Traditionelle Anlagen
15.04.2015

Neue Dividendensaison bricht Rekorde

Deutsche Unternehmen schütten 2015 mehr an ihre Aktionäre aus als jemals zuvor. Mit Blick auf die Unternehmensgewinne sollte es jedoch deutlich mehr sein. Ranking der Rendite-Könige zeigt: Abseits der Indizes sind einige Dividendenperlen versteckt.

Befeuert durch die anhaltende Niedrigzinspolitik der Zentralbanken erleben Dividendentitel seit geraumer Zeit eine Renaissance. Dividenden sind für viele in der Finanzbranche der neue Zins. Und diese sind in diesem Jahr am deutschen Aktienmarkt so hoch wie nie zuvor, wie eine neue Dividendenstudie der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) und der FOM Hochschule in Frankfurt zeigt. In der soeben angelaufenen Dividendensaison 2015 werden neun von zehn deutschen Gesellschaften, die in Dax, M-Dax, S-Dax oder Tec-Dax gelistet sind, eine Dividende zahlen. Bei zwei Dritteln wird diese höher ausfallen als im Vorjahr. Insgesamt werden die Gesellschaften 41,7 Milliarden Euro an ihre Aktionäre ausschütten, womit die bisherige Bestmarke von 2008 (38,2 Milliarden Euro) um rund neun Prozent und der Vorjahreswert um gut 13 Prozent übertroffen werden.    

Der größte Dividendenzahler ist in diesem Jahr die Allianz mit knapp 3,1 Milliarden Euro. Die Versicherungsgesellschaft löst damit Siemens an der Spitze ab, die 2015 immerhin 2,9 Milliarden Euro an ihre Aktionäre ausschüttet. Frühere Großzahler sind laut dem Studienmacher Christian Röhrl deutlich abgerutscht. So findet sich die Deutsche Telekom nur noch auf Rang sechs und RWE auf Rang 15. Als einziger Dax-Wert hat E.on seine Dividendenzahlung gekürzt und rutscht im Ranking auf Platz 13 ab. Die Studienautoren merken in diesem Zusammenhang an, dass E.on zwar seit Viag-Zeiten einer der zuverlässigsten Dividendenzahler der Republik war. Doch wer 2005 im Vertrauen darauf und mit Blick auf die Dividendenrendite von damals 3,5 Prozent eingestiegen ist, sei nach einigen guten Jahren arg enttäuscht worden. Die Ausschüttungen hätten gerade einmal die Kursverluste ausgeglichen. Immerhin zahlt der Düsseldorfer Konzern trotz Verlusten eine Dividende. Das kann man von zwei anderen Unternehmen im Dax nicht sagen: die Commerzbank und Lufthansa. Dagegen ist Thyssen-Krupp nach zwei Jahren Abstinenz wieder in den Kreis der Dividendenzahler zurückgekehrt.    

Top-Zahler im M-Dax ist Airbus mit 942 Millionen Euro. Im Tec-Dax hat Telefonica Deutschland mit 714 Millionen Euro die Nase vorn. Auf Platz eins im S-Dax findet sich mit 80 Millionen Euro der Automobilzulieferer Hella, der erst 2014 an die Börse gegangen war. Echte Dividenden-Aristokraten, wie Firmen in den USA genannt werden, die ihre Ausschüttung mindestens 25 Jahre in Folge angehoben haben, gibt es hierzulande nicht. Selbst die Hürde von zehn Erhöhungen in Serie überspringen nur acht Gesellschaften – angeführt von  Fresenius Medical Care. Das Unternehmen hat seine Dividende immerhin 18 Jahre in Folge erhöht. Die aktuelle Dividende (0,78 Euro) sieht laut den Studienmachern bei Kursen um 77,00 Euro zwar eher mau aus. Für Anleger, die seit 1998 dabei sind, betrage die auf den Einstandskurs bezogene Rendite hingegen immerhin 3,8 Prozent. Wie aus der Studie hervorgeht, hapert es in den Nebenwerten bei der Zahlungsmoral. Abseits der Indizes bleiben mehr als die Hälfte der Firmen ihren Anteilseignern eine Dividende schuldig. Und im Vergleich zum Vorjahr erhöht nur jedes fünfte Unternehmen seine Zahlung. 

Aktionäre sollten 50 Prozent des Gewinns erhalten

Trotz des neuen Dividendenrekords hat Studienautor Röhrl einen Wermutstropfen gefunden. Nach seiner Ansicht sollten in der Regel mindestens 50 Prozent des Gewinns an Aktionäre ausgeschüttet werden. Das sei jedoch nur bei etwas mehr als 45 Prozent der Indexunternehmen der Fall.  Ein Viertel der Firmen schüttet nicht einmal 33 Prozent ihres Gewinns an die Aktionäre aus. Erfreulich sei zumindest, dass nur jede zehnte Dividende aus der Substanz gezahlt wird.

Auch mit den Kursanstiegen der vergangenen Jahre konnte das Dividendenwachstum nicht mithalten. Entsprechend seien die Dividendenrenditen tendenziell gefallen. Parallel habe sich das Renditegefälle in den Auswahl-Indizes komplett nivelliert. Bei den Index-Unternehmen liegen sie durchschnittlich bei 2,3 Prozent. Nur Nebenwerte bieten nach wie vor einen Aufschlag. Die Dividendenrendite liegt hier bei etwa 3,3 Prozent und damit etwas höher als 2014. Das Ranking der Rendite-Könige zeigt: Abseits der Indizes sind einige Dividendenperlen versteckt. Beispiele sind die Custodia Holding (18,8 Prozent Rendite p.a.), Adcapital (13 Prozent Rendite p.a.) und Franconofurt (9 Prozent Rendite p.a.).  

In seiner Studie hat Röhrl auch die Dividendenqualität untersucht. In diesen Wert fließen neben dem durchschnittlichen Dividendenwachstum die kumulierte Dividendenrendite, die Ausschüttungsquote und die Kontinuität der Zahlungen ein. Nach diesem Bewertungsschema liegt die Deutsche Beteiligungs AG aus dem S-Dax ganz vorn. Es folgen Freenet (Tec-Dax), die Hannover Rück (M-Dax), Drillisch (Tec-Dax) und die Cewe-Stiftung (S-Dax). Erst auf den Plätzen sechs bis acht finden sich mit der Münchener Rück, Allianz und BASF Dax-Unternehmen. Laut den Studienmachern war das Scoring in der Vergangenheit häufig ein guter Wegweiser: Eine immer zum Quartalsanfang mit den fünf, zehn oder 20 höchstplatzierten Index-Mitgliedern bestückte Strategie habe die Indizes seit 2004 klar und kontinuierlich abgehängt.

portfolio institutionell newsflash 15.04.2015/Kerstin Bendix

 
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