Corporates
23.02.2017

Quartalsberichte, Integrated Reporting und Nachhaltigkeit: Papier ist geduldig, Investoren sind es nicht

Simone Fischer (Bild: KPMG)

Lydia Sandner (Bild: Oekom Research)

Immer mehr Investoren haben sich dem verantwortlichen Investieren verschrieben. Dazu betrachten sie ESG-Einflüsse von Unternehmen aus verschiedenen Perspektiven. Und sie integrieren ESG-Faktoren in ihre Investmentprozesskette und in ihre Bewertungsmodelle. Doch was treibt eigentlich die Zielunternehmen um?

Der Umfang mancher Geschäfts­berichte hat inzwischen Ausmaße angenommen, dass sich nicht wenige Adressaten fragen, wer das ­eigentlich alles lesen soll. Und vor allem: wann? Dank einer EU-Richtlinie und dem daraus abgeleiteten Transparenzrichtlinie-Umsetzungsgesetz brauchen börsennotierte Unternehmen in der Bundes­republik seit 2016 zumindest nur noch abgespeckte Quartalsberichte publizieren – reduziert auf das Wesentliche; wobei jedes Unternehmen den so gewonnenen Freiraum anders interpretiert.

Wer nun ­geglaubt hätte, die Papier- beziehungsweise­ Datenflut habe ein Ende, muss enttäuscht werden. Denn Unternehmen mit mehr als 500 ­Mitarbeitern müssen an anderer Stelle in Zukunft mehr von sich preisgeben. Dazu später mehr. Beginnen wir diese Erörterung lieber mit einem Thema, das auf Freiwilligkeit basiert: Rund um den Globus machen sich die Unternehmen, die etwas auf sich halten, intensive Gedanken, wie sie nachhaltig wirtschaften können. Sie stufen den ­gesellschaftlichen und ökologischen Wandel als wirtschaftlich sinnvoll ein. Dazu analysieren sie umweltspezifische und soziale Aspekte und treiben so den Wandel voran.

Gleichzeitig rücken sie Risiken ins Blickfeld, die der eigenen Unternehmensentwicklung im Wege stehen könnten. Wie ist es dazu ­gekommen? Simone Fischer, Partner und Head of Sustainability Services­ Deutschland im Bereich Audit bei KPMG, blickt im Gespräch mit portfolio institutionell in die Vergangenheit und sagt, dass sich das gesellschaftliche Bild sowie die Ethikvorstellungen in Bezug auf die Rolle­ von Unternehmen in der Gesellschaft gewandelt haben: „Ein Unternehmen wird nach heutiger Auffassung eben nicht nur nach finanziellen­ Beiträgen beurteilt. Vielmehr wird auch sein Social ­Impact und sein ökologischer Impact gewürdigt. Die Auswirkungen können bei dem betreffenden Unternehmen entweder positiv oder negativ ausfallen.“

Viele Unternehmen seien sich bereits im Klaren, dass sie Teil der gesellschaftlichen Lösung sein müssen. „Wir müssen uns gemeinsam um die Zukunft bemühen. Und das setzt bei dem ­einen Berichterstatter früher ein und bei dem anderen eben später. Aber das Grundverständnis hat sich im Wertegefüge nach meiner ­Beobachtung in den vergangenen Jahren deutlich herausgearbeitet und es ist heute bereits weltweit ein Verständnis, das Unternehmen haben“, berichtet­ Fischer.

Der frühe Vogel fängt den Wurm
Viele, aber längst nicht alle Großunternehmen sind so auch zu der ­Erkenntnis gelangt, dass sich die aktive Auseinandersetzung mit Nachhaltigkeit auf Unternehmensebene (Corporate Social Responsibility, CSR) positiv auf den Firmenwert auswirken kann, wenn daraus neue Geschäftsmodelle erwachsen. Fachleute sagen, es gibt lukrative Zukunftsmärkte, die auf nachhaltigen Produkten aufbauen oder auf nachhaltigeren Produktionsprozessen. Wenn man hier als Unternehmen frühzeitig agiert, kann man Wettbewerbsvorteile erringen. „Für immer mehr Investoren spielt die Corporate Social Responsibility in deren Investmententscheidungen eine Rolle“, sagt Lydia Sandner, Senior-­Analystin bei der Nachhaltigkeits-Rating-Agentur Oekom Research­ und im Finanzteam zuständig für den Versicherungs­bereich.

Im Dialog mit portfolio institutionell erläutert sie, dass eine wachsende Zahl von Investoren Daten von Oekom Research heranzieht, um ihre­ Anlageentscheidungen darauf zu gründen. „Sie ­entscheiden also nicht nur auf der Basis von Finanzinformationen, sondern sie berücksichtigen auch die Verantwortung von Unternehmen in ihrem Anlage­prozess“, sagt Sandner und wird konkreter: „Man sieht, dass nachhaltiges Investieren stetig wächst. Die Investor-Relations-Abteilungen sehen­ das natürlich auch und rüsten auf, nicht zuletzt weil sie mit einer steigenden Zahl von Investorenanfragen konfrontiert werden.“

 
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