Pension Management
15.03.2017

Pensionsvermögen im Dax erreicht neue Rekordmarke

Carl-Heinrich Kehr

Thomas Hagemann

Zu verdanken ist dies vor allem der guten Gesamtrendite von sechs Prozent. Historischer Höchststand auch bei den Verpflichtungswerten.

Das Kapitalanlagejahr 2016 kann rückblickend trotz politischer Überraschungen aus den USA und Großbritannien als positiv bezeichnet werden. Das spiegelt auch die Entwicklung des Pensionsvermögens der Dax-Unternehmen wider. Wie Mercer in seiner neuen Analyse feststellt, für die die bereits erschienenen Geschäftsberichte von 20 Dax-Konzernen herangezogen wurden, stieg das aggregierte Planvermögen 2016 von etwa 236 Milliarden Euro auf etwa 251 Milliarden Euro.

Der Großteil dieses Anstiegs führt Mercer auf die gute Performance in den Pensionsvermögen zurück. Die Gesamtrendite habe rund sechs Prozent betragen. Nur ein kleiner Teil des Anstiegs beruhe hingegen auf Dotierungen. Laut Mercer lagen diese voraussichtlich rund zwei Milliarden Euro über den Mittelabflüssen aus dem Pensionsvermögen. Dr. Carl-Heinrich Kehr, Principal und Investment-Experte bei Mercer Deutschland, weist darauf hin, dass neben den zinsbedingt positiven Entwicklungen an den Anleihemärkten auch Aktien, Immobilien und Alternatives positive Renditen lieferten. Während globale Aktien 8,5 Prozent brachten, kamen europäische Staatsanleihen mit einer Laufzeit über zehn Jahren auf 6,9 Prozent Rendite. Hervorzuheben sind laut Mercer auch die Emerging Markets, wo sowohl Anleihen (10,2 Prozent) als auch Aktien (14,9 Prozent) deutliche Zuwächse boten. Hochzinsanleihen profitierten bei ihrer Jahresrendite von 14,8 Prozent davon, dass die Kreditausfälle geringer als befürchtet lagen. „Nach den schwierigen Erfahrungen in diesen Asset-Klassen in den Vorjahren machen diese Resultate den Nutzen einer breiten Diversifikation deutlich“, kommentiert Kehr. Relativ schwach schnitten wie im Vorjahr Hedgefonds ab sowie mit 4,5 Prozent europäische Aktien, was nach Ansicht von Mercer im Zusammenhang mit dem Brexit-Votum und seinen Folgen für die Einschätzung der politischen Landschaft in Europa zu sehen ist.

Zinsentwicklung belastet Verpflichtungsseite 

Für Belastung unter den Dax-Konzernen sorgte im vergangenen Jahr unterdessen die Zinsentwicklung. Nachdem 2015 durch eine leichte Entspannung in der Zinsentwicklung gekennzeichnet war, ist der Zins 2016 wieder deutlich gesunken. Dadurch stiegen die Verpflichtungswerte der Dax-Unternehmen deutlich an und erreichten mit 396 Milliarden Euro einen historischen Höchststand. 

Mercer erläutert: Der Rechnungszins für gemischte Bestände nach der Mercer Yield Curve, einem Verfahren zur Herleitung des Rechnungszinssatzes nach IAS 19, ist 2016 von etwa 2,4 auf etwa 1,7 Prozent gesunken. „Die Dax-Unternehmen mussten den verwendeten Rechnungszins erneut deutlich reduzieren. Dadurch entstanden versicherungsmathematische Verluste in Höhe von etwa 44 Milliarden Euro, die aber das Jahresergebnis nicht belasten, da sie erfolgsneutral zu erfassen sind“, erläutert Thomas Hagemann, Chefaktuar von Mercer Deutschland. Der niedrigste Rechnungszins im Jahr 2016 wurde im September erreicht: Damals lag der Wert nach der Mercer Yield Curve bei etwa 1,3 Prozent. Darunter hatten Siemens, Infineon und Thyssen-Krupp zu leiden, deren Bilanzstichtag der 30. September ist. Siemens und Infineon haben im Euroraum einen Zins von nur 1,0 Prozent angesetzt, Thyssen-Krupp 1,3 Prozent. Ohne die Veränderungen beim Zins wären die Verpflichtungswerte nur unwesentlich angestiegen, weil der planmäßige Anstieg der Verpflichtungen durch Verzinsung und weitere Dienstjahre in etwa genauso groß wie die getätigten Zahlungen war.

Wie Mercer weiter feststellt, hat sich das Verpflichtungsvolumen zu einem kleineren Teil aufgrund der Veränderung im Dax verringert, der jedoch vernachlässigbar ist: K+S ist 2016 aus dem Dax ausgeschieden, ProSiebenSat.1 Media wurde neu aufgenommen. Die daraus resultierende Veränderung der Pensionsverpflichtungen im Dax lag jedoch unter einer Milliarde Euro.

Die deutliche Belastung beim Verpflichtungsumfang sorgte dafür, dass der Deckungsgrad 2016 geringfügig auf 63 Prozent sank, nachdem er Ende des Vorjahres noch 65 Prozent betrug. Dieser Kennzahl ist in Deutschland jedoch weniger bedeutend als in anderen Ländern. Denn hierzulande sind keine Mindestdotierungen vorgeschrieben. „Da die Insolvenzsicherung über den Pensions-Sicherungs-Verein und nicht über eine zwingende Kapitaldeckung erfolgt, können die Unternehmen frei entscheiden, ob und in welchem Umfang sie Pensionsvermögen schaffen“, kommentiert Kehr. „Entsprechend findet sich im Dax auch fast das gesamte Spektrum von vollständiger Abdeckung bis hin zum Verzicht auf Pensionsvermögen“, fügt er hinzu.

2017 wird ein schwieriges Jahr

Die Veränderung des Zinsniveaus hat auch Auswirkungen auf den Pensionsaufwand. Da dieser bereits zum Jahresanfang auf Basis der dann aktuellen Prämissen ermittelt wird, führt der Rückgang des Rechnungszinssatzes zum 31. Dezember 2016 auch zu einem Anstieg des Dienstzeitaufwandes, also des planmäßigen Anstiegs der Verpflichtungen für aktive Arbeitnehmer. Während der Dienstzeitaufwand der Dax-Unternehmen 2016 bei etwa 6,6 Milliarden Euro lag, rechnet Mercer für 2017 mit einem Anstieg auf etwa 7,3 Milliarden Euro. Für 2017 prognostiziert Mercer außerdem ein schwieriges Anlagejahr. „Während alle Welt über die politischen Unsicherheiten spricht, die wie schon im Vorjahr von einigen – zumindest für den Euro – schicksalhaften Wahlen geprägt sind, entwickeln sich die Unternehmensgewinne und damit die Märkte für Aktien und Unternehmensanleihen stetig aufwärts“, so Kehr. Als die wichtigsten Antriebskräfte werden die andauernd günstigen Kreditzinsen in Europa und die Aussichten auf steigende Investitionen der öffentlichen Hand in den USA gesehen. Beim zweiten Blick bis zur Ebene der europäischen Einzelstaaten offenbare sich die schnell steigende Kluft zwischen Deutschland einerseits und Frankreich und auch Italien andererseits. „Je näher die Wahlereignisse in diesem Jahr rücken, desto mehr Anleger werden in den Risk-off-Modus wechseln“, ist Kehr überzeugt. 

Die vorliegende Analyse von Mercer basiert auf den Geschäftsberichten, die bis zum 15. März 2017 vorlagen. Dazu gehören: Adidas, Allianz, BASF, Bayer, Beiersdorf, Daimler, Deutsche Post, Deutsche Telekom, E.on, Henkel, Infineon Technologies, Linde Group, Lufthansa, Merck, Munich Re, RWE, SAP, Siemens, Thyssen-Krupp und Vonovia. Hiermit werden fast 80 Prozent der Pensionsverpflichtungen und über 73 Prozent der Pensionsvermögen abgedeckt. Der Geschäftsbericht von Volkswagen wird mit deutlicher Verspätung veröffentlicht werden. Dadurch ist ein großer Einzelposten noch nicht in diese Hochrechnung eingeflossen.

portfolio institutionell newsflash 15.03.2017/Kerstin Bendix 

 
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