Traditionelle Anlagen
11.04.2018

Nachhaltige Staaten bedienen eher Schulden

DWS, Swisscanto und Franklin Templeton zu Nachhaltigkeit in Emerging Markets. Kirchen empfehlen stufenweise Umsetzung.

Die DWS gibt die Einführung eines neuen Rating-Systems bekannt, welches auf die Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen (Sustainable Development Goals, SDGs) zurückgreift. Petra Pflaum, Chief Investment Officer, Responsible Investments, teilt hierzu mit: „Unser neues SDG Rating System verbessert deutlich unsere Fähigkeiten, Emittenten von Aktien und Anleihen auf ihre Beiträge zur nachhaltigen Entwicklung der Welt zu prüfen.“ Die 17 Ziele der Vereinten Nationen für eine nachhaltige Entwicklung enthalten Vorgaben für die Wirtschaft, die gesellschaftliche Inklusion und einen nachhaltigen Umgang mit der Umwelt. Sie gelten in Industrie- und Entwicklungsländern gleichermaßen.

Ein Anlageansatz zur Förderung des UN-Nachhaltigkeitsrahmens liegt für die DWS darin, Staatsanleihen daraufhin zu prüfen, ob das jeweilige Land die politischen und Bürgerrechte seiner Einwohner schützt und ausbaut. So sortiere die „ESG-Engine“ der DWS-Staaten unter anderem anhand ihrer Menschenrechtslage, der Verbreitung der Todesstrafe oder der Korruption und berücksichtigt dabei auch, ob es sich um Demokratien oder autokratische Regimes handelt. Weitere Aspekte sind die militärischen Ausgaben und der Besitz von Atomwaffen.

Mit nachhaltigen Investments in Staatsanleihen befassen sich seit geraumer Zeit auch andere Asset Manager. Swisscanto Invest setzt sich nach eigenen Angaben bereits seit 18 Jahren mit entsprechenden Analysen auseinander. Bei Swisscanto gibt man sich überzeugt, „dass nachhaltiges Wirtschaften nicht nur eine Erfolgskomponente von Unternehmen ist, sondern auch eine Grundvoraussetzung für das Bedienen von Staatsschulden“. Verschiedene Studien hätten auch gezeigt, dass Faktoren wie Korruption, eine stabile Staatsführung und die Förderung von Innovation einen Einfluss auf die längerfristige Entwicklung eines Landes haben. Die Nachhaltigkeitsanalyse von Staaten ergänze die ökonomische Betrachtung von Rating-Agenturen und dient aus Sicht des Asset Managers der Zürcher Kantonalbank als ein Indikator für die mittelfristige Veränderung des Kredit-Ratings.

Die Swisscanto bewertet knapp 70 Staaten nach 83 ESG-Faktoren. Im Ranking der Swisscanto liegt dabei Schweden in der Gesamtbewertung auf dem ersten Platz, gefolgt von der Schweiz und Norwegen. Deutschland liegt auf dem siebten Platz. In der Gruppe der Industrieländer schneiden die USA am schlechtesten ab. Die Schlussgruppe bilden Katar, Südafrika und Bahrain. Nur zehn von über 40 Schwellenländern finden sich in der ersten Hälfte des Nachhaltigkeits-Ratings. Spitzenreiter unter den Schwellenländern sind Südkorea, Tschechien und Estland. Speziell zwischen den Faktoren Governance und Soziales ergebe sich ein deutlich positiver Zusammenhang mit dem Bruttoinlandsprodukt (BIP) pro Kopf.  

Franklin Templeton stellte ebenfalls ein entsprechendes Nachhaltigkeits-Ranking auf. Auch in diesem haben Industrieländer eine höhere ESG-Note. Bei Franklin Templeton führen Dänemark und die Schweiz. Das Schlusslicht ist Venezuela. Wie Swisscanto erkennt auch Franklin Templeton, dass ESG stark mit dem BIP pro Kopf korrespondiert. Interessant an der im Februar veröffentlichten Franklin-Templeton-Analyse ist zudem eine Prognose für die weitere Entwicklung einzelner Staaten. Besonders pessimistisch ist der Asset Manager für Polen, die USA und Italien, besonders optimistisch für Argentinien, Indien und Brasilien.

Umsetzungsvarianten für Investoren 

Wichtig sind solche Analysen insbesondere bezüglich der ethischen Komponente für kirchliche Investoren. Eine „diskursanalytische“ Studie veröffentlichte im vergangenen Jahr der Arbeitskreis Kirchlicher Investoren, AKI. Für die Implementierung einer ethisch-nachhaltigen Anlagestrategie werden in der Studie abgestufte Umsetzungsvarianten vorgeschlagen. Ein flexibles Baukastensystem biete die Möglichkeit, in den verschiedenen Dimensionen des Investmentprozesses unterschiedliche Stufen realisieren und kombinieren zu können. Auf Stufe 1 gründe sich die Analyse ausschließlich auf Länderindizes und auf quantitative Daten, ergänzt durch allgemein zugängliche Quellen. Dies könnten zum Beispiel Rankings der oben genannten Asset Manager sein. Auf Stufe 2 kommen eine systematische Datenbankrecherche, die Auswertung von Medien, wissenschaftliche Studien und Berichte von Nichtregierungsorganisationen und von Informationen regionaler UN-Kommissionen hinzu. Verfahren auf Stufe 3 nutzen außerdem Vor-Ort-Quellen. 

portfolio institutionell 10.04.2018/Patrick Eisele 

 

 
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