwilligen durchgeführten Aktivitäten zu Geschäftsmodellen weiterentwickeln, mit dann denen ein nachhaltiger Wohlstand verwirklicht werden kann. Im Verbund mit der Entwicklung von Geschäftsmodellen werden vormals öffentliche Aufgaben verstärkt durch Unternehmen des Sozialbereichs übernommen werden. Dazu zählt auch eine Rekonfigurierung des Public-Private-Partnership-Ansatzes, wie beispielsweise zum Zweck des Ausbaus von Infrastrukturleistungen, wie es in den USA mit den Community Investings der Fall ist. Bereits bestehende, vergleichbare Aktivitäten wie Mikrofinanz-Institute zur Armutsbekämpfung illustrieren die Reichweite solcher Konzepte. Anlegerseitig eröffnet die Gründung von Social Entrepreneurships die Möglichkeit, Anlagemodelle zu schaffen, in die philanthropische Interessen einfließen können. Hierfür ist besonders bei Anlegern mit hohen investierbaren Mitteln ein wachsendes Interesse latent vorhanden und ermöglicht neue Geschäftsfelder in den Bereichen Family Office, Wealth Management und Private Banking.
Zahlreiche Indizien aus der jüngsten Vergangenheit deuten immer mehr an, dass die nachhaltigen Geldanlagen in eine nächste Generation hineinwachsen. Der Push-Impact und Pull-Impact sowie das Focused Investing, Community Building, Engagement und die Prozessbetonung lassen die Assoziation mit Entwicklungen im Web aufkommen - nachhaltige Geldanlagen 2.0.
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portfolio-institutionell.de
17.06.2010
Nachhaltige Geldanlagen - an der Schwelle zur Generation 2.0
Nachhaltige Investments sind auf dem Vormarsch. Ein Wandel auf der Anlegerseite führt aber zu einer im Vergleich zur Vergangenheit stärkeren Stoßrichtung hin zu einem Focused Investing. Beispiele sind Mikrofinanz, Green Building oder Waldinvestments.
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