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5. Dezember 2016

Norwegischer Staatsfonds soll Aktienquote drastisch hochfahren

Mehr Aktien statt Renten. Mehr Rendite bei weniger Volatilität.

Der Staatliche Pensionsfonds des Königreichs Norwegen, der Government Pension Fund, sollte langfristig noch stärker auf Aktien setzen. Zu dieser Empfehlung kommt die Norges Bank, die Zentralbank Norwegens. Sie ist es auch, die die Investments des weltweit größten Staatsfonds über ihren Vermögensverwalter, Norges Bank Investment Management, betreut. Wie das Fachmagazin „Pensions & Investments“ berichtet, hatte das Finanzministerium in Oslo im Februar dieses Jahres die Norges Bank gebeten, das bestehende Risiko-Rendite-Profil der zuletzt rund 872 Milliarden Euro schweren Kapitalanlagestruktur des Staatsfonds zu evaluieren. Der Vizechef der Norges Bank, Egil Matsen, empfiehlt nun, die Aktienquote des Staatsfonds um 15 Prozentpunkte auf 75 Prozent anzuheben. Dafür hat er einen Anlagehorizont zwischen zehn und 15 Jahren im Auge. Im Gegenzug soll der Anteil festverzinslicher Wertpapiere um 15 Prozentpunkte auf 20 Prozent sinken. Der Rest vom Portfolio solle mit rund fünf Prozent, wie seit geraumer Zeit geplant, auf Immobilien entfallen. 
Bei der Norges Bank hält man den Umbau hin zu einer drastisch höheren Aktienquote für sinnvoll. Auf Sicht von zehn Jahren sei damit eine erwartete Rendite von 2,5 Prozent per annum verbunden. Über 30 Jahre hinweg stellt eine solche Allokation eine Renditeerwartung von 3,5 Prozent Rendite pro Jahr in Aussicht; zugleich könne das Portfolio mit einer niedrigeren erwarteten Volatilität zusätzlich optimiert werden. Ein hypothetisches Portfolio, das zu 40 Prozent aus Anleihen und zu 60 Prozent aus Aktien besteht, geht derzeit mit einer erwarteten Rendite von 2,1 Prozent auf Zehnjahressicht einher. Über drei Dekaden hinweg seien 2,6 Prozent zu erwarten, rechnet Pensions & Investments vor. 
Grünes Licht fehlt noch 
Eine Ausweitung der Aktienquote passt zu den Erfordernissen der Gegenwart. Zahlreiche Studien haben in der jüngeren Vergangenheit gezeigt, dass die erwartete Rendite eines klassischen Portfolio, das zu weiten Teilen aus festverzinslichen Wertpapieren besteht und mit Aktien und alternativen Anlagen angereichert ist, inzwischen deutlich unter der von vielen Investoren angestrebten Zielrendite von 3,5 Prozent pro Jahr liegt. Die Veränderungen beim norwegischen Staatsfonds sind mit der Empfehlung aber noch längst nicht festgezurrt. Vielmehr muss das Finanzministerium dem Ansinnen noch grünes Licht geben. Denn dieses ist formeller Eigner des Fonds, es entscheidet auch über dessen grundsätzliche strategische Ausrichtung. Vor zwei Jahren ist der Vermögensverwalter des norwegischen Staatsfonds dazu übergegangen, die damals noch recht spärliche Immobilienquote von 1,3 Prozent schrittweise aufzustocken. 
Der norwegische Staatsfonds wurde in zwei Schritten (1967 und 1990) ins Leben gerufen, um  dem skandinavischen Staat bei der Finanzierung der steigenden Pensionsleistungen zur Seite zu stehen und die Einnahmen aus den derzeit noch sprudelnden Öleinnahmen weitsichtig anzulegen. 2010 war Norwegen laut der Wikipedia der neuntgrößte Erdölexporteur der Welt und lag bei der Gesamtförderung auf Rang 14. 
portfolio institutionell newsflash 05.12.2016/Tobias Bürger
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